SPON-Umfrage zur Bayern-Wahl CSU rutscht weiter ab

Kurz vor der Landtagswahl in Bayern steckt die CSU im Tief: Laut einer Umfrage für SPIEGEL ONLINE können die Christsozialen ihren Abwärtstrend nicht stoppen. Die Grünen dagegen legen weiter zu.

Markus Söder
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Markus Söder


Seit 1957 stellt die CSU den Ministerpräsidenten in Bayern. Ununterbrochen. Und meist regierte sie mit absoluter Mehrheit. Noch bei der letzten Landtagswahl im Jahr 2013 holte die CSU 47,7 Prozent und konnte seither allein regieren.

Diese Zeiten scheinen bald vorbei zu sein. So sieht eine aktuelle Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey für SPIEGEL ONLINE und die "Augsburger Allgemeine" die CSU weit von der absoluten Mehrheit entfernt.

Stimmenfang #69 - Bayern-Wahl: Wie Markus Söder um die absolute Mehrheit zittert

Demnach kommt die Partei aktuell nur noch auf knapp 33 Prozent - drei Prozentpunkte weniger als im September und fünf Prozentpunkte weniger als im August. Der Abwärtstrend der Christsozialen setzt sich fort.

Der bayerische Ministerpräsident und CSU-Spitzenkandidat Markus Söder machte zuletzt die Große Koalition auf Bundesebene für die schlechten Umfragewerte seiner Partei in Bayern verantwortlich - und somit auch Parteichef und Bundesinnenminister Horst Seehofer.

Der hat den Vorwurf zurückgewiesen: "Ich habe mich in den letzten sechs Monaten weder in die bayerische Politik noch in die Wahlkampfführung eingemischt", sagte er der "Süddeutschen Zeitung". Für die Strategie im Landtagswahlkampf sei der Ministerpräsident zuständig.

Während die CSU weiter verliert, setzen die Grünen ihren Aufwärtstrend fort: Wie schon bei der letzten SPON-Umfrage landen sie auf dem zweiten Platz. Mit rund 18 Prozent setzen sie sich weiter von den hinter ihnen liegenden Parteien ab.

SPIEGEL ONLINE

Die AfD mit knapp 13 Prozent, die SPD mit elf Prozent und die Freien Wähler mit knapp zehn Prozent liefern sich ein Rennen um Platz drei.

FDP und Linke müssen um den Einzug in den Landtag bangen: Die Liberalen erreichen aktuell knapp sechs Prozent, die Linke knapp vier Prozent.

Von der Frage, ob FDP und Linke den Sprung schaffen, hängt auch ab, welche Koalitionen nach der Wahl möglich wären. Geht man davon aus, dass die FDP die Fünf-Prozent-Hürde überwindet, die Linken aber nicht, so kommt den von Civey ermittelten Daten zufolge arithmetisch Schwarz-Grün ebenso in Betracht wie eine Koalition der CSU mit SPD und FDP beziehungsweise mit den Freien Wählern und der FDP. Ein Bündnis mit der AfD hat Ministerpräsident Söder ausgeschlossen.

Anmerkungen zur Methodik: Der SPON-Wahltrend wurde in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey im Zeitraum vom 6. bis 10. Oktober 2018 online erhoben. Die Stichprobe umfasste 5063 Befragte, der statistische Fehler liegt bei 2,5 Prozent.



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Wie funktioniert die Civey-Methodik?
Das Meinungsforschungsinstitut Civey arbeitet mit einem mehrstufigen vollautomatisierten Verfahren. Alle repräsentativen Echtzeitumfragen werden in einem deutschlandweiten Netzwerk aus mehr als 20.000 Websites ausgespielt ("Riversampling"), es werden also nicht nur Nutzer von SPIEGEL ONLINE befragt. Jeder kann online an den Befragungen teilnehmen und wird mit seinen Antworten im repräsentativen Ergebnis berücksichtigt, sofern er sich registriert hat. Aus diesen Nutzern zieht Civey eine quotierte Stichprobe, die sicherstellt, dass sie beispielsweise in den Merkmalen Alter, Geschlecht und Bevölkerungsdichte der Grundgesamtheit entspricht. In einem dritten Schritt werden die Ergebnisse schließlich nach weiteren soziodemografischen Faktoren und Wertehaltungen der Abstimmenden gewichtet, um Verzerrungen zu korrigieren und Manipulationen zu verhindern. Weitere Informationen hierzu finden Sie auch in den Civey FAQ.
Warum ist eine Registrierung nötig?
Die Registrierung hilft dabei, die Antworten zu gewichten, und ermöglicht so ein Ergebnis für die Umfragen, das für die Wahlbevölkerung in Deutschland repräsentativ ist. Jeder Teilnehmer wird dabei nach seinem Geschlecht, Geburtsjahr und Wohnort gefragt. Danach kann jeder seine Meinung auch in weiteren Umfragen zu unterschiedlichen Themen abgeben.
Wie werden die Ergebnisse repräsentativ?
Die Antwort jedes Teilnehmers wird so gewichtet, dass das Resultat einer Umfrage für die Grundgesamtheit repräsentativ ist. Bei der Sonntagsfrage und beim Regierungsmonitor umfasst diese Grundgesamtheit die wahlberechtigte Bevölkerung in Deutschland. Die Gewichtung geschieht vollautomatisiert auf Basis der persönlichen Angaben bei der Registrierung sowie der Historie früherer Antworten eines Nutzers. Weitere Details zur Methodik stehen im Civey-Whitepaper.
Erreicht man online überhaupt genügend Teilnehmer?
Meinungsumfragen werden in der Regel telefonisch oder online durchgeführt. Für die Aussagekraft der Ergebnisse ist entscheidend, wie viele Menschen erreicht werden können und wie viele sich tatsächlich an einer Umfrage beteiligen, wenn sie angesprochen werden. Internetanschlüsse und Festnetzanschlüsse sind in Deutschland derzeit etwa gleich weit verbreitet - bei jeweils rund 90 Prozent der Haushalte, Mobiltelefone bei sogar 95 Prozent. Die Teilnahmebereitschaft liegt bei allen Methoden im einstelligen Prozentbereich, besonders niedrig schätzen Experten sie für Telefonumfragen ein.
Es gibt also bei beiden Methoden eine Gruppe von Personen, die nicht erreicht werden kann, weil sie entweder keinen Anschluss an das jeweilige Netz hat oder sich nicht an der Umfrage beteiligen möchte. Deshalb müssen für ein aussagekräftiges Ergebnis immer sehr viele Menschen angesprochen werden. Civey-Umfragen sind derzeit neben SPIEGEL ONLINE in mehr als 20.000 andere Webseiten eingebunden, darunter auch unterschiedliche Medien. So wird gewährleistet, dass möglichst alle Bevölkerungsgruppen gut erreicht werden können.
Woran erkenne ich die Güte eines Ergebnisses?
Bis das Ergebnis einer Umfrage repräsentativ wird, müssen ausreichend viele unterschiedliche Menschen daran teilnehmen. Ob das bereits gelungen ist, macht Civey transparent, indem zu jedem Umfrageergebnis eine statistische Fehlerwahrscheinlichkeit angegeben wird. Auch die Zahl der Teilnehmer und die Befragungszeit werden für jede Umfrage veröffentlicht.
Was bedeutet es, wenn sich die farbigen Bereiche in den Grafiken überschneiden?
In unseren Grafiken ist der statistische Fehler als farbiges Intervall dargestellt. Dieses Intervall zeigt jeweils, mit welcher Unsicherheit ein Umfragewert verbunden ist. Zum Beispiel kann man bei der Sonntagsfrage nicht exakt sagen, wie viel Prozent eine Partei bei einer Wahl bekommen würde, jedoch aber ein Intervall angeben, in dem das Ergebnis mit hoher Wahrscheinlichkeit liegen wird. Überschneiden sich die Intervalle von zwei Umfragewerten, dann können streng genommen keine Aussagen über die Differenz getroffen werden. Bei der Sonntagsfrage heißt das: Liegen die Umfragewerte zweier Parteien so nah beieinander, dass sich ihre Fehlerintervalle überlappen, lässt sich daraus nicht ableiten, welche von beiden aktuell bei der Wahl besser abschneiden würde.
Was passiert mit meinen Daten?
Die persönlichen Daten der Nutzer werden verschlüsselt auf deutschen Servern gespeichert und bleiben geheim. Sie dienen allein dazu, die Antworten zu gewichten und sicherzustellen, dass die Umfragen nicht manipuliert werden. Um dies zu verhindern, nutzt Civey statistische wie auch technische Methoden.

Wer steckt hinter Civey-Umfragen?

An dieser Stelle haben Leser in der App und auf der mobilen/stationären Website die Möglichkeit, an einer repräsentativen Civey-Umfrage teilzunehmen. Civey ist ein Online-Meinungsforschungsinstitut mit Sitz in Berlin. Zur Erhebung seiner repräsentativen Umfragen schaltet die Software des 2015 gegründeten Unternehmens Websites zu einem deutschlandweiten Umfragenetzwerk zusammen. Neben SPIEGEL ONLINE gehören unter anderem auch der "Tagesspiegel", "Welt", "Wirtschaftswoche" und "Rheinische Post" dazu. Civey wurde durch das Förderprogramm ProFit der Investitionsbank Berlin und durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung finanziert.

Wahlkampf in Bayern im Video: "Ich glaub es hackt, lieber Herr Söder"

LENNART PREISS/EPA-EFE/REX/Shutterstock

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perello 11.10.2018
1. Nicht eingemischt?
Seehofer steht für die CSU wie kein Zweiter, und für seine groteske Performance zum Thema Flüchtlinge kriegt seine Partei jetzt die Quittung. Sein erbärmliches Rumgezicke gegenüber der Kanzlerin und seine unglaubliche Dünnhäutigkeit und nicht zuletzt die peinliche und glücklicherweise gescheiterte Beförderung eines Merkel-Gegners einfach nur so aus Trotz werden auch in Bayern vernommen. Das Schlimmste ist, dass er mit seiner Politik die AfD mit ihrer Ausländerhetze hoffähig gemacht hat. Und die Leute wählen nun halt lieber das Original als die schlechte Kopie. Söder vermutet den wahren Schuldigen in der richtigen Stadt. Aber es ist nicht der Koalitionsstreit an sich, sondern derjenige, der ihn im Grunde alleine zu verantworten hat und sich leider als absolut teamunfähig herausgestellt hat. Dass Söder ein unfassbarer Unsympath ist, kommt dann natürlich noch oben drauf.
123rumpel123 11.10.2018
2. arme Bayern
Das die CSU stellvertretend für die CDU in Bayern abgestraft wird , kann ich ja noch prima nachvollziehen, aber warum die Grünen als Promoter einer unüberlegten , überhasteten Energiewende und nun als potenzieller Arbeitsplatzvernichter( Co2-EU-Parlament) immer noch weiter in der Gunst der Wähler steigt ist irrational. Gut, vielleicht hat sich das bis zur Hessenwahl.
heho_let´s_go 11.10.2018
3. Die eigene Bevölkerung unterschätzt
Ich bin froh diesen Trend erleben zu können. Ein klares Statement gegen Problemorientierte Politik hin zur Lösungsorientierten Politik.
kangootom 11.10.2018
4. Seehofer
Die Aussage von Seehofer, sich nicht am Wahlkampf beteiligt zu haben und deswegen auch nicht für die schlechten Werte verantwortlich zu sein, untermauter das Dilemma der CSU. In Kriesenzeiten sind andere für das Abrutschen verantwortlich. Das zweite Problem der CSU ist der verpasste Generationenwechsel: Wer heutzutage Wähler mit christlichen Kreuzen in Amtsstuben locken will, braucht sich nicht zu wundern, wenn er nur noch von Rentnern gewählt wird.
BjoBa 11.10.2018
5. Der fehlende Glaube
Vier Parteien sind sich doch sehr ähnlich. Daher finde ich es recht egal, wer oben zulegt. Ist nicht viel dramatischer, wieviele Leute nicht mehr zur Wahl gehen wollen? Es wird uninteressant, was politisch passiert, ist doch eh alles falsch...
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