Baden-Württemberg Ex-Ministerpräsident Filbinger ist tot

Er diente den Nazis als Marinerichter - und der Bundesrepublik als Ministerpräsident: Wie heute bekannt wurde, starb der umstrittene CDU-Politiker Hans Filbinger bereits am Sonntag in seinem Haus in Freiburg.


Stuttgart - Filbinger hatte das Land von Ende 1966 bis August 1978 regiert. Während seiner Amtszeit war er ein ziemlich beliebter Ministerpräsident. Das änderte sich schlagartig als seine Tätigkeit als Marinerichter am Ende des Zweiten Weltkrieges bekannt wurde. Der Schriftsteller Rolf Hochhuth hatte Filbingers Vergangenheit publik gemacht: In der "Zeit" nannte er ihn einen "furchtbareren Juristen".

Hans Filbinger: Der frühere Ministerpräsident starb am Sonntag in seinem Haus in Freiburg
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Hans Filbinger: Der frühere Ministerpräsident starb am Sonntag in seinem Haus in Freiburg

Besonders Filbingers als wenig überzeugend empfundene Art der Verteidigung führten dazu, dass sich schließlich auch in der CDU die Forderungen nach seinem Rücktritt mehrten. Am 7. August 1978 beugte er sich.

Im Mai desselben Jahres hatte er eingeräumt, 1945 an einem Todesurteil wegen Fahnenflucht gegen einen Matrosen beteiligt gewesen zu sein. Allerdings legte er Wert auf die Feststellung, eine Reihe von Wehrmachtsangehörigen vor Verurteilung bewahrt und in zwei Fällen sogar Todesurteile verhindert zu haben.

Er erklärte stets, dass er im Frühjahr 1943 gegen seinen erklärten Willen als Stabsrichter zur Marine abkommandiert wurde und dass er versucht hatte, sich diesem Auftrag zu entziehen, indem er sich freiwillig zur U-Boot-Waffe meldete.

Lange hatte er um seine Rehabilitation gekämpft. Er sah sich bis zum Schluss als Opfer einer Kampagne, die seiner Meinung nach von der Stasi gesteuert wurde. Filbinger versuchte seine Todesurteile zu rechtfertigen mit dem berühmt gewordenen Satz, was damals rechtens gewesen sei, könne heute nicht Unrecht sein.

Zuletzt hatte Filbinger 2004 für Schlagzeilen gesorgt. Er war damals zur Wahl des Bundespräsidenten als CDU-Wahlmann nominiert worden. Der deutsche PEN-Club sprach damals von einer skandalösen Missachtung und Beschädigung dieses Wahlgremiums. "Wer immer am Sonntag zum Staatsoberhaupt ernannt werden wird: Die Stimme Filbingers wird ein Makel sein."

Seine politische Karriere hatte 1951 begonnen: Damals trat er der CDU im Südwesten bei. Dem Stuttgarter Landtag gehörte er von 1960 bis 1980 an. Er wurde Innenminister und 1966 Ministerpräsident, nachdem sein Vorgänger Kurt Georg Kiesinger zum Bundeskanzler avanciert war. Filbinger baute bei den folgenden Wahlen die absolute Mehrheit der CDU im Lande stetig aus.

Er galt vielen als erster Ministerpräsident im "Ländle", der das Attribut eines "Landesvaters" verdiente. Der Politiker kämpfte für den Südweststaat, setzte auch auf die Kernkraft. Doch warfen ihm Kritiker vor, er habe die Lage falsch eingeschätzt, als es im südbadischen Wyhl massiven Widerstand gegen den Bau eines Atommeilers gab. Auf Bundesebene brachte es Filbinger bis zum stellvertretenden Parteivorsitzenden der CDU.

Bis zuletzt hatte Filbinger als Ehrenvorsitzender der Südwest-CDU an wichtigen Parteiveranstaltungen teilgenommen. So hatte er auch beim CDU-Landesparteitag Ende Oktober 2006 in Pforzheim im Präsidium gesessen. "Ich blicke nicht zurück im Zorn", hatte er im Sommer 2003 bei seinem 90. Geburtstag zu den Vorgängen um seinen Rücktritt gesagt.

Ministerpräsident Günther Oettinger würdigte Filbinger als "herausragende, prägende Persönlichkeit" für das Land. er sei ein "Landesvater im besten Sinne" gewesen. Die erfolgreiche Geschichte Baden-Württembergs sei aufs Engste mit Filbinger und seinen politischen Leistungen verbunden. Filbinger hinterlässt eine Ehefrau, fünf Kinder, 14 Enkel und zwei Urenkel.

ler/dpa/ddp



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