Umstrittene Leistung: Nur wenige Familien beantragen Betreuungsgeld

Familienglück in Bayern: Flyer für 55.000 Haushalte Zur Großansicht
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Familienglück in Bayern: Flyer für 55.000 Haushalte

Ab August kann das umstrittene Betreuungsgeld bezogen werden. Anträge gibt es bislang allerdings kaum. Das bayerische Sozialministerium will das ändern und hat nach SPIEGEL-Informationen 2755 Haushalten im Freistaat nahezu vollständig ausgefüllte Anträge zugeschickt.

Berlin - In vielen Bundesländern wurden bisher nur wenige Anträge auf das neue und umstrittene Betreuungsgeld gestellt - auch weil die SPD-geführten Ministerien nicht für die unliebsame Leistung trommeln mögen, die ab August bezogen werden kann.

Thüringen zählt keinen einzigen Antrag, Mecklenburg-Vorpommern kommt auf nur 44 Anträge. Auch in Rheinland-Pfalz "kann von einem Ansturm keine Rede sein", sagt eine Regierungssprecherin, "wir lehnen das Betreuungsgeld nach wie vor ab und tun unsere Pflicht, aber mehr nicht". Aus dem Thüringer Sozialministerium heißt es: "Das ist nicht unser Lieblingsprojekt, sondern das des Bundes. Warum sollten wir extra für eine Sache werben, der wir skeptisch gegenüberstehen?"

Die geringe Zahl der Anträge zeige, "dass das Betreuungsgeld an den Bedürfnissen der meisten Familien vorbeigeht", sagt Manuela Schwesig, stellvertretende SPD-Parteivorsitzende und Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern.

Das Geld soll an Eltern gezahlt werden, die ihre kleinen Kinder nicht in eine staatlich geförderte Kita geben.Vorgesehen ist eine Zahlung von zunächst 100 Euro, später 150 Euro im Monat. Im Vorfeld hatte die SPD das umstrittene Betreuungsgeld nicht stoppen können, Sigmar Gabriel und das Bundesland Hamburg hatten erbitterten Widerstand angekündigt.

Das bayerische Sozialministerium von Christine Haderthauer (CSU), die zu den Befürwortern der umstrittenen Leistung zählt, setzt dagegen auf eine Werbekampagne: 55.000 Haushalte haben einen Flyer erhalten, ein Info-Telefon wurde eingerichtet, zudem werden die berechtigten Familien angeschrieben. Bis Ende voriger Woche erhielten 2755 Haushalte im Freistaat fast vollständig ausgefüllte Anträge. Die Angeschriebenen müssten nur noch drei bis fünf Kreuze machen und unterschreiben, so eine Sprecherin der Behörde. Rund 500 Anträge seien bereits zurückgeschickt worden.

Der SPIEGEL hatte darüber berichtet, dass ein von der Bundesregierung eingesetzter Gutachterkreis zu der Meinung gelangt sei, die milliardenschwere Familienförderung der Bundesregierung bleibe weitgehend wirkungslos.

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insgesamt 166 Beiträge
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1. Der Tenor ...
Glitzi 28.07.2013
.... dieser verschickten Anträge ist an absurder Schizophrenität nicht zu überbieten: Nutzt nicht die kommunalen Angebote, denn die sind nicht gut für Euch! Das erinnert fatal an Zeiten in denen der Einkauf bei bestimmten Bevölkerungsgruppen "verpönt" war. Nur diesmal richtet sich das gegen die eigenen politischen Angebote.
2. Kein Interesse? Mit Nichten! Keine Wahl!
karteileiche007 28.07.2013
Die geringe Zahl der Anträge zeige, "dass das Betreuungsgeld an den Bedürfnissen der meisten ---Zitat--- Familien vorbeigeht", sagt Manuela Schwesig, stellvertretende SPD-Parteivorsitzende und Sozialministerin von Mecklenburg-Vorpommern ---Zitatende--- Völlig falsch. Es bedeutet, dass viele Familien sich aus finanzieller Not und gesellschaftlichem Druck die Betreuung ihrer eigenen Kinder schlicht nicht mehr leisten können. Schade eigentlich, denn dank Kitaausbau-Programm verbringen nun schon Kleinstkinder und Säuglinge die ersten Jahr ihres Lebens in Gruppen von um die 20 Kinder auf 2 Erziehern, statt zu Hause bei Mama oder Papa, die ihr Kind und seine Bedürfnisse nun einmal am besten kennen und auch die besseren Kapazitäten hätten, adäquat darauf einzugehen. Das Resultat werden wir in einige Jahren erfahren. Bis dahin wird den Eltern in Deutschland vermutlich weiter eingeredet, sie wären doch allesam unfähig, sich selbst um ihren Nachwuchs zu kümmern. Dabei sind die wenigsten tatsächlich unfähig, sondern haben ganz einfach keine andere Wahl. Ich hätte übrigens gern Betreuungsgeld beantragt. Ursprünglich wurde behauptet, das Betreuungsgeld würde für Kinder gezahlt, die ab Januar 2012 geboren wurden. Letztlich gilt es nun aber nur für Kinder die ab August 2012 geboren wurden. Leider ist mein Kind ein paar Tage zu früh auf die Welt gekommen, so dass es von der Regelung nicht mehr profitiert. Damit fühle ich mich, gelinde gesagt, auch ziemlich verarscht. Erst groß werben, dann mal eben "anpassen", so dass ein großer Teil von Familien davon nicht mehr profitieren kann.
3. Das musss man sich mal auf der zhunge zergehen lassen ...
jahiro 28.07.2013
Die CSU - als Teil der Regierung - nötigt den Familien Geld auf, dass diese nicht wollen. Das Thema Betreuungsgeld ist so häufig durch die Medien gejagt worden, dass nicht davon auszugehen ist, dass es ein Informationsdefizit gibt. Also wollen die Menschen diese Leistung nicht ! Das kann man dann doch nur noch ideologische Verblendung nennen, wenn die CSU trotzdem versucht den Menschen das Geld aufzudrängen, anstatt z.B. lieber die Neuverschuldung zu senken oder das Geld denen zu geben, die es brauchen ! Das ist schon der 2. große Flopp dieser Regierung im Bereich Familie (Fr. v. der Leyens Paket für die "warme Mahlzeit" für Kinder) ... und trotzdem sind die Bürger (angeblich) so unglaublich zufrieden mit der Regierung. Ich verstehe es nicht.
4. Ich würde ja aber
friedrr 28.07.2013
das Betreuungsgeld bekommt man nur für Kinder die nach dem 1.8.2012 geboren sind. Unsere sinf leider zwei Monate zu alt. Wer sich so einen Quatsch ausdenk darf sich nicht wundern, wenn das niemand beantragt. Entweder gilt das für ALLE Kinder bis drei Jahre oder gar nicht. Frau Schröder sollte nicht nur groß rumtönen sondern auch das Kleingedruckte kommunizieren. Ich würde das Geld nehmen, wenn ich dürfte.
5. Kein Andrang???
alexfiftyfour 28.07.2013
Zitat von sysopAb August kann das umstrittene Betreuungsgeld bezogen werden. Anträge gibt es bislang allerdings kaum. Das bayerische Sozialministerium will das ändern und hat nach SPIEGEL-Informationen 2755 Haushalten im Freistaat nahezu vollständig ausgefüllte Anträge zugeschickt. Bayerisches Sozialministerium wirbt für Betreuungsgeld - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bayerisches-sozialministerium-wirbt-fuer-betreuungsgeld-a-913526.html)
Also wir leben in Rheinland-Pfalz, einem SPD regierten Land, und wir beantragen das Betreuungsgeld, weil die Kindergärten hier so unterirdisch schlecht sind, dass wir lieber die Lohneinbußen hinnehmen, als unsere 14 Monate alte Tochter in der Kindergarten zu schicken. Die Mitarbeiter unserer Kindergeldstelle, bei der wir auch das Betreuungsgeld beantragen können, haben mir erzählt, dass sie förmlich überrannt werden von Eltern, die das Geld beantragen wollen. Deren Problem ist aber, dass bis heute (Das Geld soll in 3 Tagen starten) keine Antragsformulare vorliegen und der Antragsprozess nicht sauber definiert ist. Hoch lebe die SPD... das assozialste Pack des Landes.
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