Wahlkampagne der Bayern-SPD: Auf ins Kämpfchen

Von , München

Bayern-SPD: Worthalter-Wahlkampf Fotos
DPA

Die SPD rangiert in Umfragen in Bayern weit abgeschlagen hinter der CSU, ihr Spitzenkandidat Christian Ude kann nicht begeistern. Eine Plakatkampagne soll jetzt neuen Schwung bringen - doch das Wahlkampfbudget wirkt im Vergleich zur Konkurrenz wie Peanuts.

Natascha Kohnen bleiben jetzt nur zwei Dinge: Die Hoffnung, dass die große Zahl der unentschlossenen Wähler am Ende ihr Kreuz bei der SPD macht - und obendrein noch Optimismus. Das klingt bei der Generalsekretärin der bayerischen Genossen dann so: "Die SPD geht jetzt mit Vollgas ran."

47 Prozent für die CSU, 18 Prozent für die SPD, so lauten die jüngsten Umfragezahlen für die bayerische Landtagswahl am 15. September. Selbst mit Grünen und Freien Wählern zusammen (insgesamt 41 Prozent) würde es für die SPD nicht reichen. Die Zahlen sind für die Sozialdemokraten ernüchternd. Umso mehr, als die Partei lange Zeit geglaubt hat, mit ihrem Spitzenkandidaten - dem beliebten Münchner Oberbürgermeister Christian Ude - laufe das Rennen irgendwie von selbst. In der CSU wird längst über den "Ude-Malus" gelästert, weil die letzten Umfragedaten für die SPD noch schlechter sind als deren historisches Tief bei der Landtagswahl 2008 (18,6 Prozent).

Neuen Schwung versprechen sich die Sozialdemokraten jetzt von einer Plakatkampagne, die die Partei am Dienstag in München vorstellte. "Ude gibt uns sein Wort" ist auf drei Plakaten zu lesen, es geht dabei um den Mindestlohn, Kita-Plätze sowie die Wahlfreiheit beim Gymnasium (G8 und G9). Die neuen Plakate ergänzen das bisherige Hauptmotiv, das der SPD viel Aufmerksamkeit verschafft, ihr aber auch etlichen Spott eingetragen hatte: "Ein Ministerpräsident, der Wort hält" steht darauf geschrieben. Und damit niemand die Botschaft verpasst, ist Ude auf dem Bild zu sehen, wie er die aneinandergereihten Buchstaben WORT in den Händen hält.

Viel Spott im Netz

In sozialen Netzwerken hatte das Plakat für viel Gesprächsstoff gesorgt, selbst im Lager der Grünen war man entsetzt. "Das ist nicht echt?!", hatte etwa Bundesgeschäftsführerin Steffi Lemke getwittert. Auch die CSU reagierte: Katrin Albsteiger, Landesvorsitzende der Jungen Union Bayerns, schlug per Twitter eine abgewandelte Form des Ude-Plakats vor: "Einfach mal den Mund halten" war auf einem Foto zu lesen, darauf Ude, der die Buchstaben MUND in den Händen hält.

Die bayerische SPD und ihre österreichische Werbeagentur Platzl Zwei halten an ihrem Werbekonzept fest. Es sei "witzig und kreativ", sagte Kohnen, mit der "explosionsartigen Aufmerksamkeit" habe man allerdings nicht gerechnet.

"Mutter aller Schlachten"

Die Partei will mit der Werbung die angebliche Glaubwürdigkeit ihres Kandidaten Ude unterstreichen. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) könnte nur "ein gebrochenes Wort" in den Händen halten, sagt Kohnen. Die bayerische SPD attackiert den Regierungschef des Freistaats unter anderem auf der von ihr betriebenen Webseite drehhofer.de mit dem Vorwurf, etliche Kehrtwenden in seiner Politik vollzogen zu haben - etwa bei den Studiengebühren oder beim Donau-Ausbau.

In den kommenden Wochen will die SPD mit bis zu 20.000 Plakaten im Freistaat für Ude werben, außerdem kommen 1200 mobile Großflächen dazu. Insgesamt stehen der bayerischen SPD zwei Millionen Euro für den Landtagswahlkampf zur Verfügung, sagt Kohnen. Dies seien mehr Finanzmittel als bei der Wahl vor fünf Jahren.

Die CSU macht keine Angaben zu ihrem Wahlkampfbudget, es dürfte aber deutlich höher liegen als bei der SPD. Vor fünf Jahren, hatte Generalsekretär Alexander Dobrindt vor einigen Monaten gesagt, flossen bei den Christsozialen 6,8 Millionen Euro in den Landtagswahlkampf. Damals verlor die Partei ihre absolute Mehrheit. Seehofer hat die Abstimmung am 15. September zur "Mutter aller Schlachten" erklärt. Man darf also davon ausgehen, dass die Partei ihr Budget gegenüber 2008 noch einmal aufgestockt hat.

Bisher hängen in Bayern noch keine Plakate, die den Ministerpräsidenten zeigen. Seehofer wird ausschließlich auf Großplakaten zu sehen sein, diese sind erst sechs Wochen vor der Wahl genehmigt. Details zu den Seehofer-Plakaten will die CSU nicht nennen. Nur so viel: Die Motive würden für sich sprechen.

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insgesamt 30 Beiträge
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1. Die CSU hat ...
paris75001 23.07.2013
.... ja die einen oder anderen Defizite, aber wer hat das nicht. Und den Erfolg Bayerns sieht man überall. EinE SPD wie in Baden-Württemberg oder wie seit jahrzehnten in anderen Bundesländern .... NEIN DANKE!
2. ein bißchen schade um Ude ist es schon,
angeliquekreitmeier 23.07.2013
denn er ist meines Erachtens ein glaubwürdiger Politiker mit den Fähigkeiten eines Münchner OBs zum problemlösungsorientierten Handeln. Das Problem der SPD in Bayern ist zum Einen eine erfolgreiche bayerische Staatsregierung, die in fast allen Ressorts (Wirtschaft, Finanzen, Schuldenabbau, innere Sicherheit, Bildung ...) das Ranking anführt, zum Zweiten, daß hinter Ude in der Bayern-SPD nicht mehr viel nachkommt und das obwohl man Pronold, den Erfinder der religiösen Toleranz nach Berlin entsorgt hat. Der größte Fehler der SPD ist jedoch die unheilvolle Allianz mit den Grünen, denen nichts Dümmeres einfällt als genau dieser erfolgreichen Staatsregierung "komplettes Versagen auf allen Gebieten" vorzuwerfen und sich ansonsten auch nur mit seichten, von Gesinnungsethik eingefärbten Phrasen durch die Legislaturperiode mogelt und Kompetent vorgaukelt. An diese Grünen werden sie mit ihrer Nibelungentreue wie in Baden-Württemberg bald den 2. Tabellenplatz verlieren. Schade auch um die Bayern-SPD, denn die ist immerhin eine demokratische Partei mit langer demokratischer Tradition.
3.
elizaberlin 23.07.2013
Zitat von sysopDPADie SPD rangiert in Umfragen in Bayern weit abgeschlagen hinter der CSU, ihr Spitzenkandidat Christian Ude kann nicht begeistern. Eine Plakatkampagne soll jetzt neuen Schwung bringen - doch das Wahlkampfbudget wirkt im Vergleich zur Konkurrenz wie Peanuts. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bayern-spd-startet-plakatkampagne-zur-landtagswahl-a-912666.html
Der Herr Ude ist seiner Zeit mal wieder hinterher: "Ude verspricht Kita-Plätze" .... heute hatte ich einen Werbeprospekt einer Kita im Briefkasten, die Plätze anbietet. Offensichtlich sind also genug da. Da braucht er nix mehr zu versprechen ...
4. Gewinn der CCSU mit weniger Punkten
raber 23.07.2013
Wenn die CSU Bayern so gut geleitet hat, dann soll sie es auch weiterführen. Allerdings verdient die CSU auch den Abzug von Punkten als Strafe für ihre Verwandtenwirstchafterei, Steuerhinterziehungs-Eierei und Herrn Seehofers wiederholte Kehrtwenden.
5. Bayerische Grüne
qwer 23.07.2013
Ich mus Kommentar #2 zustimmen: Die bayerischen Grünen sind letztlich die Überlebensversicherung der CSU. Die Bayern-SPD ist nicht besser oder schlechter als die Sozialdemokraten in anderen Bundesländern auch. Die Grünen stehen allerdings viel weiter links als deren Parteifreunde in BW und sind schlicht nicht staatstragend genug, als dass man sie in der Regierung sehen möchte. (Der Sargnagel für die SPD ist aber letztlich, dass sie ja zwingend ein Dreierbündnis mit den Freien Wählern eingehen müssten, die sich zu einer stramm rechtspopulistischen Protestpartei entwickeln)
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