Bayern CSU wählt Seehofer zum neuen Parteichef

Der erste Schritt ist geschafft: Horst Seehofer ist auf dem CSU-Parteitag in München mit über 90 Prozent der Stimmen zum neuen Parteichef bestimmt worden. Am Montag soll er als neuer bayerischer Ministerpräsident gewählt werden.


Hamburg/München - Horst Seehofer ist neuer Vorsitzender der CSU. Vier Wochen nach dem Wahldesaster der Partei in Bayern wählten die Delegierten eines Sonderparteitags den bisherigen CSU-Vize am Samstag in München zum Nachfolger von Erwin Huber. Seehofer erhielt 786 von 870 gültigen Stimmen. Das sind 90,3 Prozent. 84 Delegierte stimmten mit Nein.

Der bisherige Bundesagrarminister Seehofer soll am Montag vom Landtag in München auch zum neuen Ministerpräsidenten gewählt werden. Huber und Regierungschef Günther Beckstein mussten nach dem Absturz der CSU bei der Landtagswahl Ende September ihre Ämter abgeben.

Neuer CSU-Chef Seehofer: Erster Schritt zur Machtübernahme in Bayern
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Neuer CSU-Chef Seehofer: Erster Schritt zur Machtübernahme in Bayern

Der Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer, wurde mit einem deftigen Dämpfer zum stellvertretenden Vorsitzenden seiner Partei gewählt. Er erhielt gut 67 Prozent der Stimmen. Für den Oberbayern votierten 529 Delegierte, es gab 255 Nein-Stimmen. Ramsauer nimmt im Vorstand den Platz von Seehofer ein. Die drei weiteren stellvertretenden Vorsitzenden mussten nicht neu gewählt werden.

Seehofer beschwor einen neuen Kampfgeist und eine harte Gangart gegen die CDU. "Wir sind ein Kraftpaket als CSU", rief er. "Mein Arbeitsplatz ist künftig möglicherweise München. Aber meine Kampfkraft wird sich auch auf Berlin erstrecken." In der Parteiführung und an der Basis machte sich massiver Ärger über eine mangelnde Wahlkampf-Unterstützung durch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die von ihr geführte CDU Luft.

Die Christdemokraten gratulierten Seehofer unmittelbar nach seiner Wahl zum CSU-Chef. Dieser habe "einen beeindruckenden Rückhalt in seiner Partei erfahren", sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla. Der Parteitag habe gezeigt, "dass die CSU stark und geschlossen ist". Seehofer werde seine Partei in Bayern und in Deutschland in eine gute Zukunft führen. Die CDU freue sich auf eine weiterhin vertrauensvolle und konstruktive Zusammenarbeit mit ihrer Schwesterpartei CSU.

Mit überwältigender Mehrheit hatte die CSU zuvor den Koalitionsvertrag mit der FDP gebilligt. Beim Parteitag in München gab es am Samstag nur vereinzelte Gegenstimmen und eine Enthaltung. Nach ihrem Wahldebakel in Bayern sind die Christsozialen erstmals seit 46 Jahren wieder auf einen Regierungspartner angewiesen.

Seehofer hatte den 71 Seiten umfassenden Koalitionsvertrag zuvor in einer engagierten Rede eingebracht. Die Abmachungen trügen die Handschrift der CSU, sagte er. Seehofer sagte allerdings auch, Koalitionen müssten in Bayern ein einmaliges Ereignis bleiben. Ziel sei, die Alleinherrschaft zurückzuerobern.

In der Aussprache gab es Kritik eines Junge-Union-Vertreters zur standesamtlichen Eintragung homosexueller Lebensgemeinschaften und vereinzelte Nachfragen zu weiteren Punkten. Die zuständigen CSU-Landesminister verteidigten aber die Vereinbarungen und sprachen von einem fairen Kompromiss.

Seehofer bekam wenige Minuten nach seiner Wahl erste Glückwünsche aus Berlin, und zwar von der dortigen Opposition. Der FDP-Vorsitzende Guido Westerwelle gratulierte Seehofer zur Wahl und bot ihm eine "konstruktive und faire Zusammenarbeit" an. Mit Seehofer übernehme ein erfahrener Politiker das Steuer der CSU. Westerwelle fügte hinzu, dass CSU und FDP in Bayern für einen Neuanfang sorgen wollten, sei eine "große Herausforderung, aber zugleich eine große Chance für Bayern und Deutschland".

Der Vertrag mit der CSU war nach hektischen Verhandlungen und mehrtägigen Unterbrechungen erst am Freitagabend fertiggestellt worden. Überschattet wurden die Gespräche von der Milliardenkrise um die Bayerische Landesbank. Die FDP will den Koalitionsvertrag an diesem Sonntag auf einem Sonderparteitag billigen.

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flo/dpa/AFP/AP



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mbberlin, 30.09.2008
1.
Viel Auswahl bleibt ja sonst nicht und einer muss es ja machen. Immerhin hat Seehofer in Bayern anscheinend keinen besonderen Ruf, den er noch irgendwie großartig verspielen könnte. Das ist doch ein klarer USP! :-)
Balu2 30.09.2008
2. Ist Seehofer der richtige Mann für die CSU
Zitat von sysop13 Monate war er im Amt - jetzt tritt Erwin Huber als CSU-Chef zurück. Er werde auf dem Sonderparteitag Ende Oktober sein Amt zur Verfügung stellen, sagte Huber auf einer Pressekonferenz. Bundesminister Horst Seehofer ist bereit, sein Nachfolger zu werden. Ist Seehofer der richtige Mann für die CSU-Spitze?
Die Südzucker wird schon genug Öffentlichkeitsarbeit leisten um Seehofer zu stärken.
Heidelerche, 30.09.2008
3.
Wozu braucht man eine CSU-Spitze? Soll die CDU die aufmüpfige "Schwsterpartei" doch integrieren. Hier in S-H oder in NRW gibt es ja auch keine Extrawürste!
Wabalu, 30.09.2008
4. Seehofer hätte gleich Parteichef werden sollen!
Das Schwergewicht im physischen und psychischen Sinne wird trotz seiner Einzelgängerattitüten zunächst einmal Ruhe in die CSU tragen. Er sitzt in Berlin am Kabinettstisch. Er steht für das S in der CSU. Viele sagen ja, Seehofer könnte auch in der SPD reüsieren. In der Bundespolitik mischt er seit 92 mit. Trotz Herzinfarkt und Schlammschlacht gegen ihn glaube ich, dass er jetzt der richtige Mann ist. Allerdings ist es immer wieder traurig ansehen zu müssen, dass die Personaldecke hinsichtlich jüngerer Kräfte für Spitzenpositionen in den Parteien so dünn ist.
Balu2 30.09.2008
5. Er steht für das S in der CSU
Zitat von WabaluDas Schwergewicht im physischen und psychischen Sinne wird trotz seiner Einzelgängerattitüten zunächst einmal Ruhe in die CSU tragen. Er sitzt in Berlin am Kabinettstisch. Er steht für das S in der CSU. Viele sagen ja, Seehofer könnte auch in der SPD reüsieren. In der Bundespolitik mischt er seit 92 mit. Trotz Herzinfarkt und Schlammschlacht gegen ihn glaube ich, dass er jetzt der richtige Mann ist. Allerdings ist es immer wieder traurig ansehen zu müssen, dass die Personaldecke hinsichtlich jüngerer Kräfte für Spitzenpositionen in den Parteien so dünn ist.
Wenn sie das .S. meinen wofür er steht können sie es auch ausschreiben.SÜDZUCKER
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