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Reichertshofen: Brand in geplanter Flüchtlingsunterkunft war ein Anschlag

Spurenermittler am Tatort in Reichertshofen: Mindestens 150.000 Euro Sachschaden Zur Großansicht
DPA

Spurenermittler am Tatort in Reichertshofen: Mindestens 150.000 Euro Sachschaden

In den früheren Gasthof sollten bald Asylbewerber einziehen: Bei einem Brandanschlag auf ein geplantes Flüchtlingsheim in Bayern brannte ein Gebäude völlig aus. Eine Sonderkommission ermittelt.

Unbekannte haben einen ehemaligen Gasthof im bayerischen Reichertshofen abgebrannt - dort sollten Flüchtlinge untergebracht werden. Das Gebäude im Kreis Pfaffenhofen an der Ilm habe leer gestanden, melden mehrere bayerische Lokalzeitungen unter Berufung auf die Polizei. "Ein fremdenfeindlicher Hintergrund ist nicht auszuschließen", sagte demnach ein Polizeisprecher.

Verletzt wurde bei dem Brandanschlag offenbar niemand. Die Feuerwehr habe die Flammen rasch unter Kontrolle gebracht, hieß es. Einem Polizeisprecher zufolge stellten Brandfahnder der Kripo an zwei Eingängen des Gebäudekomplexes fest, dass vorsätzlich Feuer gelegt wurde.

In der Unterkunft sollten der Polizei zufolge demnächst 67 Flüchtlinge untergebracht werden. Der dafür vorgesehene Gebäudeteil sei in der Substanz durch den Brand nicht beschädigt worden. Ob es aber versteckte Schäden gebe und welche Auswirkungen der Brand auf die geplante Belegung habe, sei noch unklar. Die Ermittlungsbehörden richteten eine Sonderkommission ein, zudem wurden Spezialisten des Landeskriminalamts angefordert.

Petition mit mehr als 1200 Unterzeichnern

Die Einsatzkräfte wurden gegen 2.50 Uhr von einem Nachbarn alarmiert. Der zuletzt als Diskothek genutzte Gastraum des früheren Landgasthofs brannte völlig aus, der Sachschaden beträgt mindestens 150.000 Euro. Beschädigt wurde dabei auch das angrenzende Wohnhaus, in dem ab September Flüchtlinge untergebracht werden sollten.

In der Vergangenheit hatte es häufiger Proteste in dem Ort gegen die Unterbringung von Asylbewerbern gegeben. In einer Online-Petition haben sich bislang mehr als 1200 Teilnehmer gegen die geplante Anzahl von Bewohnern in dem Flüchtlingsheim ausgesprochen, fast tausend davon sollen allein aus dem Landkreis Pfaffenhofen kommen.

In Deutschland tobt seit Monaten eine hitzig geführte Debatte über den Umgang mit der derzeitigen Flüchtlingskrise. Grund dafür ist die steigende Anzahl der nach Deutschland einreisenden Asylbewerber, von denen die meisten aus Krisengebieten wie Syrien, Afghanistan oder dem Kosovo kommen. Im laufenden Jahr werden rund 450.000 Asylanträge erwartet - mehr als doppelt so viele wie vergangenes Jahr.

In den vergangenen Monaten waren bundesweit wiederholt Flüchtlingsheime beschmiert, beschädigt oder angezündet worden - unter anderem in Meißen, Tröglitz, Hoyerswerda und Solingen. Zuletzt wurden vergangenes Wochenende mehrfach Schüsse auf eine Unterkunft im sächsischen Böhlen abgegeben.

mxw/AFP

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