Baden-Württemberg S21-Abstimmung läuft nur schleppend

Nun soll das Volk entscheiden: 7,6 Millionen Baden-Württemberger sind zur Abstimmung über das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 aufgerufen. Bis zum frühen Nachmittag war die Wahlbeteiligung allerdings mäßig - kein gutes Omen für die Gegner.

DPA

Stuttgart - Es soll der letzte Akt eines jahrelangen Streits werden: Am Sonntag entscheidet die Bevölkerung in Baden-Württemberg über das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 (S21). Doch das Interesse der 7,6 Millionen Wahlberechtigten hält sich offenbar in Grenzen. Bis um 14 Uhr gaben nach Angaben der Landesabstimmungsleiterin nur 20,8 Prozent ihr Votum ab. Damit lag die Beteiligung zu diesem Zeitpunkt um 9,9 Prozentpunkte niedriger als bei der Landtagswahl am 27. März.

Die vergleichsweise niedrige Wahlbeteiligung ist eine schlechte Nachricht für die S21-Gegner. Denn für ein Aus des Projekts genügt es nicht, dass sie eine Mehrheit der Stimmen erringen. Laut Landesverfassung muss ein Drittel der Stimmberechtigten gegen S21 stimmen - also gut 2,5 Millionen.

Deutlich höher als im Rest des Landes lag die Wahlbeteiligung in Stuttgart. Dort gingen bis zum frühen Nachmittag 46,9 Prozent der Bürger an die Urne - fast genau so viele wie bei der Landtagswahl. In Ulm, das durch Stuttgart 21 eine Schnellbahnanbindung an den Stuttgarter Flughafen bekommen soll, beteiligten sich bis 14 Uhr 33,9 Prozent.

In Mannheim gaben dagegen zunächst nur 21,5 Prozent der Stimmberechtigten ihr Votum ab - 16 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Landtagswahl. In Freiburg lag die Beteiligung im selben Zeitraum bei 24,9 Prozent.

Umfragen deuten auf knappes Ergebnis hin

Das Ergebnis der Abstimmung könnte letzten Umfragen zufolge knapp ausfallen: Demnach waren 55 Prozent der Baden-Württemberger gegen einen Baustopp, 45 Prozent dafür. Die Wahllokale sind bis 18 Uhr geöffnet.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) gab seine Stimme nach einem Gottesdienst in seiner Heimatstadt Sigmaringen ab. Der bekennende S21-Gegner hatte am Samstag auf dem Bundesparteitag der Grünen in Kiel noch einmal für ein Nein zu Stuttgart 21 geworben. Es bestehe die Gefahr, dass die Kosten für den unterirdischen Bahnhof völlig aus dem Ruder laufen.

Die Bahn gibt die Kosten von S21 mit 4,1 Milliarden Euro an. Bezahlt wird der Bau von der Bahn, dem Bund, dem Land, der Region und der Stadt Stuttgart sowie dem Stuttgarter Flughafen. Baden-Württemberg ist bislang mit 824 Millionen beteiligt. Die Gegner rechnen mit Kosten von bis zu sechs Milliarden Euro. Sie favorisieren einen modernisierten Kopfbahnhof.

dab/dpa/AFP/dapd

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insgesamt 128 Beiträge
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mfluch 27.11.2011
1. Wenn man schon dagegen ist...
Wenn man schon dagegen ist, dann muß man auch zur Wahlurne gehen. Die geringe Wahlbeteiligung gibt den Anschein, daß der Wutbürger dann doch zu bequem ist...
rkinfo 27.11.2011
2. Teure Abstimmung - ging voll daneben !
Für die Kosten der Volksabstimmung hätte man locker die große Wendlinger Kurve als Upgrade bezahlen können. Wobei ja sogar K21 jene benötigen würde. "Außer Spesen nichts gewesen" - so die logische Folge der geringen Beteiligung im Lande. Hätte man bundesweit über jenes oft Top 1 Thema deutscher Medien abgestimmt wären wohl regional sogar nur 1-stellige Wahlbeteiligungen entstanden. Obwohl ja eine Teil der eingesparten Gelder beim S21 Stop bundesweit verteilt worden wären.
rkinfo 27.11.2011
3. Es ist kalt und wird früh dunkel ...
Zitat von mfluchWenn man schon dagegen ist, dann muß man auch zur Wahlurne gehen. Die geringe Wahlbeteiligung gibt den Anschein, daß der Wutbürger dann doch zu bequem ist...
Zudem sind Wutbürger auf den ganzen Staat wütend - auch in Form der Wahlkabine. Wobei ja eh die allermeisten Wutbürger nur Auto und praktisch nie Bahn fahren. Fühlen sich also nicht betroffen von der Frage nach Stuttgart21.
5Minute 27.11.2011
4. ..
Zitat von mfluchWenn man schon dagegen ist, dann muß man auch zur Wahlurne gehen. Die geringe Wahlbeteiligung gibt den Anschein, daß der Wutbürger dann doch zu bequem ist...
Oder dass es gar nicht so viele Wutbürger gibt, wie uns die Medien glauben lassen wollen.
dabozzcrg 27.11.2011
5. Oder
Zitat von mfluchWenn man schon dagegen ist, dann muß man auch zur Wahlurne gehen. Die geringe Wahlbeteiligung gibt den Anschein, daß der Wutbürger dann doch zu bequem ist...
der Begriff Wutbürger steht nur für wenige...
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