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05. Oktober 2012, 09:56 Uhr

"Maul halten"

Beck verteidigt seinen Ausraster

"Können Sie mal das Maul halten?" Kurt Beck bepöbelte in München einen Bürger - ein schlechtes Gewissen hat er deswegen nicht. Über eine Sprecherin ließ er ausrichten: Ein Politiker müsse sich nicht alles gefallen lassen.

Berlin - Von Reue keine Spur: Kurt Beck, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident, hat seinen Verbalausfall gegenüber einem Passanten am Rande der Feiern zum Tag der Deutschen Einheit in München verteidigen lassen. "Auch ein Politiker muss sich nicht alles gefallen lassen", sagte Becks Sprecherin Monika Fuhr der "Bild"-Zeitung. Beck sei während eines Interviews von dem Passanten angeschrien worden. "Dagegen hat er sich mit deutlichen Worten verwahrt", sagte Fuhr. "Und: Wer austeilt, müsse auch einstecken können."

Was genau war passiert? Beck wollte am Rande der Einheitsfeiern einem Team des Südwestrundfunks ein Interview zum Thema Bürgerbeteiligung geben. Tatsächlich wollte sich an dem TV-Gespräch sogleich auch ein Bürger beteiligen - und zwar lautstark aus dem Hintergrund. Er rief: "Wir Bayern bezahlen den Nürburgring."

Bayern plant gerade eine Klage gegen den Länderfinanzausgleich, das Bundesland will nicht Projekte und soziale Wohltaten in anderen Bundesländern finanzieren müssen - und dazu gehört nach Meinung des Bürgers wohl eben auch der Nürburgring. "Und den Betzenberg", schob der Mann nach, womit er das Stadion des 1. FC Kaiserslautern aus Becks Heimat meinte.

Der 1. FCK ist Becks Lieblingsverein, die Affäre um den Nürburgring belastet Beck seit Jahren. Zwei Reizthemen also, und der SPD-Mann hatte offenbar die Nase voll. Er drehte sich um - und stauchte den Mann zusammen: "Können Sie mal das Maul halten, wenn ich ein Interview gebe? Einfach das Maul halten." Auf die Antwort des Störers, er sei nur ehrlich, antwortete Beck: "Sie sind nicht ehrlich, Sie sind dumm."

Dann wandte sich Beck wieder der Kamera zu und fragte das SWR-Team: "Können wir noch mal?" Er konnte, doch der Sender strahlte nicht nur das Interview aus, sondern auch die Entgleisung.

Die unbekümmerte Reaktion Becks, die er nun seine Sprecherin verkünden ließ, könnte auch mit seiner Zukunft zu tun haben: Er hat zum Jahresende ohnehin seinen Rücktritt angekündigt. Danach soll er Ehrenvorsitzender der SPD in Rheinland-Pfalz werden. Der Landesvorstand will nach "FAZ"-Angaben auf dem Parteitag am 10. November einen entsprechenden Antrag stellen.

fab/heb/dapd/dpa

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