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Beck-Satire: SPD verklagt "Titanic"

Von Lars Langenau

Kurt Beck hat gegen die "Titanic" eine einstweilige Verfügung erwirkt. Grund des juristischen Streites ist das aktuelle Titelbild der Satire-Zeitschrift. Die Frankfurter beschrifteten ein Porträt des SPD-Chefs mit der Zeile: "Problembär außer Rand und Band: Knallt die Bestie ab!"

Hamburg - Am Freitag muss Kurt Beck der Blick auf den Zeitungskiosk furchtbar geärgert haben. Dort prangte sein Porträt auf der neuen Ausgabe des "endgültigen Satire-Magazins Titanic" mit folgender Zeile "Problembär außer Rand und Band: Knallt die Bestie ab!" Umgehend erwirkten die Anwälte des neuen SPD-Vorsitzenden eine einstweilige Verfügung gegen den "Titanic"-Verlag, "die es uns untersagt, das neue Heft weiter zu vertreiben", wie Chefredakteur Thomas Gsella zu SPIEGEL ONLINE sagt.

In der Verfügung werden laut Gsella "Titanic" eine Ordnungsstrafe von bis zu 250.000 Euro angedroht. Doch die Satiriker scheinen die Konsequenzen nicht ernst zu nehmen: "Wir wissen auch nicht so genau Bescheid, unsere Anwältin ist gerade in den USA und schläft noch." Außerdem seien schon alle Hefte der aktuellen Ausgabe ausgeliefert.

Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen, heißt es auch aus der Geschäftsführung. Derzeit berät sie noch über das weitere Vorgehen. In den vergangenen Tagen seien sie sehr eingespannt gewesen durch den Tod von Robert Gernhardt und nun überrascht sie das konsequente Vorgehen der Sozialdemokraten. "Die Berater von Beck müssen wissen, ob sie das wirklich wollen", sagt Patric Feest, Geschäftsführer des "Titanic"-Verlages zu SPIEGEL ONLINE. "Wir halten Beck für einen lieben, netten Mann und behandeln ihn in der Regel gut." Zudem habe man nicht zum Mord aufgerufen, sondern "einfach kein schöneres Bild von ihm gefunden".

Erinnerungen an Engholm

So heißt es momentan auch noch trotzig auf der "Titanic"-Homepage: "Die ausgelieferten Exemplare bleiben natürlich am Kiosk und müssen laut Beschluss nun so lange verkauft werden, bis alle weg sind." Die "Titanic"-Leute nutzen sogar den Rechtsstreit noch für Abo-Werbung. Doch das Lachen könnte den Frankfurter bald vergehen. Denn der SPD ist gar nicht zum Scherzen zumute.

SPD-Parteisprecher Lars Kühn findet das Titelblatt "einfach nur geschmacklos". Auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE im Berliner Willy-Brandt-Haus heißt es, das Titelbild sei eine "massive Persönlichkeitsverletzung" und nach wie vor als Großbild auf der "Titanic"-Homepage zu sehen - und sogar als Grußkarte zu verschicken. Die Juristen im Parteivorstand wollen ernst machen und eine Vollstreckung erreichen: "Jetzt ist ein Ordnungsgeld fällig."

Der neue SPD-Vorsitzende Beck tritt mit seinem juristischen Vorgehen in die Fußstapfen von Björn Engholm: Auch der einstige SPD-Hoffnungsträger aus Schleswig-Holstein hatte gegen die "Titanic" vor Jahren vor dem Landgericht Hamburg eine einstweilige Verfügung erwirkt und sich Schmerzenzgeld erstritten: Die Satiriker aus Frankfurt am Main hatten sein Bild in das berühmte Foto des toten Uwe Barschel in der Badewanne eines Genfer Hotels montiert.

Zurückhaltender war Helmut Kohl: Jahrelang nahmen ihn die Frankfurter satirisch aufs Korn. Gejuckt haben mag es den Altkanzler. Doch juristisch dagegen vorgegangen ist er nie.

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