Bayern Rauchverbot fürs Oktoberfest 2008 gekippt

Das strikte bayerische Rauchverbot wird gelockert: Seit heute ist klar, dass auf dem Münchner Oktoberfest in diesem Jahr noch geraucht werden. Ministerpräsident Beckstein stellte für Kneipen "spanische Verhältnisse" in Aussicht.


München - Es ist erst ein paar Wochen in Kraft. Doch nun soll das bayerische Rauchverbot schon die ersten Einschränkungen bekommen. Klar ist auf jeden Fall schon, dass Raucher auf dem Oktoberfest ihrer Sucht in diesem Jahr noch nachkommen können. Das ist das Ergebnis eines Spitzentreffens der Wiesnwirte mit Oberbürgermeister Christian Ude, dem bayerischen Innenminister Joachim Herrmann und Gesundheitsminister Otmar Bernhard heute in München.

Oktoberfest in München: Mindestens einmal noch sind Zigaretten hier gestattet
AP

Oktoberfest in München: Mindestens einmal noch sind Zigaretten hier gestattet

Um das gesetzliche Rauchverbot in den Festzelten mit Tausenden Gästen durchzusetzen, wären Umbauten notwendig, die bis September nicht mehr zu schaffen seien, erklärten sie. Die Wiesnwirte sollen jetzt ein Konzept für 2009 ausarbeiten. Ude sagte, das Oktoberfest sei "einmalig, auch was die Schwierigkeiten bei der Durchsetzung eines Rauchverbots angeht". Er wolle sich nicht vorstellen, wie Ordner und Polizisten in einem überfüllten Wiesnzelt gegen Raucher vorgingen.

Weil die Besucher nicht wie in einem Gasthaus einfach vor die Tür gehen könnten, müssten extra Freiluftflächen für Raucher geschaffen werden. "Für große bauliche Veränderungen ist es aber schon zu spät", sagte Herrmann.

In der kommenden Woche wollen Kabinett und Landtag über eine Lockerung des Rauchverbots beraten. Einem Bericht der Münchner "Abendzeitung" zufolge einigten sich die Teilnehmer allerdings bereits vor dem Gespräch, dass das Rauchen auf der Wiesn zwar grundsätzlich verboten bleibt, es aber in diesem und auch im nächsten Jahr "von Sanktionen noch freigestellt" werde.

Auch an anderen Stellen soll es Lockerungen für Raucher geben. Ministerpräsident Günther Beckstein sagte der "Münchner Abendzeitung": "Ich gehe davon aus, dass wir bis zum Herbst spanische Verhältnisse in Bayern haben werden. In Spanien dürfen die Wirte von Einraumgaststätten selbst entscheiden, ob geraucht werden darf oder nicht. In Bayern will Beckstein der Zeitung zufolge mit Raucherclubs das Verbot deutlich aufweichen. Demnach sollen die Hürden für Raucherclubs niedrig gehalten werden. Künftig könne jeder Stammtisch ein Verein werden und im Nebenzimmer rauchen. Kleinen Lokalen werde es leichtgemacht, sich als Raucherclub zu deklarieren.

Das bayerische Nichtraucherschutzgesetz, das im Januar in Kraft getreten ist, verbietet das Rauchen in Gaststätten und Bierzelten.

In der CSU wird die Schlappe bei den Kommunalwahlen am vergangenen Sonntag auch auf die Verhängung des bundesweit strengsten Rauchverbots zurückgeführt. Nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis war die CSU auf 40,0 Prozent abgerutscht, ihr schlechtestes Ergebnis seit 1966.

ler/dpa/AP



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