Kostenexplosion Stuttgart 21 wird teurer und ein Jahr später fertig

Das umstrittene Milliardenprojekt Stuttgart 21 geht erst Ende 2020 in Betrieb. Die Bahn erklärt die Verspätung mit einem verzögerten Beginn des Grundwassermanagements. Die Kosten für den Bahnhofsumbau steigen auf 4,3 Milliarden Euro.  

Lenken Stuttgart 21: Landesverkehrsminister Hermann, Bahn-Technikvorstand Kefer
DPA

Lenken Stuttgart 21: Landesverkehrsminister Hermann, Bahn-Technikvorstand Kefer


Stuttgart - Kritiker des Großprojekts hatten es vorausgesagt: Der Bahnhofsumbau Stuttgart 21 wird teurer - und später fertig als geplant. Dies kündigten der baden-württembergische Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) und Bahn-Infrastrukturvorstand Volker Kefer am Freitag in Stuttgart nach einer Sitzung des sogenannten Lenkungskreises der Projektpartner an.

Kefer erläuterte, nachdem nun mehr 50 Prozent der Bauaufträge vergeben worden seien, lägen die Kosten gemäß der Prognose der Bahn nun bei 4,3 Milliarden Euro. Bisher war das Projekt immer auf 4,1 Milliarden Euro kalkuliert worden. "Wir betrachten das mit Sorgen", sagte Verkehrsminister Hermann. Er werde alles dafür tun, dass der Kostendeckel von 4,5 Milliarden Euro gehalten werde.

Laut Bahn-Vorstand Kefer kann das Projekt zudem erst Ende 2020, ein Jahr später als geplant, fertiggestellt werden. Dies liege daran, dass sich das Grundwassermanagement verzögere und erst im Januar 2013 begonnen werden könne. Der eigentliche Tiefbau könne folglich nicht, wie geplant, schon in der zweiten Jahreshälfte 2012 beginnen.

An der Finanzierung des Milliardenprojekts wird immer wieder Kritik laut. Zuletzt zeigten unbekannte Dokumente nach SPIEGEL-Informationen, dass die damalige Landesregierung schon 2009 mit höheren Kosten rechnete - und auf Grundlage von Bahn-Unterlagen eine Gesamtsumme von mindestens 4,9 Milliarden Euro kalkuliert hatten.

Bereits Ende September vergangenen Jahres hatten Meldungen über einen Kostenschub in Höhe von 370 Millionen Euro die Stimmung im Lenkungskreis angeheizt. Darin waren zudem auch nur Risiken aus der Planung und bisherigen Auftragsvergabe enthalten. Baden-Württembergs Landesregierung hatte daraufhin neue Zweifel an den Berechnungen der Bahn geäußert.

Streit über Kosten infolge der Schlichtung

Umstritten zwischen Bahn und Projektpartnern sind zudem die Mehrkosten aus der Schlichtung des Projekts von 80 Millionen Euro. Diese sind aus Sicht der Bahn in die 4,3 Milliarden Euro noch nicht mit eingerechnet. Die Bahn verlangt eine zusätzliche Finanzierungsvereinbarung. Die Projektpartner betrachten die Verbesserungsvorschläge aus der Schlichtung, darunter ein zusätzliches Gleis am Flughafenbahnhof und eine doppelte Signalisierungstechnik, "selbstverständlich als Teil des Gesamtprojektes", wie Hermann sagte. Weitere Kosten wollten sie nicht übernehmen.

Um diesen Streitpunkt zu klären, soll nun zunächst der sogenannte Filder-Dialog beendet werden: Bei dem Abschnitt auf den Fildern in Richtung Flughafen sehen Bürgerinitiativen sowie die grün-rote Landesregierung noch Verbesserungsbedarf. Diese sollen in einem Bürgerdialog im Frühjahr diskutiert werden.

bos/dapd/dpa

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insgesamt 179 Beiträge
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rainer_daeschler 23.03.2012
1. Salamischeibe
Das ist ja nur die erste Salamischeibe eingestandener Kostensteigerungen und die Bauzeitverlängerung, von einem Jahr, eine sehr optimistische Einschätzung, keine Neuigkeit mehr. Was hat die heutige Sitzung des Lenkungskreises denn jetzt Sensationelles ans Tageslicht befördert?
bold_ 23.03.2012
2. Solche Bauvorhaben
finden in einzelnen Abschnitten statt. Von der Salami schneidet man ebenfalls einzelne Scheiben ab... --> auch unter der Erde wulfft es! Wir sprechen uns 2020 wieder.
dropbearhunter 23.03.2012
3. "Die Kosten ... steigen auf 4,3 Milliarden Euro"
Zitat von sysopDPADas umstrittene Milliardenprojekt Stuttgart 21 geht erst Ende 2020 in Betrieb. Die Bahn erklärt die Verzögerung damit, dass das Grundwassermanagement erst später beginnen könne als geplant. Die Kosten für den Bahnhofsumbau steigen auf 4,3 Milliarden Euro. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,823433,00.html
Blödsinn! Die Kosten werden auf etwa 10 Milliarden Euro Steigen. Dafür muß man nicht Architektur oder BWL Studuert haben, es reicht eine gesunde Portion Zynismus und ein Blick auf vergangene Projekte.
Koana 23.03.2012
4. Pradekleptokratie
Denk ich an Hermann bei der Schlichtung in der Nacht - und bin grade aufgewacht - seh ihn als Minister neben Kefer stehn - der ein lacht der andere grinst - da denk ich mir nun ja - du spinnst! Pragmatisch, demokratisch, kleptokratisch = Pradekleptokratie S21 ein klassisches Kind der Korruption und gieriger Dummheit - 2020 hat Stuttgar sicher noch ein triefendes Bauloch - na ja in Hamburg macht man derzeit Geschäfte mit Touriführungen auf der Baustelle der Elb-Philharmonie.....- es lebe die Generation Hochleistungsgesellschaft!
Jolande9 23.03.2012
5. Es sind ja nicht nur die Baukosten....
Es sind ja nicht nur die steigenden Baukosten, die dem Bürger den Schweiß auf die Stirn treiben - letztlich wird doch alles so eintreten, wie von pragmatischen Kritikern prognostiziert. Die Kosten für S21 müssen an anderer Stelle eingespart werden, und das geht hier schon los: Schienennahverkehr: Ministerium laufen Kosten davon - Baden-Württemberg - Stuttgarter Zeitung (http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.schienennahverkehr-ministerium-laufen-kosten-davon.b531f7f7-a52a-45aa-b2b9-156603758b77.html) Wenns nicht zum Lachen wär, wärs zum Heulen...
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