Mögliche Koalitionen in Bayern Söder strebt "bürgerliches Bündnis" an

Die CSU braucht in Bayern einen Koalitionspartner. Mit wem kann und will Markus Söder regieren?

Markus Söder (l.), Hubert Aiwanger
LUKAS BARTH-TUTTAS/POOL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Markus Söder (l.), Hubert Aiwanger


Seit 1962 stellt die CSU den bayerischen Ministerpräsidenten. Nach den aktuellen Hochrechnungen wird sich daran auch nichts ändern. Trotz großer Verluste werden die Christsozialen im neuen Landtag wieder die mit Abstand größte Fraktion stellen. Um zu regieren, braucht die CSU aber einen Koalitionspartner - zum dritten Mal in den vergangenen 56 Jahren.

Diese Regierungskoalitionen wären möglich:

  • CSU-Freie Wähler

Ministerpräsident Markus Söder hat in einer ersten Reaktion von einer "Priorität für ein bürgerliches Bündnis" gesprochen. Im Klartext heißt das, dass die CSU eine Koalition mit den Freien Wählern anstrebt. Deren Vorsitzender Hubert Aiwanger hatte CSU-Generalsekretär Markus Blume schon nach Bekanntgabe der ersten Prognosen zur Aufnahme von Koalitionsverhandlungen aufgefordert. "Die sollen sich bei uns melden", sagte Aiwanger.

Allerdings steht noch nicht endgültig fest, ob eine Zweierkoalition aus CSU und Freien Wählern überhaupt eine Mehrheit hat und damit regierungsfähig wäre.

  • CSU-Freie Wähler-FDP

Sollte die FDP in den Landtag einziehen, könnte sie als dritter Partner in ein "bürgerliches Bündnis" einsteigen. In dem Fall müssten alle Beteiligten noch mehr Kompromisse machen, hätten dafür aber eine stabile Mehrheit.

Obwohl die Liberalen mit 5,1 Prozent in den Hochrechnungen noch um den Einzug ins Parlament bangen müssen, bezeichnete der FDP-Vorsitzende Christian Lindner das Ergebnis als Erfolg. Lindner sagte, Bayern sei traditionell ein "schwieriges Pflaster" für seine Partei. Zu einer möglichen Regierungsbeteiligung äußerte er sich bislang nicht. Spitzenkandidat Martin Hagen sagte, man müsse zunächst auf das endgültige Wahlergebnis warten und dann "mal schauen, wann das Telefon klingelt".

  • CSU-Grüne

CSU-Fraktionschef Thomas Kreuzer hatte eine Koalition mit den Grünen im Vorfeld der Wahl kategorisch ausgeschlossen. Auch Söder betonte nach der ersten Hochrechnung, dass sich die Programme der Parteien in vielen Punkten klar widersprechen würden. "Die Grünen sind inhaltlich weit von uns entfernt", sagte Söder in der ARD.

Trotzdem wäre ein solches Bündnis rechnerisch möglich, da die Grünen die zweitstärkste Fraktion stellen. Zudem hat Spitzenkandidatin Katharina Schulze mehrfach betont, dass sie regieren und Verantwortung übernehmen wolle. Allerdings stellt Schulze auch Bedingungen für eine mögliche Regierungsbeteiligung. Man könne mit ihrer Partie über eine gerechte, ökologische und proeuropäische Politik reden, nicht aber über eine antieuropäische oder autoritäre Politik.

Was trotz aller inhaltlichen Differenzen - vor allem beim Dauerstreitthema Zuwanderung - aus CSU-Sicht für diese Koalition sprechen könnte: Je nachdem, wie sich die Zahlen entwickeln, wäre das Bündnis mit den Grünen möglicherweise die einzige Zweierkoalition mit einer Mehrheit im Landtag.

  • CSU-SPD-FDP

Die SPD ist neben der CSU der größte Wahlverlierer und muss um die Zweistelligkeit bangen. Zusammen wären die beiden Parteien im bayerischen Landtag nicht mehrheitsfähig. Denkbar wäre auch hier eine Dreierkoalition unter Einbeziehung der FDP. Das erscheint allerdings als die unwahrscheinlichste aller denkbaren Alternativen.

Videoanalyse zum Absturz der CSU:

SPIEGEL ONLINE

mmm/dpa/afp



insgesamt 58 Beiträge
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WolfThieme 14.10.2018
1. Machtlust
Die Grünen in Bayern würden sich schon wie bei den Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl nur zu gern verbiegen, um auf die Sessel zu kommen. Von mir aus, aber nicht mit dieser Schnattersuse mit dem bleckenden Gebiss, die nie und nirgendwo ein Ende findet.
biesi61 14.10.2018
2. Eine zeitgemäße Zukunftskoalition wäre nur Schwarz-Grün!
Bayern braucht - wie im übrigen ganz Deutschland - sehr grundlegende Veränderungen. Klimawandel und Digitalisierung stellen uns vor riesige neue Aufgaben, die nicht mit etwas Kosmetik zu bewältigen sind. Ich kann nicht erkennen, dass die freien Wähler, die FDP oder gar die SPD die nötige neue Dynamik in die Politik der Landesregierung bringen würden. Die Erfahrung der CSU gepaart mit der Frische und den vielen guten neuen Ideen von den Grünen wären hingegen ein unschlagbarer Zukunftspakt. Er braucht Mut, aber er wäre die beste Lösung für Bayern!
Öko Nom 14.10.2018
3. Es bleibt alles wie es ist in Bayern - links bleibt Opposition
Das rechts-konservative Ergebnis liegt bei c. satten 60%! Chapeau liebe Bayern. Aus Rot wird grün, oberflächlich, drinnen stecken auch weiterhin naiv sozialistische und zT anti-deutsche Ideen. Egal, Hauptsache nichts zu melden.
keine-#-ahnung 14.10.2018
4. Alles gut in Bayern ...
... das bürgerliche Lager steht in Saft und Kraft, der grünlinke Rand bleibt halt der grünlinke Rand. Und ein bisschen "frisches Blut" in der Regierung durch die Koalition mit den Freien Wählern kann nix schaden - auch wenn das ja eigentlich eher eine Eigenbluttransfusion ist :-)
george2013 14.10.2018
5. Alles bleibt wie gehabt
Die erzkonservativen "Freie Wähler", die Mehrheitsbeschaffer der CSU. Also bleibt de facto alles wie gehabt. Nur die SPD sollte sich überlegen, ähnlich wie Studienabbrecher oder - Umsteiger, ob Politik wirklich das Richtige ist für die SPD.
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