Öl- und Gasförderung: Bayern stellt sich gegen Fracking-Gesetz

Im Streit über das Fracking-Gesetz stellt sich die CSU in Bayern gegen die Bundesregierung: Umweltminister Huber forderte, die Technologie in Deutschland zu verbieten. Die Energiebranche kritisierte die Vorlage der Bundesregierung.

Erdgasbohrstelle bei Groß Lessen: Streit zwischen Bund und Ländern beim Fracking Zur Großansicht
dapd

Erdgasbohrstelle bei Groß Lessen: Streit zwischen Bund und Ländern beim Fracking

Berlin/München - Die umstrittene Fracking-Technologie sorgt weiter für Zoff. Nachdem sich die Bundesregierung auf ein Gesetz einigte, stellt sich nun offenbar die Landesregierung in Bayern quer: Landesumweltminister Marcel Huber (CSU) forderte, die neue Technologie gar nicht erst zuzulassen. "Durch Fracking unkonventionelle Gasvorkommen zu erschließen, muss verboten bleiben, solange die Risiken für Mensch und Natur nicht sicher abschätzbar sind", sagte Huber der "Süddeutschen Zeitung". "Diese Technik darf nicht zur tickenden Zeitbombe werden."

Die Technologie, die derzeit in den USA einen Siegeszug feiert, bricht Gas und Öl unter hohem Druck aus tiefen Gesteinsschichten heraus. Dabei werden Wasser, Sand und Chemikalien in Gestein gepresst und dadurch Druck erzeugt, um Gas oder auch Öl freizusetzen. In Deutschland ist die Methode höchst umstritten. Kritiker bemängeln vor allem den Einsatz der Chemikalien, in denen sie eine Gefahr für das Trinkwasser sehen.

In Trinkwasserschutzgebieten soll das Fracking in Deutschland laut dem Verordnungsentwurf verboten sein, auf den sich nun Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) und Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) einigten. Dem Gesetzesvorschlag zufolge werden Tiefbohrungen zur Erschließung von Erdgasquellen in Wasserschutzgebieten verboten, außerdem wird eine Prüfung der Umweltverträglichkeit in sonstigen Fällen erforderlich. Auch der Einsatz der Chemikalien zur Bohrung wird reguliert. Das Gesetz muss auch vom Bundesrat verabschiedet werden.

Die beiden beteiligten Bundesminister interpretierten die Regelung allerdings unterschiedlich. "Es wird auf absehbare Zeit keinen einzigen Anwendungsfall für Fracking in Deutschland geben", betonte CDU-Politiker Altmaier noch einmal gegenüber den "Ruhr Nachrichten". "Es wird sogar einiges verboten, was bisher erlaubt war."

Deshalb sieht die Energiebranche die geplanten Regelungen kritisch. Es müsse sichergestellt werden, dass Anträge für Bohrvorhaben "in einem planbaren Zeitrahmen bearbeitet und entschieden werden", sagte der Chef des zum Chemiekonzern BASF gehörigen Erdgasunternehmens Wintershall, Rainer Seele, dem "Handelsblatt". Die geplanten Umweltverträglichkeitsprüfungen für Bohrvorhaben könnten viel Zeit in Anspruch nehmen.

fab/AFP/dpa

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1. Schwarz/Grün in Bayern?
Knacker54 27.02.2013
Schwarz/Grün in Bayern erscheint viel eher eine mögliche Konstellation als im Bund! Wertkonservative Grüne haben offensichtlich eine viel größere Schnittmenge mit einer konservativen CSU als mit einer neoliberalen, auf die Klientelpartei FDP fixierten CDU. Die rosaroten Probleme, die die CSU mit der Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften hat, lassen sich mit etwas gutem Willen auf beiden Seiten gewiss ausräumen.
2. .
frubi 27.02.2013
Zitat von sysopdapdIm Streit über das Fracking-Gesetz stellt sich die CSU in Bayern gegen die Bundesregierung: Umweltminister Huber forderte, die Technologie in Deutschland zu verbieten. Die Energiebrache kritisierte die Vorlage der Bundesregierung. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bayern-stellt-sich-gegen-fracking-gesetz-a-885812.html
Wurde die CSU und Herr Huber von einem Blitz getroffen? Normalerweise sind das ja Wirtschaftslakeien vom feinsten und jetzt solch eine antiwirtschaftliche Gesinnung? Find ich gut. Weiter so, dann wird es noch was mit der Demokratie in Bayern.
3. Erstaunlich
n+1 27.02.2013
was der Öko-Populismus für Exzesse zeigt. Fracking wird in Deutschland seit vielen Jahren schon durchgeführt. Nur ohne mediale Begleitung. Sei's drum. Wenn wir aufgrund von Energiemangel in eine schwere Rezession geraten, dann legen wir unsere Mao-Bibel auf den Tisch und produzieren Öko-Strickpullover.
4. ...
ThoR1234 27.02.2013
"Wenn wir aufgrund von Energiemangel in eine schwere Rezession geraten, dann legen wir unsere Mao-Bibel auf den Tisch und produzieren Öko-Strickpullover." Ja und wenn unser aller Grund- und Trinkwasser verseucht ist, dann können wir ja gefracktes Öl trinken. Gute Nacht!
5.
alexausroßlau 27.02.2013
Zitat von frubiWurde die CSU und Herr Huber von einem Blitz getroffen? Normalerweise sind das ja Wirtschaftslakeien vom feinsten und jetzt solch eine antiwirtschaftliche Gesinnung? Find ich gut. Weiter so, dann wird es noch was mit der Demokratie in Bayern.
Es ist wohl eher so, daß Fracking sich in Bayern nicht lohnen wird, von daher ist es egal, welche Haltung Bayern dazu einnimmt. Eine Verweigerung macht sich aber gut, vor allem vor den Wahlen.
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Fracking
Was ist Fracking?
Fracking ist eine Kurzform für "Hydraulic Fracturing". Deutsche Experten sprechen auch von "hydraulischer Lagerstättenstimulation". Dabei wird ein Mix aus Wasser, Sand und Chemikalien mit Hochdruck durch Bohrlöcher in den Untergrund gepresst, um Erdgasvorräte freizusetzen, die in bis zu 2500 Metern Tiefe im Schiefer ruhen und sonst nicht erreichbar sind. Die Flüssigkeit bricht die Gesteinsschichten auf, der Sand füllt die Zwischenräume, das Gas kann dadurch entströmen. Über horizontale Bohrungen kann eine einzige Förderstelle, wie ein Rad mit Speichen, weite Flächen erreichen.
Warum ist Fracking umstritten?
Die Rohre werden mit unterirdischen Explosionen perforiert, um das Gas aufnehmen zu können. Kritiker fürchten, dass Fracking Erdbeben auslösen könnte. Auch ist die genaue Zusammensetzung der Bohrmischung unklar. Energiefirmen nennen bis zu 750 Additive, Umweltschützer haben unter anderem Chlorwasserstoffsäure und Metanol identifiziert. Studien zufolge kann Fracking das Trinkwasser kontaminieren, durch giftige Abwässer, Chemikalien und radioaktive Stoffe. Es könne zu Explosionen, Methangas-Emissionen und langfristigen Gesundheitsschäden führen.
Warum ist Fracking gefragt?
Erdgas hat ein neues, globales Rohstofffieber ausgelöst. Die USA befürworten die Gasförderung durch Fracking als eine Chance, sich vom Öl-Knebel des Nahen Osten zu lösen. Sie hoffen dabei auf enorme unterirdische und bisher unergründete Schiefergasbecken. Das größte davon ist das Marcellus-Becken, das sich unter den Appallachen von New York im Norden bis nach Ohio im Osten und Virginia im Süden erstreckt. Die einzelnen Bundesstaaten sind jedoch unschlüssig, ob und wie sie Fracking genehmigen sollen. In Deutschland finden sich die meisten Schiefergasvorkommen in der Nordhälfte des Landes sowie in Bayern.

Unkonventionelle Gasförderung
In Deutschland gibt es einen Run auf neue Erdgasquellen. Durch spezielle Bohrmethoden lässt sich der wertvolle Rohstoff selbst dann bergen, wenn er in kleinen, abgeschotteten Zwischenräumen verstreut ist. SPIEGEL ONLINE zeigt Chancen und Risiken des Booms im Überblick.
Weltweite Vorräte
Die Internationale Energieagentur schätzt, dass weltweit rund 921 Billionen Kubikmeter unkonventionellen Gases im Erdreich verborgen sind - fünfmal so viel wie in konventionellen Vorkommen. Andere Expertern gehen von noch größeren Mengen aus. Bislang gibt es für viele Länder aber nur Schätzungen über prinzipiell vorhandene Mengen (in-situ Mengen). Wie viel davon tatsächlich technisch (Ressourcen) und wirtschaftlich (Reserven) gefördert werden kann, ist noch nicht bekannt.
Die Reservoirs
Im Gegensatz zu konventionellen Vorkommen befindet sich unkonventionelle nicht in durchlässigen Gesteinsschichten, sondern in kleinsten Poren und Bruchzonen im Gestein. Die größten Vorkommen sind in Schiefergestein eingeschlossen. Aber auch in Tonschichten und Tundraböden finden sich Vorräte.
Die Fördermethode
Steuerbare Bohrer dringen nicht nur tief ins Erdreich vor, sondern wühlen sich auch horizontal ins Gestein. So kann die gashaltige Gesteinsschicht über eine Strecke von mehreren Kilometern durchbohrt werden. Damit das Gas entweichen kann, wird das Gestein durch eine Mischung aus Wasser, Chemikalien und Quarzkügelchen in Tausende Stückchen gesprengt. Die Sprengungen bezeichnet man als "hydraulic fracturing" oder "fracing" (sprich: "Fräcking"). Fracing wird sehr selten auch bei konventionellen Bohrungen eingesetzt - bei unkonventionellen ist es Standard.
Die Chemikalien
Der Anteil der eingesetzten Chemikalien an der Gesamtflüssigkeit beträgt nach Angaben der Industrie gut ein Prozent. Angesichts der Tatsache, dass beim Fracing einer Bohrung teils mehrere Millionen Liter Wasser eingesetzt werden, ist das allerdings immer noch eine Menge. Über die genaue Zusammensetzung der Chemikalien gibt die Industrie nur sehr zögernd Auskunft.
Folgen der Technologie
In den USA hat der Abbau von unkonventionellem Erdgas bereits in großem Stil begonnen und den Energiemarkt so umgekrempelt, dass der Rohstoffexperte und Pulitzerpreis-Gewinner Daniel Yergin von einer "American Gas Revolution" spricht.
Folgen für die Umwelt
In den USA gibt es Beschwerden von Anwohnern, die sagen, ihre Lebensbedingungen hätten sich verschlechtert - unmittelbar, nachdem in Nähe ihrer Wohnungen Fracing-Bohrungen vorgenommen wurden. US-Behörden haben zudem Luft- und Grundwasserverschmutzungen nachgewiesen. Inwieweit es sich um Einzelfälle handelt oder um ein flächendeckendes Problem - und inwieweit all die aufgetretenen Umweltschäden tatsächlich mit der unkonventionellen Gasförderung zusammenhängen, ist kaum untersucht. Die US-Regierung hat es bislang versäumt, die Umweltrisiken genau zu untersuchen.ssu