Kreuz-Erlass Kardinal Marx wirft Söder Spaltung vor

Diese Kritik sitzt - und sie kommt ausgerechnet vom Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz: Kardinal Marx attackiert Bayerns Regierungschef Söder für dessen Kreuz-Erlass. Durch ihn seien "Spaltung und Unruhe" entstanden.

Kardinal Reinhard Marx im Trierer Dom
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Kardinal Reinhard Marx im Trierer Dom


Kardinal Reinhard Marx hat den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) für dessen Vorstoß zu Kreuzen in Landesbehörden scharf kritisiert. Dadurch seien "Spaltung und Unruhe" entstanden, sagte der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz der "Süddeutschen Zeitung". Wer das Kreuz nur als kulturelles Symbol sehe, habe es nicht verstanden. Es stehe dem Staat nicht zu zu erklären, was das Kreuz bedeute, so der Erzbischof von München und Freising.

Zuvor hatte Söder bereits von anderen Kirchenvertretern sowie von Politikern mehrerer Parteien Kritik für seinen Erlass einstecken müssen, in allen Behördengebäuden unter Verwaltung des Freistaats ein Kreuz anzubringen. Dies soll nach Ansicht der bayerischen Staatsregierung die "geschichtliche und kulturelle Prägung" des Freistaats zum Ausdruck bringen und "sichtbares Bekenntnis zu den Grundwerten der Rechts- und Gesellschaftsordnung" sein.

Was denken die Deutschen?

Eine Mehrheit der Deutschen lehnt einer Umfrage zufolge das Aufhängen von Kreuzen in Behörden ab. In einer Emnid-Umfrage für die "Bild am Sonntag" gaben 64 Prozent der Befragten an, sie seien dagegen, dass in allen staatlichen Behörden in Deutschland christliche Kreuze aufgehängt würden. Dafür sprachen sich 29 Prozent aus, sieben Prozent hatten keine klare Meinung oder äußerten sich nicht.

Auch unter Katholiken überwiegt der Umfrage zufolge mit 48 Prozent die Ablehnung, 38 Prozent sind für eine Kreuz-Pflicht. Bei den Protestanten sind 62 Prozent gegen Kreuze in Behörden, 34 sind dafür. Befragte anderer Konfessionen oder Konfessionslose lehnen Kreuze in Behörden mit einer großen Mehrheit von 87 Prozent ab, nur zwölf Prozent wären dafür.

Markus Söder im Eingangsbereich der bayerischen Staatskanzlei
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Markus Söder im Eingangsbereich der bayerischen Staatskanzlei

"Das Kreuz ist kein Wahlkampflogo"

Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Claudia Roth (Grüne), warf Söder vor, aus wahlkampftaktischem Kalkül zu handeln. In Bayern wird in fünfeinhalb Monaten ein neuer Landtag gewählt. "Er missbraucht das Kreuz für seinen Wahlkampf und vermischt bewusst Religion und Politik", sagte Roth den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Dies sei "in hohem Maße unchristlich, unanständig sowieso".

FDP-Chef Christian Lindner kritisierte, Söder habe das Kreuz "profanisiert und damit von seiner christlichen Bedeutung getrennt". Der "Passauer Neuen Presse" sagte er: "Gläubige Christen muss es empören, dass er aus ihrem Symbol ein Symbol des Staates macht."

Der ehemalige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) sagte im Inforadio des rbb, er verstehe zwar, dass Söder das Kreuz als Zeichen der Identität sehen wolle. Dies rechtfertige aber nicht, es in den Zusammenhang eines Wahlkampfes zu rücken. "Der Staat des Grundgesetzes ist weltanschaulich religiös neutral, das heißt er ist offen für alle Bekenntnisse", sagte Thierse, der auch Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken ist.

In der "Bild"-Zeitung attackierte der Münchner Weihbischof Wolfgang Bischof den Beschluss des bayerischen Kabinetts. Es mache ihn fassungslos, dass Söder mehrere Tage gebraucht habe, um einzuräumen, dass das Kreuz ein religiöses Symbol sei, schrieb Bischof in der Zeitung. "Viel wichtiger scheint Markus Söder die 'bayerische Identität' zu sein, was auch immer das sein soll. Das Kreuz ist aber kein Symbol für Bayern und erst recht kein Wahlkampflogo."

cop/dpa/AFP



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Exilobereschemer 29.04.2018
1. Wahl
Na da haben die Bayern doch jetzt die Wahl, ob sie sich so billig an der Nase herumführen lassen wollen oder nicht. Wenn die CSU bei der Landtagswahl trotzdem wieder eine überragende, vielleicht sogar absolute, Mehrheit bekommt, hat Herr Söder taktisch doch alles richtig gemacht. Wenn sie der Auffassung sind, dass das ja wohl daneben ist und nicht geht, sollten sie es an der Wahlurne auch deutlich machen.
rurei 29.04.2018
2. Mein Gott, wenn er es so will, dann soll er es auch so haben:
Auf der Basis der Trennung von Kirche (das heisst von allen Religionen) und Staat gelten die staatlichen Gesetze absolut und für alle gleich. Nichts anderes hätte vor dem Bundesverfassungsgericht Bestand (siehe auch Kruzifix-Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 16. Mai 1995, mit dem Teile der Bayerischen Volksschulordnung von 1983 für verfassungswidrig und nichtig erklärt wurden, nach denen in jedem Klassenzimmer der Volksschulen in Bayern ein Kruzifix oder zumindest ein Kreuz anzubringen war)! Auf der absoluten Gültigkeit der staatlichen Gesetzt ist dann die Religionsfreiheit festgeschrieben, das gilt absolut für jede Religion. Somit wie in den meisten Demokratien: Kreuze raus aus allen öffentlichen Gebäuden, keinen staatlichen Einzug der Kirchensteuer, keinen Religionsunterricht in öffentlichen Schulen und Universitäten von keiner Religion. Sollen die Religionen doch ihren Religionsunterricht wie christlichen Unterricht, Koranschule, Toraschule, usw. in ihren Räumen selbst abhalten wie sonst überall auch. Ich denke mal auch das sieht das Bundesverfassungsgericht so und der Kardinal ist glücklich.
torsten-84 29.04.2018
3. Atatürk hat es damals schon besser verstanden.
Wie kann man nur in Zeiten der Anspannung zwischen unterschiedlichen Glaubensrichtungen jetzt noch Themen wie "der Islam gehört nicht zu Deutschland" publizieren? Was soll das? Staat und Kirche sollten getrennt sein. Wenn man über ein Kopftuchverbot nachdenkt, ist es nicht förderlich, Kreuze in Behörden aufzuhängen.
zeitmesser 29.04.2018
4. Kreuz überall !
Dann aber bitte überall: in Taxis, U-Bahn, Bussen und allen Fliegern, die von Bayrischem Boden starten. Schwimmbäder und MacDo nicht vergessen...
ricson 29.04.2018
5.
Diese ganze bayrische Kreuz-Farce zeigt, dass rechten Politikern nichts mehr heilig ist um politisch zu Punkten. Die eigene Kultur und das Christentum mit Füßen getreten? Egal Hauptsache dem politischen Gegner mal eins ausgewischt. Der säkulare Staat hat für die Christen sehr viele Vorteile. In Ländern mit Staatsreligion legen religiös völlig ungebildete Politiker den Glauben gerne mal im Sinne ihrer politischen Ideologie aus. Vor derlei bleibt die Kirche in Deutschland üblicherweiser erspart. Bei uns definiert jede Glaubensgemeinschaft ihren Glauben selbst. Das ist Söder offensichtlich eine Dorn im Auge. In Bayern soll die Religionsauslegung gefälligst durch die CSU erfolgen.
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