Grüne stärkste Partei in München Hochburgstadt

Bei der Landtagswahl erzielten die Grünen ihr bestes Ergebnis im Zentrum von München. Die erfolgsverwöhnte CSU holte dort ihr schlechtestes Resultat im ganzen Freistaat. Eine Wachablösung in Bayerns Hauptstadt.

Grünen-Bundesvorsitzender Habeck (l.) mit den bayerischen Spitzenkandidaten Schulze und Hartmann.
DPA

Grünen-Bundesvorsitzender Habeck (l.) mit den bayerischen Spitzenkandidaten Schulze und Hartmann.


Was für ein Erfolg für die Grünen bei der Landtagswahl in Bayern: Die Ökopartei holte am Sonntag insgesamt sechs Direktmandate im Freistaat. Bei der Abstimmung im Jahre 2013 hatte die CSU noch bis auf ein Mandat landesweit alle Direktmandate gewonnen.

Besonders triumphierten die Grünen mit ihren Spitzenkandidaten Ludwig Hartmann und Katharina Schulze in München - in der Landeshauptstadt, wo mehr als jeder zehnte Bayer lebt, konnte die Ökopartei gleich in fünf von neun Stimmbezirken gewinnen (das sechste holte sie in Würzburg).

Mit 30,3 Prozent der Stimmen lagen die Grünen in ganz München deutlich vor der CSU, die auf nur noch 25,2 Prozent kam. Damit konnten die Grünen im Vergleich zur vorherigen Landtagswahl 18,2 Prozentpunkte zulegen, während die Christsozialen 11,5 Prozentpunkte verloren.

Besonders drastisch fiel das Ergebnis in München-Mitte, dem Zentrum der Millionenstadt, aus: Hier holten die Grünen mit 42,5 Prozent ihr bestes Resultat und mit 22 Prozentpunkten auch den größten Gewinn. Spitzenkandidat Ludwig Hartmann holte 44 Prozent und hatte fast 30 Prozentpunkte Vorsprung auf den zweitplatzierten CSU-Kandidaten. Die Christsozialen erzielten dort mit 16,1 Prozent auch ihr schlechtestes Ergebnis.

Katharina Schulze, die andere Spitzenkandidatin der Grünen, gewann mit 34,9 Prozent in München-Milbertshofen, ihre Konkurrentin von der CSU kam als Zweitplatzierte auf 21,1 Prozent.

Das schlechteste Ergebnis holten die Grünen in Cham (7,8 Prozent), den geringsten Stimmengewinn in Hof (plus 3,5 Prozentpunkte).

Für die CSU blieben nur vier Wahlkreis-Sieger. Das beste Ergebnis holte die sieggewohnte Partei mit 49,8 Prozent in Bad Kissingen. Den größten Stimmenverlust mit minus 20,6 Prozentpunkten musste sie in Neuburg-Schrobenhausen hinnehmen.

In Freising, am Rand des Münchner Flughafens, bekam die CSU einen besonderen Denkzettel: Staatskanzleichef Florian Herrmann landete als Direktkandidat nur knapp vor Grünen und Freien Wählern, die sich gegen die dritte Startbahn ausgesprochen hatten.

Quelle: Infratest dimap/ARD (Schätzung auf Basis von Vor- und Nachwahlbefragungen, Wahl- und Bevölkerungsstatistiken)

Nicht nur die CSU, auch die SPD erlebte ein Wahldebakel. Das mieseste Resultat fuhren die Genossen mit nur 4,6 Prozent in Straubing ein. Katastrophal auch das Ergebnis der SPD in München-Mitte: Minus 22,3 Prozentpunkte. Das beste Resultat holte Partei im nordbayerischen Hof mit 21,5 Prozent.

Die Freien Wähler, möglicher Koalitionspartner der CSU, erzielten ihr bestes Ergebnis mit 24,6 Prozent in Kelheim. In der niederbayerischen Stadt schafften die FW mit 11,7 Prozentpunkten auch ihren größten Zugewinn an Stimmen.

Die FDP wiederum kam in München-Schwabing mit 12,6 Prozent auf ihr bestes Ergebnis und erzielte dort auch den höchsten Gewinn (plus 4,3). In Tirschenreuth in der Oberpfalz kamen die Liberalen dagegen nur auf 2,6 Prozent - ihr schlechtestes Ergebnis.

Die AfD blieb mit 10,2 Prozent der Gesamtstimmen hinter ihrem Ergebnis bei der Bundestagswahl vor einem Jahr zurück. In München-Mitte kamen die Rechtspopulisten sogar nur auf 3,7 Prozent, was ihr miesestes Resultat in einem bayerischen Stimmkreis war. Im Stimmkreis Regen, Freyung-Grafenau im Osten Bayerns erzielte die AfD dagegen mit 16,2 Prozent ihr bestes Ergebnis.

Der Landtag ist mit 205 Sitzen - 25 mehr als bisher - so groß wie nie in der Nachkriegszeit. Das liegt daran, dass die CSU in sechs der sieben Bezirke mehr Direktmandate holte als ihr nach ihrem Stimmanteil zustünde, insgesamt zehn. Dafür erhalten die übrigen fünf Parteien insgesamt 15 Ausgleichsmandate.

als/Mitarbeit: Marcel Pauly, mit Material von Reuters und AFP

insgesamt 15 Beiträge
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heinrich.busch 15.10.2018
1. Diese Rechneten ist schon nervig
Aus meiner Sicht ist die CSU gar nicht so schlecht gewesen. In absoluten Zahlen ist sie besser als zur BTW 2017. München ist grundsätzlich nicht repräsentativ für Bayern und dort ist vor allem die SPD unter gegangen. Wir schauen uns mal um, wenn die Zeit nach Merkel und Seehofer angebrochen ist. So lange wird es ja nicht mehr dauern. Schauen wir mal nach Hessen!
skeptikerin007 15.10.2018
2. Besser kann man beweisen
Stoiber hat recht. München zeigt, wie das Verhalten der zugezogenen ist. Warum untersucht man die Stimmabgabe nach dem Herkunft, echte Bayer, die ihre Heimat lieben und all Imis, die sich kein deut um Tradition und Heimat scheren, außer sich bei dem Oktoberfest in manchmal lächerlichen Kleider zu zeigen. Es gibt nur eine ehrliche, echte Ökopartei in Bayern, die ÖDP
Xicht123 15.10.2018
3. Bildung und die AfD
Da sieht man's mal wieder. Bildung hilft gegen AfD. Da wundert's nicht dass die hinter den Lehrern her sind :)
goldmeikel 15.10.2018
4. Die neue Partei des Wohlstands
Kaschmirmantel, Porsche, Gucci-Täschchen. Das ist der Grünenwähler in München. Sauber!
spmc-12355639674612 15.10.2018
5. Eine Analyse
Zitat von skeptikerin007Stoiber hat recht. München zeigt, wie das Verhalten der zugezogenen ist. Warum untersucht man die Stimmabgabe nach dem Herkunft, echte Bayer, die ihre Heimat lieben und all Imis, die sich kein deut um Tradition und Heimat scheren, außer sich bei dem Oktoberfest in manchmal lächerlichen Kleider zu zeigen. Es gibt nur eine ehrliche, echte Ökopartei in Bayern, die ÖDP
der von Ihnen verwendeten Grammatik deutet für mich stark darauf hin, dass auch Sie nicht frei sind von Migrationshintergrund. Da müssten Sie mir allerdings jetzt erklären, warum Sie erstens glauben, die "echten Bayern" vertreten zu müssen, und zweitens alle anderen bezichtigen, sich nicht um Tradition und Heimat zu scheren. Und warum machen Sie NACH der Wahl Werbung für bestimmte Parteien? Jetzt ist es zu spät.
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