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Beisetzung: Möllemanns Freunde weinen und klagen an

Tausende haben von Jürgen Möllemann Abschied genommen. Bei dessen Beerdigung in Münster erschien Schalke-Präsident Gerd Rehberg und Manager Rudi Assauer mit einer Vereinsfahne. Möllemanns früherer Parteifreund Wolfgang Kubicki richtete bittere Worte an die FDP-Spitze.

Kubicki: "Ich möchte deutlich machen, dass Jürgen Möllemann mehr für das Gemeinwesen und die FDP geleistet hat, als jene, die heute seine persönliche Integrität in Zweifel ziehen."
DPA

Kubicki: "Ich möchte deutlich machen, dass Jürgen Möllemann mehr für das Gemeinwesen und die FDP geleistet hat, als jene, die heute seine persönliche Integrität in Zweifel ziehen."

Münster - Neun Tage nach seinem tödlichen Fallschirmsprung haben sechs Kameraden seines Springerclubs den ehemaligen FDP-Spitzenpolitiker Jürgen Möllemann auf dem Münsteraner Zentralfriedhof zu Grabe getragen. Nach einer Trauerfeier folgten die Familie und enge Freunde aus Politik und Sport dem hellen, mit roten Rosen geschmückten Buchenholzsarg.

Auch der frühere Außenminister Hans-Dietrich Genscher, der als politischer Ziehvater Möllemanns gilt, und der FDP-Fraktionschef im Kieler Landtag, Wolfgang Kubicki, gaben dem verstorbenen 57-Jährigen die letzte Ehre. FDP-Vorsitzender Guido Westerwelle war wie andere hochrangige Parteifunktionäre auf Wunsch der Hinterbliebenen den Feierlichkeiten ferngeblieben. Die Witwe Carola Möllemann-Appelhoff und die drei Töchter wurden auf dem Weg zum Grab von Weinkrämpfen geschüttelt und mussten gestützt werden.

In der für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Trauerfeier kritisierten Redner den Umgang der FDP mit Möllemann. Kubicki, Möllemanns persönlicher Freund, richtete als Trauerredner unter Tränen Vorwürfe gegen die Parteispitze: "Ich möchte deutlich machen, dass Jürgen Möllemann mehr für das Gemeinwesen und die FDP geleistet hat, als jene, die heute seine persönliche Integrität in Zweifel ziehen."

Dem Sender Radio Schleswig-Holstein sagte Kubicki, er glaube inzwischen auch an einen Freitod seines Weggefährten. "Ob ich es will oder nicht, ich werde mich sehr schnell dem Gedanken annähern müssen, dass es sich nicht um einen Unfall, auch nicht um ein Fremdverschulden, sondern um einen Freitod handelt."

Auch der Präsident des Bundesligisten Schalke 04, Gerd Rehberg, kritisierte den Umgang mit dem Politiker. Er und Schalke-Manager Rudi Assauer hatten eine Vereinsfahne zum Sarg des Fußball-Fans mitgebracht. Möllemann gehörte von 1984 an dem Aufsichtsrat von Schalke an. Möllemann-Freund Uwe Tönningsen sagte: "Er war ein Freund, ein Mensch. Wir kannten ihn, wie man ihn nicht kannte." Ferner sprach der Vorsitzende von Möllemanns Fallschirmspringer-Verein der Familie sein Mitgefühl aus. Genscher äußerte sich auf dem Friedhof nicht.

Hans-Dietrich Genscher bei der Trauerfeier Möllemanns
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Hans-Dietrich Genscher bei der Trauerfeier Möllemanns

Zuvor hatten etwa 1500 Menschen am Freitagmorgen vor der Friedhofskapelle, in der der Sarg aufgebahrt war, Abschied von Möllemann genommen. Die Trauernden trugen sich in Kondolenzbücher ein. Viele legten Blumen nieder. Einige hundert Menschen verfolgten danach die Trauerreden, die über Lautsprecher aus der Kapelle übertragen wurden.

Möllemann war am Donnerstag vergangener Woche bei einem Fallschirmsprung aus 4000 Meter Höhe am Flugplatz Marl-Loemühle in Westfalen ums Leben gekommen. Die genaue Ursache des Unglücks ist noch unklar, doch spricht nach Angaben der Ermittler vieles für einen Selbstmord. Am Tag seines Todes hatten Staatsanwälte im In- und Ausland Wohn- und Geschäftsräume des früheren Bundeswirtschaftsministers und Vizekanzlers durchsucht.

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