Westbalkan Visumanträge überfordern deutsche Botschaften

Die Zahl der Anträge für Arbeitsvisa vom Balkan ist nach SPIEGEL-Informationen massiv gestiegen. Das Auswärtige Amt schlägt Alarm und will das Verfahren ändern. Doch das Innenministerium sträubt sich.

Auswärtiges Amt in Berlin
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Auswärtiges Amt in Berlin

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Die Auslandsvertretungen auf dem Balkan sind überfordert von der hohen Zahl der Anträge für Arbeitsvisa in Deutschland. Wie aus einem dem SPIEGEL vorliegenden Vermerk des Auswärtigen Amts hervorgeht, hat sich die Zahl der bearbeiteten Visa in den sechs Staaten des Westbalkan im ersten Halbjahr 2018 auf rund 52.000 erhöht. Das sind fast doppelt so viele wie im selben Zeitraum 2015.

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Heft 36/2018
Wenn Rechte nach der Macht greifen

Die Nachfrage nach Terminen in den deutschen Botschaften könne "bei Weitem nicht befriedigt werden", was zu einem "stark steigenden Beschwerdeaufkommen aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft" geführt habe. Um die Antragsflut in den Griff zu bekommen, müssten die Bearbeitungskapazitäten in etwa vervierfacht werden, heißt es in dem Papier.

Weil das unrealistisch ist, schlagen die Experten des von Heiko Maas (SPD) geführten Auswärtigen Amts vor, das Prüfen der Anträge auf Behörden im Inland zu verlagern.

Dagegen aber sträubt sich das Bundesinnenministerium. Die Visumvergabe im Herkunftsstaat sei "ein wesentliches Instrument der Zuwanderungssteuerung, das wir nicht aus der Hand geben wollen", heißt es aus dem Haus von Horst Seehofer (CSU).

"Die Kritik am Auswärtigen Amt ist nicht fair", sagt hingegen Maas' Staatsminister Michael Roth. "Wenn wir ein modernes Einwanderungsland werden wollen, müssen wir die passenden bürokratischen Strukturen im Inland schaffen."

Für Bosnien, Serbien, Montenegro, das Kosovo, Mazedonien und Albanien gilt seit 2016 eine Sonderregelung. Die deutschen Behörden gehen mit Asylanträgen aus diesen Ländern strenger um. Im Gegenzug dürfen deren Staatsangehörige nach Deutschland kommen, wenn sie ein Arbeitsangebot vorlegen können. Meist geht es um Jobs im Baugewerbe, in der Gastronomie oder der Pflege.

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insgesamt 13 Beiträge
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Seite 1
scgtef 01.09.2018
1. Was für ein Jobangebot
reicht da denn aus? Hoffentlich eines, das für die Ernährung und die Unterkunft der gesamten Familie reicht. Ohne Wohngeld oder Hartz4 Aufstockung. Denn sonst wäre das Zuwanderung auf Kosten der Allgemeinheit.
ford_mustang 01.09.2018
2. Verlagerung auf Inlandsbehörden
Die sind doch auch schon gut mit Arbeit eingedeckt. Wer sich z. Bsp. mal Ummelden muss, spürt das. Wer beschwert sich denn konkret aus Wirtschaft, Politik und Privat? Wie muss denn eigentlich ein Nachweis eines Arbeitsplatzes für Bürger aus Bosnien, etc.aussehen? Reicht es schon, wenn der Bruder schreibt Herr XYZ kann in meinem Kiosk arbeiten? Was geschieht, wenn jemand nach drei Monaten gekündigt wird? Fragen über Fragen, die für eine Einschätzung wichtig sind, ob hier überhaupt ein Problem besteht.
skeptiker97 01.09.2018
3. Genau hinschauen
Wenn diese Leute einen Job haben und ihn auch tatsächlich auskömmlich (ohne Aufstockung aus den Sozialsystemen) ausüben, ist das in Ordnung. Eine Zuwanderung in die Sozialsysteme mit nur einem nur scheinbaren Job darf es nicht geben. Zudem sollte die Heim- bzw. Ausreise obligatorisch sein, wenn die Tätigkeit beendet ist.
dirkcoe 01.09.2018
4. Ich verstehe es nicht
Statt geeignete Wege zu finden, um dringend benötigte Fachkräfte in Land zu holen, dreht sich die Bürokratie im Kreis und steht sich dabei selbst im Weg. Auch wenn Superhorst einmal mehr völlig überfordert ist - pragmatische Lösungen jetzt sind allemal besser, als tolle Lösungen irgendwann.
Spiegelleserin57 01.09.2018
5. ArbeitsANGEBOT reicht nicht!
" Im Gegenzug dürfen deren Staatsangehörige nach Deutschland kommen, wenn sie ein Arbeitsangebot vorlegen können. Meist geht es um Jobs im Baugewerbe, in der Gastronomie oder der Pflege." Es sollte schon ein abgeschlossener ArbeitsVERTRAG sein der nachprüfbar ist. Bei der Pflege müssen es Leute sein die eine qualifizierte Pflegeausbildung haben und die die deutsche Sprache fließend beherrschen. Es gibt zu viele Schlupflöcher! Angebote kann man schnell ablehnen und sind nicht bindend. Was geschieht mit den Leuten die nach Einwanderung eben plötzlich keine Arbeit mehr haben? Die Richtlinien sollten deutlich verschärft werden! "Die Nachfrage nach Terminen in den deutschen Botschaften könne "bei Weitem nicht befriedigt werden", was zu einem "stark steigenden Beschwerdeaufkommen aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft" geführt habe." Es geht nicht dass deutsche Menschen arbeitslos sind und ausländische Kräfte die Arbeit für Dumpinglöhne erledigen und unqualifiziert arbeiten. Meine Elektrofirma lehnt mittlerweile Reparaturen an Neubauten ab weil die Richtlinien bei Neubau nicht eingehalten werden und nach den Vorgaben der Herkunftsländer gebaut wird. Sie haben diese Sicherungskästen fotografisch dokumentiert. Der Dumme ist dann der Bauherr der später die Probleme hat eine Firma zu finden die alles wieder nach deutschen Richtlinien wenn überhaupt möglich wieder umbaut. Solange keine einheitliche EU-Richtlinien und Ausbildungsvorschriften bestehen wird schwer eine qualifizierte Kraft einzustellen. Besonders die Gastronomie stellt für deutsche Arbeitslose eine Chance dar wieder in Lohn und Arbeit zu kommen. Man kann sich nicht immer aussuchen wo man arbeitet sondern muss sich dem Markt , der Nachfrage, anpassen wenn man keine Arbeit hat!
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