Von Veit Medick und Philipp Wittrock
Berlin - Rheinland-Pfalz heißt jetzt "Rheinland-Filz" und wird regiert von einem Ministerpräsidenten, der "Probleme mit Frauen" hat.
So sieht es die CDU.
Die SPD hält dagegen. Sie verspottet die Konkurrenz als "Landesskandalpartei" mit "Frontfräulein".
Willkommen im sonst so beschaulichen Land der Rüben und Reben. Von weinseliger Gemütlichkeit ist in diesen Wochen in Rheinland-Pfalz keine Spur. Am 27. März wird in der Provinz gewählt. SPD-Dauerregierungschef Kurt Beck und seine junge CDU-Herausforderin Julia Klöckner kämpfen um die Macht in Mainz - und es ist ein schmutziger Kampf. Er wird mit scharfen Angriffen geführt, mit gegenseitigen Vorwürfen und Untersuchungsausschüssen.
Genüsslich weidet man die Affären der Gegenseite aus und hofft, so von eigenen Politsünden ablenken zu können. Jüngster Aufreger: eine Finanzaffäre aus dunkler CDU-Vergangenheit. Es geht um Betrugsvorwürfe, Scheinrechnungen, den Missbrauch von Steuergeldern. Die Union ist erschüttert, die SPD tut empört.
Über "illegale Machenschaften" und ein "Vertuschungssyndikat" schimpfen die Genossen. Tatsächlich hatte man sich in der CDU lange gewunden - nun aber versucht es Klöckner mit Vorwärtsverteidigung, um die Sache möglichst rasch loszuwerden.
Klöckner gegen das "System Beck"
Ja, im Wahlkampf 2006 wurde offenbar getrickst, heißt es jetzt. Hintergrund: Der damalige eher spröde Spitzenkandidat Christoph Böhr beschäftigte ein Beraterheer, das ihn attraktiver machen sollte. Die Helfer allerdings wurden wohl aus der Fraktionskasse bezahlt - und damit verbotenerweise aus Steuergeldern. 400.000 Euro an "illegalen Parteispenden" wollen die Christdemokraten nun zurückzahlen. Darüber hinaus droht eine Strafzahlung in doppelter Höhe.
Böhr will von nichts gewusst haben. Doch Klöckner fühlt sich vom früheren Landes- und Fraktionschef hinters Licht geführt. "Empört und enttäuscht" sei sie, sagt sie und verspricht bedingungslose Aufklärung - um dann gleich wieder zum Angriff auf den Gegner überzugehen.
Schließlich ist es doch das "System Beck", das sie anprangert, das Reich des Klüngels, das sich "König Kurt" in 16 Jahren Regentschaft ihrer Meinung nach geschaffen hat. Am Mittwoch twittert die CDU-Spitzenkandidatin: "SPD verurteilt andere ohne selbst Verantwortung zu übernehmen: Nürburgring, Schlosshotel, (...), Justizskandal."
Die anderen sind viel schlimmer, das soll die Botschaft sein. Tatsächlich schenken sich beide nichts im Wettstreit um die bizarrsten Affären in der pfälzischen Provinz. Eine kleine Auswahl:
Es ist ein eindrucksvolles Sündenregister, mit dem SPD und CDU in den Wahlkampf ziehen. Doch derzeit sieht es nicht so aus, als wollten die Wähler die Sozial- und Christdemokraten dafür besonders hart abstrafen. Beide Parteien liegen in Umfragen zwischen 35 und 40 Prozent. Die SPD ist meist leicht vorn.
Wer am Ende gewinnt, braucht zum Regieren wohl auf jeden Fall einen Partner. Weil eine Große Koalition angesichts der Gehässigkeiten kaum in Frage kommen wird und die FDP derzeit mit der Fünf-Prozent-Hürde zu kämpfen hat, könnte den Grünen nach der Wahl die Rolle des Königsmachers zufallen. Sie dürfen, traut man den aktuellen Umfragen, ein zweistelliges Ergebnis erwarten. Das ist viel für eine Partei, die derzeit nicht mal im Landtag vertreten ist.
Die Schlammschlacht zwischen Beck und Klöckner beobachten die Grünen bisher entsprechend gelassen. Den "aggressiven Ton" der Spitzenkandidaten lehnen sie ab. Die Grünen sind sich sicher: "Unsere sanfte Art kommt an."
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