Bahn-Affäre Tiefensee soll schon im August von Bonuszahlungen gewusst haben

Verkehrsminister unter Druck: Wolfgang Tiefensee hat einem Zeitungsbericht zufolge deutlich früher als bislang erklärt von den Bonus-Regelungen für das Bahn-Management gewusst. Das Verkehrsministerium dementierte den Bericht.


Hamburg - Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) hat laut einem Zeitungsbericht doch schon früher von den geplanten Bonus-Zahlungen an Bahn-Manager gewusst als von ihm selbst eingeräumt. Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller informierte Tiefensee in der zweiten Augusthälfte telefonisch über die umstrittenen Regelungen, berichtet die Montagsausgabe der "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf den Aufsichtsrat und Unternehmenskreise.

Verkehrsminister Tiefensee: Laut einem Zeitungsbericht wusste er schon im August von den Bonuszahlungen
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Verkehrsminister Tiefensee: Laut einem Zeitungsbericht wusste er schon im August von den Bonuszahlungen

Tiefensee habe zu diesem Zeitpunkt weder intern noch gegenüber dem Bahnvorstand Kritik an den Sonderzahlungen geübt, die aus Anlass des Börsengangs der Bahn vorgesehen waren, berichtet die Zeitung.

Das Bundesverkehrsministerium dementierte am Sonntagabend. Nach Rücksprache von Tiefensee mit Müller erklärte ein Ministeriumssprecher, der Bericht sei falsch und entbehre jeder Grundlage.

Tiefensee steht unter Druck, weil er erst in der vergangenen Woche Konsequenzen aus den Kommunikationspannen zog und seinen Staatssekretär Matthias von Randow entließ. Begründet wurde dies damit, dass Randow über den Beschluss im Personalausschuss des Bahn-Aufsichtsrates nicht zügig informiert habe. Wenige Tage später räumte Tiefensee ein, seit Mitte September von den Bonuszahlungen gewusst zu haben. Er wollte sie nach Angaben eines Sprechers damals nicht öffentlich thematisieren, um den - inzwischen verschobenen - Börsengang der Bahn nicht zu gefährden.

Mehrere Unionspolitiker warfen Tiefensee am Wochenende fahrlässiges Handeln vor. Aus der CSU kamen Rücktrittsforderungen. Tiefensee forderte die Deutsche Bahn erneut auf, auf die Bonuszahlungen zu verzichten. Bahn-Aufsichtsrat Georg Brunnhuber wies dies zurück. CSU-Verkehrsexpertin Renate Blank sagte dem "Focus": "Tiefensee dürfte nicht nur seinen Staatssekretär feuern, er müsste gleich selber gehen." Der Minister sei "beim Lügen erwischt worden". Zuvor hatten schon Mitglieder der Opposition seinen Rücktritt gefordert.

Der Bahn-Aufsichtsrat und CDU-Bundestagsabgeordnete Georg Brunnhuber sagte der "Bild am Sonntag": "Tiefensees Verhalten schadet der Bahn und der Politik." Außerdem sei der Bonus für den Vorstand "beim Börsengang absolut gerechtfertigt und weltweit üblich". Der Bahn-Aufsichtsrat will sich in den kommenden Tagen bei einer außerordentlichen Sitzung mit den Bonuszahlungen bei der Deutschen Bahn beschäftigen. Hintergrund sei auch der Unmut der Vorstände über die Kritik und das Verhalten von Tiefensee.

sto/AFP/dpa



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