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Befragung: Bahr will Bereitschaft zur Organspende anregen

Die Zahl der Organspenden ist in Deutschland nicht ausreichend. Tausende Menschen sterben jedes Jahr, weil sie kein Spenderorgan erhalten. Gesundheitsminister Bahr will das mit Hilfe der Krankenkassen ändern. Sie sollen ihre Mitglieder aufklären - und deren Spendenbereitschaft abfragen.

Lebertransplantation: Jährlich sterben rund 3000 Menschen, weil sie kein Spenderorgan bekommen Zur Großansicht
dapd

Lebertransplantation: Jährlich sterben rund 3000 Menschen, weil sie kein Spenderorgan bekommen

Berlin - Angesichts des enormen Mangels an gespendeten Organen will Gesundheitsminister Daniel Bahr die gesetzlich Krankenversicherten nach ihrer Spendebereitschaft befragen lassen. Die Krankenkassen sollen dazu verpflichtet werden, ihre Mitglieder bei der bevorstehenden Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte über die Organspende zu informieren und zu einer Erklärung über die Spendenbereitschaft aufzufordern. Das sieht ein Vorschlag des Ministers für eine Änderung des Transplantationsgesetzes vor, wie die "Frankfurter Rundschau" berichtete und das Bundesgesundheitsministerium bestätigte.

Die Antwort der Versicherten soll in einem Organspendeausweis dokumentiert werden, den die Kassen zur Verfügung stellen sollen. Die Versicherten können dabei einer Organspende zustimmen, sie ablehnen - oder erklären, dass sie sich später entscheiden möchten. Die Kassen müssen außerdem künftig qualifizierte Ansprechpartner für Fragen der Versicherten zur Verfügung zu stellen.

Von rund 12.000 Patienten, die auf ein Spenderorgan warten, sterben jährlich etwa 3000. Viele Menschen sind bereit zu einer Spende nach ihrem Tod, aber haben keinen Spenderausweis ausgefüllt. Das stellt insbesondere die Angehörigen im Ernstfall vor das Problem, den Willen ihres gerade verstorbenen Familienmitglieds im Krankenhaus zu erklären - wenn sie ihn denn überhaupt kennen. Die Bundesärztekammer war zuletzt von der Forderung nach einer Erklärungspflicht für die Organspende abgerückt; dies sei mit dem Grundgesetz kaum vereinbar.

Im Bundestag werben die Fraktionschefs von Union und SPD, Volker Kauder und Frank-Walter Steinmeier, derzeit ebenfalls dafür, Bürger stärker zu einer Entscheidung zu bewegen.

ler/dpa

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insgesamt 36 Beiträge
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1. Man muß es auch mal positv sehen
Fritz Motzki 26.09.2011
Jede nicht stattfindende OP erhöht nicht die Beitragssätze der Krankenversicherungen. Aber vll. liegt es ja nicht an mangelnder Bereitschaft seine Organe zu spenden. Wer braucht schon eine Fettleber eines 80jährigen. Außerdem ist das so eine Sache mit dem Spenden. Warum sollte jemand seine Innereien wildfremden Menschen umsonst überlassen. Eine Pauschale für die Hinterbliebenen wäre zu überdenken. Dann ist kein Handel.
2. Was Bahr dazu treibt?
cheechago 26.09.2011
Möglicherweise der Zettel in seinem Kopf auf dem steht: "Schulde dir ein Gehirn, Gott."
3. Lebendorganspenden.
wutzimat1000 26.09.2011
Sicher ist es heute wohl so, dass die Spenderorgane überwiegend von verstorbenen Organspendern stammen. Die Lebendorganspende ist stark reglementiert. Findet sich ein Spender hat dieser mit einer Versorgungslücke zu kämpfen, da es gerade die Krankenkassen sind, die dem organspendenden Arbeitnehmer nur seinen Nettoverdienstausfall erstatten, dies fusst auf einer Entscheidung des Bundessozialgerichts von 1972. Die Sozialabgaben werden auch nicht übernommen, da dies weder im Transplantationsgesetz noch im Entgeltfortzahlungsgesetz geregelt ist. Hier ist der Gesetzgeber ebenfalls gefordert.
4. Blödsinniger Aktionismus
oldharold 26.09.2011
Wenn die Meldungen stimmen, erklärten sich 75 % der Deutschen zu einer Organentnahme nach ihrem Tod bereit. Nur ein Bruchteil aber, trägt einen Spenderausweis bei sich. Eine Befragung durch die Krankenkassen würde daran nichts ändern. Änderung erreicht man nur, wenn man neben dem ethischen Zweck auch einen praktischen Nutzen verspricht: "Organvergabe nur nach Warteliste, in der die Wartenden ganz nach oben rücken, sofern sie sich bereits 2 Jahre vor ihrer Erkrankung in einem Zentralcomputer als Spender haben registrieren lassen"!
5. "Erklärungspflicht"
bomdia 26.09.2011
allein dieses Wort läßt alle Alarmglocken bei mir schrillen. Da ist es nur noch ein Katzensprung zu "Spendepflicht". Aufklärung über sinnvolle und unsinnige Transplantationen tut not. Verpflanzen nur weil man die Fähigkeit dazu besitzt??? Ja und die Bezahlung spielt selbstverständlich eine Rolle, denn das OP-Team wird sicherlich auch nicht kostenlos tätig werden.Marktwirtschaft. Es sei denn, wir finden endlich wieder das uns Menschen anstehende Mass. Der Papst sprach davon im Budestag. Zur Info. Ich gehöre keiner Kofession an.
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