Politik

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SPON-Umfrage in Bayern

CSU stürzt weiter ab

In rund einem Monat wählen die Bayern einen neuen Landtag. Laut einer SPON-Umfrage droht der mit absoluter Mehrheit regierenden CSU ein Desaster. Die Grünen liegen auf Platz zwei.

DPA

Markus Söder

Montag, 10.09.2018   10:01 Uhr

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Vor knapp einem Monat war die CSU in Bayern bei Umfragen zur Landtagswahl unter 40 Prozent gefallen. Die Zeit wird eng. Am 14. Oktober steht die Abstimmung an. Die Hoffnung und vor allem der Glaube an eine erneute absolute Mehrheit schwinden bei den Christsozialen.

Wohl auch deshalb hatte Ministerpräsident Markus Söder die scharfe Rhetorik zur Migration heruntergefahren. Parteichef Horst Seehofer allerdings bleibt bei seiner harten Linie, nannte Migration nach den Krawallen in Chemnitz die "Mutter aller politischen Probleme". Im Wahlkampf wiederum versucht Söder aktuell, auch in Städten zu punkten - also dort, wo die Partei enorme Probleme hat.

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Und wie kommt das an? Hat die CSU es geschafft, den Abwärtstrend zu stoppen?

Im Gegenteil, die Werte fallen weiter. In einer aktuellen Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE und die "Augsburger Allgemeine" in Bayern steht die CSU nur noch bei 35,8 Prozent. Die absolute Mehrheit gerät immer weiter außer Sicht. Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren hatte die CSU mit 47,7 Prozent noch 101 von 180 Sitzen im Landtag errungen.

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Die Krise der CSU hält also an. Auch im Wahlkampf machte die Partei Fehler, wie etwa bei der Domain zum Slogan für Ministerpräsident Söder. Mit einer Sache hatten die Christsozialen immerhin recht. Vor Kurzem rief Söder die Grünen zum Gegner Nummer eins der CSU aus. Die aktuellen Zahlen unterstützen ihn. Schon im Bund hatten die Grünen zuletzt deutlich zugelegt, dieser Trend setzt sich nun auch in Bayern fort. Die Grünen wären mit 16,5 Prozent aktuell zweitstärkste Kraft. 2013 hatten die Grünen nur 8,6 Prozent erreicht. Nun aber liegen sie knapp vor der AfD, die gerade erst mit einem Plakat zu "islamfreien Schulen" für Empörung gesorgt hatte.

Die Werte der SPD (12,1 Prozent; 2013: 20,6 Prozent) bleiben recht stabil, die Sozialdemokraten befinden sich damit weiter im Umfragetief. Die Linken (2,7 Prozent; 2013:2,1 Prozent) konnten ebenfalls nicht zulegen und wären aktuell nicht Teil des neuen Landtags. Die FDP (5,8; 2013: 3,3 Prozent) hat leicht zugelegt, kämpft aber immer noch mit der Fünf-Prozent-Hürde und damit um den Einzug in den Landtag. Auch die Freien Wähler, die in Bayern traditionell besser abschneiden als im Bund, stehen aktuell bei 8,1 Prozent - und haben sich damit im Vergleich zum Vormonat ebenfalls leicht verbessert.

Was bei der CSU auffällt: Die größten Probleme hat die Partei weiter bei der jungen Wählerschaft. Bei den 18-29-Jährigen (26,9 Prozent) liegt die Partei nur noch hauchdünn vor den Grünen (24 Prozent). Zudem bleiben die Städte ein Problem. In ländlichen Regionen schneidet die CSU deutlich besser ab als in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte.

Ministerpräsident Söder reagierte auf die schlechten Umfragen mit der Erklärung, diese hätten mit der gesamtdeutschen Stimmungslage zu tun.

"Die Dinge, die jetzt im Moment diskutiert werden, haben ja mit Bayern nur sehr wenig zu tun im Grunde genommen", sagte der CSU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl. Um in den kommenden fünf Wochen die Zustimmung für die CSU zu verbessern sei Folgendes entscheidend: "Es ist wichtig, dass wir herausarbeiten können, dass es bei der Landtagswahl um Bayern geht, nicht nur um Deutschland."

Für die CSU sei es im Wahlkampf wichtig zu vermitteln, dass es Bayern besser gehe als allen anderen. "Bayern zeigt, wie es besser gemacht werden kann. Wir empfehlen uns als das bessere Modell für Deutschland."

Im Video: Der bayerische Bestimmer - Markus Söder

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 30. August bis 09. September 2018 online erhoben. Die Stichprobe umfasste 5046 Befragte, der statistische Fehler liegt bei 2,5 Prozent.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

Wahlkampf in Bayern im Video: "Ich glaub es hackt, lieber Herr Söder"

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