Bayern-Wahl TV-Duell wackelt - Söder-Herausforderer gesucht

Fällt das TV-Duell vor der bayerischen Landtagswahl aus? Womöglich kommt Ministerpräsident Markus Söder um den Schlagabtausch herum. Der Grund: mindestens ungewöhnlich.

Duellant gesucht - Ministerpräsident Markus Söder
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Duellant gesucht - Ministerpräsident Markus Söder


Ja, will denn in Bayern außer dem derzeit amtierenden Markus Söder (CSU) niemand Ministerpräsident werden? Diesen Eindruck könnte man angesichts der aktuellen Spekulationen um das TV-Duell des Bayerischen Rundfunks vor der Landtagswahl gewinnen: Der "Münchner Merkur" will nämlich erfahren haben, dass es diesmal wohl kein solches Aufeinandertreffen im Fernsehen - längst fester Bestandteil des Wahlkampfs - geben wird. Weil der zweite Duellant fehlt.

Da mag die CSU in den Umfragen derzeit noch so sehr schwächeln. Ein klarer Zweitplatzierter und damit ein klarer Söder-Herausforderer ist nicht in Sicht.

Die SPD mit Spitzenkandidatin Natascha Kohnen liegt derzeit in Umfragen bei knapp über 12 Prozent - noch hinter Grünen und AfD. Die grüne Spitzenfrau Katharina Schulze wiederum ist erst 33 und damit zu jung, um Ministerpräsidentin zu werden. "Wählbar ist jeder wahlberechtigter Bayer, der das 40. Lebensjahr vollendet hat", heißt es nämlich in Artikel 44 der Landesverfassung.

Ludwig Hartmann, der Spitzenmann der Grünen, könnte theoretisch antreten. Er hat im Juli seinen 40. Geburtstag gefeiert. Wobei Schulze bei der Spitzenkandidatenkür deutlich mehr Unterstützung bekam als Hartmann.

Die Grünen liegen in den Umfragen mit der AfD beinahe gleichauf. Die AfD aber hat sich entschieden, ohne einen nominellen Spitzenkandidaten in die Wahl zu gehen.

Lösung: mehrere kleinteilige Formate

Der Bayerische Rundfunk will eine Absage des TV-Duells einstweilen nicht bestätigen - allerdings auch nicht das Gegenteil. Gegenüber der "Augsburger Allgemeinen" erklärte der Sender, man werde in Anbetracht einer Umfrage, die im September veröffentlicht wird, die Frage des Duells noch einmal neu bewerten.

Söder selbst beobachtet die Spekulationen einstweilen mit Genugtuung:

Fällt das Duell tatsächlich aus, könnten mehrere kleinteilige Formate die Alternative sein. Für den 12. September ist eine große TV-Runde mit allen Parteien geplant, die an oder über der Fünf-Prozent-Hürde liegen - für die CSU sollte hier allerdings Fraktionschef Thomas Kreuzer in die Debatte gehen.



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insgesamt 17 Beiträge
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Seite 1
hbb258 21.08.2018
1. Das wird auch auf Bundesebene passieren
Das TV-Duell war ja klassischerweise immer zwischen den Spitzenkandidaten von Union und SPD. Da die SPD und in kleinerem Umfang auch die Union ihren Status als Volksparteien aber immer weiter verlieren macht dieses Format sowohl in Bayern als auch bald im Bund einfach keinen Sinn mehr. Auch die Zeit der Lagerwahlkämpfe sind ist ja längst vorbei. Wenn AfD, Grüne und SPD sich nur um 2-3 Prozentpunkte unterscheiden, können sie keinen klaren "Herausforderer" mehr benennen. Ich denke ein Format zu welchem man die Spitzenkandidaten oder Parteivorstände aller Parteien (welche realistische Chancen haben über 5% zu kommen) einlädt und diskutieren lässt macht viel mehr Sinn. Kann man ja dann immer noch TV Duell nennen und das ist dann ohnehin bissiger und spannender.
spmc-12355639674612 21.08.2018
2. Frau Kohnen sollte sich
mit Herrn Hartmann einigen, wer sich traut, mit Herrn Söder zu diskutieren. Für beide, Frau Kohnen und Herr Hartmann wäre es eine gute Gelegenheit, endlich bei einem größeren Teil der Bevölkerung Bekanntheit zu erlangen. Daran hapert es nämlich bei beiden gewaltig! Bisher habe ich nicht einmal gemerkt, dass die SPD überhaupt zur Landtagswahl in Bayern antritt, so unsichtbar wirkt sie.
egoneiermann 21.08.2018
3.
Bei den Grünen scheint der Generationenwechsel geklappt zu haben, Glückwunsch,.
nochnestimme 21.08.2018
4. Verfassung ändern?
Tja, da haben wir es mal wieder, Chef in Bayern ist für die Altvorderen reserviert. Das ist wirklich mittelalterlich, die Grenze auf 40 festzulegen. Im Nachbarländle Österreich regiert mit dem Anfangdreißiger Sebastian Kurz ein Kanzler, der zur Zeit sogar den EU-Vorsitz hat. Geht doch. Aber das Dilemma ist ja eigentlich, dass keine der Oppositionsparteien in Bayern so richtig inhaltlich durchdringt. Den Spitzenleuten fehlt es an Profil.
demokrat2 21.08.2018
5. Söder in die Leere laufen lassen ...
.... ist eine kluge Überlegung. Söder taktiert doch auch, wenn er nicht an der Podiumsdiskussion aller Parteien teilnimmt. Da schickt er einen anderen, der die ganze Kritik für ihn einsteckt. Und Söder glaubt an die Macht seines Amies. Außerdem käme Söder nicht so oft zu Wort, wie ihm das meistens eingeräumt wird. In der Parteienrunde ist er Einer unter Vielen und das mag er nicht. Er ist lieber der Einzige.
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