"Maul halten" Beck verteidigt seinen Ausraster

"Können Sie mal das Maul halten?" Kurt Beck bepöbelte in München einen Bürger - ein schlechtes Gewissen hat er deswegen nicht. Über eine Sprecherin ließ er ausrichten: Ein Politiker müsse sich nicht alles gefallen lassen.

Kurt Beck im SWR-Interview: "Sie sind nicht ehrlich, Sie sind dumm"

Kurt Beck im SWR-Interview: "Sie sind nicht ehrlich, Sie sind dumm"


Berlin - Von Reue keine Spur: Kurt Beck, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident, hat seinen Verbalausfall gegenüber einem Passanten am Rande der Feiern zum Tag der Deutschen Einheit in München verteidigen lassen. "Auch ein Politiker muss sich nicht alles gefallen lassen", sagte Becks Sprecherin Monika Fuhr der "Bild"-Zeitung. Beck sei während eines Interviews von dem Passanten angeschrien worden. "Dagegen hat er sich mit deutlichen Worten verwahrt", sagte Fuhr. "Und: Wer austeilt, müsse auch einstecken können."

Was genau war passiert? Beck wollte am Rande der Einheitsfeiern einem Team des Südwestrundfunks ein Interview zum Thema Bürgerbeteiligung geben. Tatsächlich wollte sich an dem TV-Gespräch sogleich auch ein Bürger beteiligen - und zwar lautstark aus dem Hintergrund. Er rief: "Wir Bayern bezahlen den Nürburgring."

Bayern plant gerade eine Klage gegen den Länderfinanzausgleich, das Bundesland will nicht Projekte und soziale Wohltaten in anderen Bundesländern finanzieren müssen - und dazu gehört nach Meinung des Bürgers wohl eben auch der Nürburgring. "Und den Betzenberg", schob der Mann nach, womit er das Stadion des 1. FC Kaiserslautern aus Becks Heimat meinte.

Der 1. FCK ist Becks Lieblingsverein, die Affäre um den Nürburgring belastet Beck seit Jahren. Zwei Reizthemen also, und der SPD-Mann hatte offenbar die Nase voll. Er drehte sich um - und stauchte den Mann zusammen: "Können Sie mal das Maul halten, wenn ich ein Interview gebe? Einfach das Maul halten." Auf die Antwort des Störers, er sei nur ehrlich, antwortete Beck: "Sie sind nicht ehrlich, Sie sind dumm."

Dann wandte sich Beck wieder der Kamera zu und fragte das SWR-Team: "Können wir noch mal?" Er konnte, doch der Sender strahlte nicht nur das Interview aus, sondern auch die Entgleisung.

Die unbekümmerte Reaktion Becks, die er nun seine Sprecherin verkünden ließ, könnte auch mit seiner Zukunft zu tun haben: Er hat zum Jahresende ohnehin seinen Rücktritt angekündigt. Danach soll er Ehrenvorsitzender der SPD in Rheinland-Pfalz werden. Der Landesvorstand will nach "FAZ"-Angaben auf dem Parteitag am 10. November einen entsprechenden Antrag stellen.

fab/heb/dapd/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 298 Beiträge
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Seite 1
ttt 05.10.2012
1. Klasse
ach, warum können Politiker nicht immer so menschlich sein!
breakthedawn 05.10.2012
2. Wer der Dumme war ist ja sowas von offensichtlich.
Es ist gut, dass Beck endlich abhaut. Der 'Bürger' hätte ruhig nochmals nachhaken können. Ich hätte mir das von eine Politiker nicht gefallen lassen.
adam68161 05.10.2012
3. Bald wird sich zeigen,
dass dieser selbsternannte Projektentwickler noch mehr Flops gelandet hat. Der rheinland-pfälzische Bankrotteur wollte ja nur Arbeitsplätze schaffen. Damit ginge er bei keinem Insolvenzrichter durch.
TLR9 05.10.2012
4.
Das war ja nicht der erste verbale Entgleisung von Kurt Beck. Kurt Becks Arbeitslosen-Schelte: "Waschen und rasieren, dann kriegen Sie auch einen Job" - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/kurt-becks-arbeitslosen-schelte-waschen-und-rasieren-dann-kriegen-sie-auch-einen-job-a-454389.html). Der Wähler muss sich auch nicht alles gefallen lassen!
Ippokratis 05.10.2012
5. Diese Logik ...
bedeutet im Umkehrschluss, dass sich auch Bürger nicht alles gefallen lassen müssen und so ungehemmt Politiker beleidigen dürfen ... wir scheinen solche Gestalten wie ihn verdient zu haben, sonst gäbe es nicht so viele Prolls unter unseren politischen "Persönlichkeiten".
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