"Ich will Europa": Prominente starten Kampagne gegen Euro-Frust
Die Euro-Krise lähmt den Kontinent, das Vertrauen in die EU schwindet. Ein Bündnis deutscher Stiftungen will der europakritischen Stimmung nun mit einer großen Kampagne entgegentreten - deutsche Prominente aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Showbusiness werben für mehr Europa.
Berlin - Seit mehr als zwei Jahren befindet sich die Europäische Union in einer Dauerkrise. Griechenland steht am Rande der Staatspleite, und auch andere Länder ächzen unter einer gewaltigen Schuldenlast. Zwischen den Regierungschefs herrscht Uneinigkeit über den richtigen Umgang mit der Situation: Brauchen wir mehr Europa oder weniger, sind Euro-Bonds der richtige Weg aus der Schuldenfalle?
Am Donnerstag werden Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident François Hollande in Berlin erneut über Maßnahmen zur Stärkung des Euro-Raums beraten, Freitag kommt der griechische Premier Antonis Samaras nach Berlin, nächste Woche ist Italiens Ministerpräsident Mario Monti zu Gast. Einen Durchbruch erwartet jedoch niemand von diesen Treffen.
Das Vertrauen vieler Deutscher in den Euro, die EU und ihre Institutionen hat in dieser Dauerkrise Schaden genommen. Der wachsenden europakritischen Stimmung im Volk will ein Bündnis von zehn großen deutschen Stiftungen (siehe Kasten links) nun mit einer breit angelegten Kampagne entgegentreten, wie sie das Land noch nicht gesehen hat.
Unter dem Motto "Ich will Europa" werben Prominente aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport in Anzeigen und Videoclips für die Vorteile der europäischen Einigung, Schirmherr ist Bundespräsident Joachim Gauck. Viele Medienpartner unterstützen die Kampagne, auch SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE stellen Raum für Anzeigen zur Verfügung.
"Wir müssen für Europa kämpfen"
Die Bandbreite der Unterstützer reicht von Volksmusik-Moderator Florian Silbereisen über Telekom-Chef René Obermann bis zum Altkanzler Helmut Schmidt. Ex-EU-Kommissar Günter Verheugen berichtet in seinem Spot in Schloss Cecilienhof von der Bedeutung des europäischen Einigungsprozesses, DJ Paul van Dyk will, dass Europa seinen Rhythmus wiederfindet.
"Die europäische Integration ist im ureigenen deutschen Interesse, sie ist im Interesse aller europäischen Völker. Deshalb müssen wir für Europa kämpfen", sagt Altkanzler Schmidt. Europa dürfe nicht nur auf die aktuelle Krise reduziert werden, so die Unterstützer der Kampagne. Die europäischen Errungenschaften wie die Wirtschafts- und Währungsunion, die Friedenssicherung, der Klima- und Verbraucherschutz seien jedoch im Laufe der Jahre als selbstverständlich hingenommen worden.
"Nur wenn sich die Bürger wieder damit auseinandersetzen, welchen Nutzen Europa ihnen täglich bringt, bleibt das europäische Projekt lebendig", sagt Dieter Berg, Geschäftsführer der Robert Bosch Stiftung, die gemeinsam mit der Stiftung Mercator federführend ist. Leise Kritik an der EU-Erweiterung erlaubt sich Altbundespräsident Roman Herzog. Er sagt in seiner Anzeige: "Es geht nicht darum, die EU so groß, sondern so stark wie möglich zu machen."
Ursprünglich sollten auch alle noch lebenden ehemaligen Außenminister gemeinsam mit Guido Westerwelle für die Kampagne posieren. Joschka Fischer hatte den Termin jedoch platzen lassen, weil das Projekt seiner Ansicht nach "vom Ministerbüro des Auswärtigen Amtes gekapert" worden sei.
Die Macher von "Ich will Europa" hoffen jedoch weiterhin darauf, dass der Schulterschluss der Außenminister zustande kommt. Aus dem Kreis der Organisatoren heißt es dazu: "Wir arbeiten daran."
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- Donnerstag, 23.08.2012 – 14:01 Uhr
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