Ehemaliger Serienstraftäter: Bayern lehnt Rückkehr von "Mehmet" ab

Der Serienstraftäter Muhlis A., besser bekannt als "Mehmet", möchte aus der Türkei wieder nach Deutschland zurück. Doch Bayerns Innenminister Hermann lehnt eine Rückkehr des heute 28-Jährigen ab: "Mehmet wollen wir hier nicht."

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dapd

Bayerns Innenminister Herrmann: "Mehmet wollen wir hier nicht"

München - Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann ist strikt gegen eine Rückkehr des als "Mehmet" bekannt gewordenen Serienstraftäters Muhlis A. nach Deutschland. "'Mehmet' wollen wir hier nicht", sagte der CSU-Politiker auf Anfrage der Nachrichtenagentur dapd.

Der in München geborene Türke hatte in den neunziger Jahren bundesweit Schlagzeilen gemacht, weil er bis zu seinem 14. Geburtstag bereits rund 60 Gewalttaten, Diebstähle und Erpressungen verübt hatte. 2005 war der heute 28-Jährige zu 18 Monaten Haft verurteilt worden, weil er seine Eltern verprügelt hatte. Die Strafe trat Muhlis A. jedoch nicht an, sondern setzte sich in die Türkei ab, wo er bis heute lebt.

Der Anwalt von Muhlis A. hatte am Montag angekündigt, die Wiedereinreise seines Mandanten nach Deutschland zu beantragen.

"Mehmet" sei gefährlich, sagte Hermann. Wenn dieser nach Deutschland einreise, "muss er seine gerechte Strafe absitzen". Im Jahr 2003 hätten Jugendgerichte und Sozialpädagogen auch schon einmal an eine positive Entwicklung geglaubt. Diesen Glauben habe "Mehmet" umgehend selbst zunichte gemacht, indem er seine Eltern mehrfach geprügelt, beraubt und mit dem Tode bedroht habe. Seiner Strafe habe sich Muhlis A. durch Ausreise in die Türkei entzogen. "Wieso sollten wir 'Mehmet' jetzt eine Läuterung glauben?", fragte Herrmann.

"Sauberes türkisches Führungszeugnis"

Mit dem Antrag bei der Staatsanwaltschaft München möchte der Anwalt von "Mehmet" erreichen, dass der Haftbefehl zum Ende des Jahres ausgesetzt wird. Sein Mandant habe bei seiner Verurteilung im Alter von erst 21 Jahren die "besondere Härte der Justiz" erfahren, argumentierte er. Muhlis A. sehe ein, schwere Fehler gemacht zu haben und sei in der Zwischenzeit nicht mehr straffällig geworden. Dies werde er mit einem "sauberen türkischen Führungszeugnis" nachweisen.

Neben dem Haftbefehl besteht allerdings noch eine Ausweisungsverfügung der Stadt München. Der Anwalt will in einem Antrag an die Ausländerbehörde auf ein Abkommen zwischen der Türkei und Deutschland aus dem Jahr 2005 verweisen. Demnach sind der Ausweisung türkischer Staatsbürger inzwischen sehr hohe Hürden gesetzt. Nach derzeitiger Rechtslage sei es undenkbar, "Mehmet" abzuschieben, betonte der Anwalt.

Die Stadt sicherte eine Prüfung des Falls zu. Die Vizechefin des Münchner Kreisverwaltungsreferats und frühere Leiterin der Ausländerbehörde, Claudia Vollmer, sagte auf dapd-Anfrage, der Verteidiger könne eine Befristung des Wiedereinreiseverbots beantragen. Die Stadt werde sich vor einer Entscheidung bei den türkischen Behörden über Muhlis A. erkundigen. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft erklärte, es sei noch unklar, ob die Anklagebehörde oder ein Gericht hinsichtlich des Haftbefehls zuständig sei.

Muhlis A. betreibt nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" bei Istanbul eine Paintball-Anlage. Für den Fall seiner Rückkehr habe er konkrete Pläne: Er wolle kriminellen Münchner Jugendlichen dabei helfen, wieder auf die richtige Bahn zu kommen. Sein Anwalt betonte jedoch auf dapd-Anfrage, es gehe "Mehmet" zunächst darum, Freunde in München zu besuchen.

als/dapd/dpa

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