Ex-Kanzleramtsminister Bahn-Aufsichtsrat hat "keine Kenntnis" von Posten für Pofalla

Neue Wendung im Fall Pofalla: Der Bahn-Aufsichtsrat hat nach eigenen Angaben "keine Kenntnis" von der Schaffung eines neuen Vorstandsressorts für den Ex-Kanzleramtschef. Nach SPIEGEL -Informationen gibt es in dem Gremium Widerstand gegen die geplante Berufung.

Ronald Pofalla (Archivbild): Im Kreuzfeuer der Kritik
AFP

Ronald Pofalla (Archivbild): Im Kreuzfeuer der Kritik


Hamburg - Die Zukunft von Ex-Kanzleramtsminister Ronald Pofalla bleibt ungewiss. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn hat noch nicht über eine mögliche Berufung des früheren Kanzleramtsministers in den Vorstand des Unternehmens beraten, wie das Gremium am Sonntagabend erklärte.

Aufsichtsratschef Utz-Hellmuth Felcht teilte mit, der Rat habe "keine Kenntnis von Überlegungen zur Erweiterung des DB-Vorstands beziehungsweise zur Bildung neuer Vorstandsressorts". In der Erklärung weist Felcht darauf hin, dass Vorstandsfragen in mehreren Sitzungen des Aufsichtsrats Thema gewesen seien. Dabei sei es um die Berufung von Heike Hanagarth zum neuen Vorstandsmitglied für Technik und die erneute Berufung der Vorstände Ulrich Weber und Gerd Becht gegangen.

Der SPIEGEL hatte berichtet, dass sich im Bahn-Aufsichtsrat Widerstand gegen die geplante Berufung des CDU-Politikers in den Vorstand des staatseigenen Unternehmens formiert. Teile des Aufsichtsrats wollen demnach verhindern, dass die Führungsspitze weiter aufgebläht wird. (Die ganze Geschichte lesen Sie hier im aktuellen SPIEGEL.)

Aufsichtsrat könnte am 30. Januar über Personalie beraten

Nach Aussage eines Bahn-Insiders werde in dem Unternehmen bereits seit mehr als einem halben Jahr darüber gesprochen, einen Vorstandsposten für Regierungskontakte zu schaffen. Dabei sei von Anfang an der Name Pofalla im Spiel gewesen.

Von mehreren Seiten, auch aus den eigenen Reihen, wurde Pofalla aufgefordert, bei einem Wechsel sein Bundestagsmandat niederzulegen. Der baden-württembergische CDU-Fraktionschef Peter Hauk sagte, da die Bahn zu 100 Prozent im Staatsbesitz sei, müsse eine Interessenkollision auch dem Anschein nach vermieden werden. Die "Bild am Sonntag" berichtete, Pofalla sei bereit, sein Bundestagsmandat aufzugeben, sollte er in den Bahn-Vorstand berufen werden.

Der Bahn-Aufsichtsrat könnte auf einer Sondersitzung am 30. Januar über die Personalie beraten. Pofalla hatte während seiner Zeit als Kanzleramtsminister möglicherweise erheblichen Einfluss auf Personalentscheidungen des Unternehmens. Für den als möglichen Bahn-Vorstand gehandelten CDU-Politiker ist angeblich geplant, einen neuen Posten als Spitzenlobbyist zu schaffen.

Die Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt sagte dem SPIEGEL, der Vorgang rieche "schon sehr nach Versorgung".

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bos/Reuters/AFP/dpa

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senapis 05.01.2014
1. Widerlich's G'schmäckle
Um dem Vorwurf von Versorgungsmentalität und Vetternwirtschaft aus dem Wege zu gehen, sollte dieser Job mit Stellenbeschreibung öffentlich ausgeschrieben werden. Eine Legislaturperiode als Karenzzeit für Pofalla sollte das Minimum sein!
marthaimschnee 05.01.2014
2.
Na wat denn nu? War der Coup des Postillon etwa der, die übrigen Welt glauben zu machen, sie hätte die Ente gar nicht bei denen abgeschrieben?
einwerfer 05.01.2014
3. Also, lieber Aufsichtsrat der Bahn
Ihr sitzt in diesem und bekommt Euer Geld (mind. 20000 €/anno) nur, weil die Bundesregierung als Alleininhaber der Bahn Euch da hingeschickt hat. Und Ihr werdet genau das tun, was der Anteilseigner will, ok ?
diskantus 05.01.2014
4. sieh an, der Rat
Das ging aber schnell. Da glühen jetzt die Drähte: was tun? wie kann man diese Entscheidung durchsetzen, ohne Frau Merkel mit ihrem Anhang jetzt blöd dastehen zu lassen? Wie kann man die Veröffentlichungskette noch so drehen, dass alles "im besten Einverständnis" und natürlich sattelfest ist? Tja. Das habt ihr euch selbst eingebrockt. Nun löffelt eure Suppe auch selbst aus.
Hilfskraft 05.01.2014
5. Wikipedia über Pofalla
was sagt denn Wikipedia über unseren Roland Pofalla? Hier ein Abschnitt: ZITAT WIKIPEDIA: "Schon während seiner Studienzeit wurde Pofalla vom Unternehmer Bernhard Josef Schönmackers gefördert, der im Kreis Kleve Entsorgungs- und Umweltfirmen betrieb. Schönmackers wurde – nach eigenen Angaben – vom damaligen Gemeindedirektor Wienen „um eine Förderung bzw. Unterstützung des Studiums des Herrn Pofalla gebeten“. Pofalla wurde danach über mehrere Jahre mit 1200 bis 1300 DM monatlich unterstützt. „Sinn und Zweck unserer Zusammenarbeit war es grundsätzlich, Herrn Pofalla für sein Jurastudium eine gewisse finanzielle Basis zu geben“, allerdings auch „politische Kontakte“ zu knüpfen, sowie die Bearbeitung von Fragen des Miet- und Arbeitsrechts. Die weitere Zusammenarbeit mit Ronald Pofalla hat nach Angaben Schönmackers dann aber auch in „der politischen Unterstützung des Aufbaus und der Erweiterung unseres Betriebes“ bestanden.ZITAT ENDE Wie man hier erfährt, wurde Herr Pofalla von Jugend an für politische Einflußnahme im Sinne seiner Förderer zurecht gestutzt und in Form gebracht. Er hat also NIE selber neutral für sein Fortkommen gesorgt, sondern sich stets seine Dienste zweigleisig bezahlen lassen. Daher auch das schleimige Getue um Merkel herum ... Will man so einen irgendwo an Strippen ziehen lassen ? Nein!
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