Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Geplantes Asylbewerberheim in Bautzen: Ermittler gehen von Brandstiftung aus

DPA

Das Feuer in der geplanten Asylbewerberunterkunft in Bautzen wurde mit Vorsatz gelegt, davon gehen die Ermittler aus. In wenigen Tagen sollten die ersten Flüchtlinge dort untergebracht werden.

Nach dem Feuer in einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Bautzen gehen die Ermittler zurzeit von Brandstiftung aus. Das sagte der Leiter des für Extremismus zuständigen Operativen Abwehrzentrums (OAZ) der sächsischen Polizei und Leipziger Polizeipräsident Bernd Merbitz am Sonntag. Die Untersuchungen liefen aber noch. Einen Tatverdacht gebe es bisher nicht. Es werde in "jede Richtung" ermittelt, betonte Merbitz, der vor Ort in Bautzen war.

Der Brand in dem ehemaligen Hotel war in der Nacht zu Sonntag ausgebrochen. Das Gebäude sollte künftig als Flüchtlingsunterkunft dienen, wie die Polizeidirektion Görlitz mitteilte. Beim Eintreffen der Feuerwehr habe der Dachstuhl des L-förmigen Hauses vollständig gebrannt. Verletzt wurde niemand, das Gebäude stand leer.

Einige Schaulustige verfolgten das Geschehen. Teilweise waren die Gaffer nach Polizeiangaben angetrunken und machten "abfällige Bemerkungen" oder zeigten "unverhohlene Freude". Die Polizei hat nach eigenen Angaben die Personalien mehrerer Schaulustiger aufgenommen und Platzverweise gegen drei 19 und 20 Jahre alte Bautzener erteilt.

Fotostrecke

4  Bilder
Flüchtlingsheim in Bautzen: Dachstuhl in Flammen
Das Feuer war gegen 3.30 Uhr ausgebrochen. Die Berufsfeuerwehr Bautzen und Freiwillige Wehren umliegender Kommunen rückten mit 70 Mann an, um den Brand unter Kontrolle zu bekommen und ein Übergreifen auf angrenzende Wohnhäuser zu verhindern. Böiger Wind erschwerte die Löscharbeiten.

Schon im März sollten die ersten Asylbewerber in die Unterkunft einziehen, berichtet die"Sächsischen Zeitung". Sie war demnach für 300 Personen konzipiert. Nach dem Brand ist das Dach des Gebäudes jedoch nahezu vollständig zerstört. Hinzu kommen vermutlich große Schäden im eigentlichen Wohnbereich durch Löschwasser.

Tillich: "Das sind Verbrecher"

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) hat die fremdenfeindlichen Vorfälle in Clausnitz und Bautzen als "widerlich und abscheulich" bezeichnet. In Clausnitz bei Chemnitz hatte wütende Anwohner am Donnerstagabend stundenlang einen Bus mit ankommenden Flüchtlingen blockiert.

Die Vorfälle seien erschreckend und schockierend zugleich, sagte Tillich am Sonntag den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Das sind keine Menschen, die so was tun. Das sind Verbrecher." Die Strafverfolgungsbehörden würden konsequent ermitteln und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen. Solche Taten besudelten "das, was die Menschen an Mut in der friedlichen Revolution aufgebracht haben und den Fleiß beim Wiederaufbau Sachsens".

Der sächsische Innenminister Markus Ulbig (CDU) sagte: "Was mich besonders betroffen macht, ist die Tatsache, dass mehrere betrunkene Bautzener vor Ort pöbelten." Es sei "unerträglich, wie offen und respektlos der Hass auf Ausländer zur Schau getragen wird", fügte er hinzu.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) hat die fremdenfeindlichen Vorfälle in Sachsen scharf verurteilt. "Wer unverhohlen Beifall klatscht, wenn Häuser brennen, und wer Flüchtlinge zu Tode ängstigt, handelt abscheulich und widerlich", twitterte der SPD-Politiker am Sonntag.

cpa/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Anzeige
  • Maximilian Popp (Hrsg.):
    Tödliche Grenzen

    Die Krise der europäischen Flüchtlingspolitik.

    SPIEGEL E-Book; 2,99 Euro.

  • Bei Amazon kaufen.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: