Neues Kabinett in Bayern Söder entlässt fünf Seehofer-Minister

Sieben Monate vor der Landtagswahl baut Bayerns neuer Ministerpräsident Söder das Kabinett kräftig um. Sogar ein alter Weggefährte muss gehen. Ilse Aigner übernimmt ein neu geschaffenes Ressort.

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Bayerns neuer CSU-Ministerpräsident Markus Söder hat mit der Bildung seines ersten Kabinetts für mehrere Überraschungen gesorgt. Söder verzichtete in seiner im bayerischen Landtag vereidigten Ministerriege gleich auf fünf Minister seines Vorgängers Horst Seehofer. Unter den Entlassenen befindet sich Ludwig Spaenle, der ein Superministerium für Wissenschaft und Bildung führte - und von Seehofer noch eine Jobgarantie hatte.

Söder sagte, er wolle ein Signal für "Aufbruch und Erneuerung" setzen. Sein Kabinett sei deshalb jünger als das unter Seehofer und das Kabinett mit dem größten Frauenanteil in der bayerischen Geschichte. Er habe auch auf Fachkompetenz besonderen Wert gelegt.

Der Verzicht auf Spaenle kam auch deshalb überraschend, weil dieser als einer der wichtigsten Unterstützer Söders in dessen Machtkampf mit Seehofer galt. Auch die seit 2014 amtierende Umweltministerin Ulrike Scharf flog überraschend aus dem Kabinett - dazu Sozialministerin Emilia Müller, Landwirtschaftsminister Helmut Brunner und Europaministerin Beate Merk.

Wichtige Ressorts für Herrmann und Aigner

Der vergangene Woche zum Ministerpräsidenten gewählte Söder gab seinen zwischenzeitlichen Konkurrenten um das Ministerpräsidentenamt, Joachim Herrmann und Ilse Aigner, dagegen wichtige Ministerposten. Herrmann bleibt Innenminister und bekommt ergänzt die Zuständigkeit für den Bereich Integration. Aigner, die bisher Wirtschaftsministerium war, führt nun ein neu geschaffenes Ministerium für Bauen, Wohnen und Verkehr.

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Bayerisches Kabinett: Markus Söders neue Minister

Neuer Landesfinanzminister wird als Nachfolger Söders dessen bisheriger Staatssekretär Albert Füracker, Wirtschaftsminister wird Franz Josef Pschierer. In dem nun aufgespaltenen Superministerium Spaenles bekommt Bernd Sibler die Zuständigkeit für Bildung. Überraschend wird die Gynäkologieprofessorin Marion Kiechle neue Wissenschaftsministerin.

Kiechle ist mit dem Sportmoderator Marcel Reif verheiratet. Söder nannte sie eine Pionierin und "international anerkannte Wissenschaftlerin" und dankte ihr ausdrücklich für den Quereinstieg in die Landesregierung. Im Amt bleiben Gesundheitsministerin Melanie Huml und Justizminister Winfried Bausback.

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Markus Söder: Am Ziel

Neuer bayerischer Staatskanzleichef wird der Söder-Vertraute Florian Herrmann, neuer Umweltminister der bisherige Staatskanzleichef Marcel Huber. Kerstin Schreyer wird Sozialministerin, Michaela Kaniber Landwirtschaftsministerin. Georg Eisenreich wird Minister für Europa und Digitales.

Die bayerische SPD-Chefin Natascha Kohnen erklärte zur Kabinettsbildung, die Zeit der Ankündigungen sei nun vorbei. "Die neue Staatsregierung muss jetzt liefern, wir werden sie mit unseren Konzepten konkret fordern - und dann gehen wir in den Wahlkampf." Die bayerische Landtagswahl findet im Oktober statt.



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phw/AFP



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Seite 1
mirdochwurscht 21.03.2018
1. Endlich
Wurde der Spaenle kaltgestellt. Der Bockmist mit dem G8 in Bayern geht auf sein Konto. Noch schlimmer dann als er wider zum G9 zurückgerudert ist und das Chaos verschlimmert hat.
amwald 21.03.2018
2. G8 war ein Bockmist aus den Händen von
Zitat von mirdochwurschtWurde der Spaenle kaltgestellt. Der Bockmist mit dem G8 in Bayern geht auf sein Konto. Noch schlimmer dann als er wider zum G9 zurückgerudert ist und das Chaos verschlimmert hat.
Stoiber in Zusammenspiel mit der Strauß-Tochter Monika Hohlmeier. Ludwig Spaenle hat den Mist geerbt, und das darf ihm zugestanden werden > auch nichts wohlriechenderes daraus gemacht.
hausfeen 21.03.2018
3. Um Karriereöffnung für Söder und sein Netzwerk ging es doch.
Nicht etwa um Inhalte, die sich von Seehofer unterscheiden.
vierervektor 21.03.2018
4. Resterampe
Ministerium für Europa und Digitales? Das klingt wie Rudi's Resterampe. Alles was noch übrig ist und nicht wirklich gebraucht wird, hat man hier in einem Ministerium zusammengefasst. Das sagt doch schon alles! In den letzten Jahren hat Dobrint in Berlin die Digitalisierung verschlafen/ ausgebremst. Das führt man jetzt in Bayern konsequent so fort.
bibabuzelmann 21.03.2018
5. Heimat und Landesentwicklung weiter im Finanzministerium
Ist ja alles schön und gut. Prinzipiell ist es sicher nicht schlecht. Was ich aber nicht kapiere ist der Verbleib des erst unter Söder neu geschaffenen Heimatministeriums und Landesentwicklung im Finanzressort. Diese Kompetenz schreit doch förmlich nach einer Integration im neu geschaffenen Ministerium von Ilse Aigner. Wie soll man denn das Land entwickeln, wenn einem Wohnen+Bau+Verkehr fehlen? Das erscheint mir wenig durchdacht zu sein. Möglich dass Söder seiner ehemaligen Rivalin nicht zuviel Kompetenz überlassen wollte, aber genau solch parteiinternes Taktieren will der Wähler nicht sehen.
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