Bekenntnis Merkel will sich am Abbau der Arbeitslosigkeit messen lassen

Die neue Kanzlerin Merkel erhebt den Abbau der Arbeitslosigkeit zur Schlüsselfrage für den Erfolg ihrer Regierung. Wie ihr Vorgänger Schröder will auch sie sich an dieser Frage messen lassen. Heute reist sie erstmal zu Antrittsbesuchen nach Paris und Brüssel.


Merkel (gestern Abend vor der ersten Kabinettssitzung): Zur Zufriedenheit gehört, dass wieder mehr Menschen Arbeit haben
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Merkel (gestern Abend vor der ersten Kabinettssitzung): Zur Zufriedenheit gehört, dass wieder mehr Menschen Arbeit haben

Berlin - Für die Zufriedenheit der Menschen in Deutschland sei es "ein ganz wichtiger Punkt", ob es der Regierung gelinge, "dass wir wieder mehr Menschen haben, die Arbeitsplätze haben", sagte Angela Merkel gestern in einem Interview mit dem ARD-Hauptstadtstudio. Von Bedeutung sei auch die Frage, ob es gelinge, "in Europa wieder an eine vordere Stelle zu kommen, wo wir heute an vielen Stellen nicht sind". Es gehe um "ein Stück Aufbruchsgeist".

In einem weiteren Interview mit dem ZDF wollte die CDU-Politikerin sich nicht auf konkrete Zahlen festlegen. "Aber ich weiß ganz genau, wenn die Situation sich nicht geändert hat binnen der vier Jahre, dann wird die Entscheidung über die Leistungskraft dieser Regierung von der Bevölkerung sehr eindeutig sein", sagte sie.

Auch ihr Vorgänger Gerhard Schröder hatte die Arbeit seiner rot-grünen Koalition am Abbau der Erwerbslosigkeit messen lassen wollen.

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Deutschland habe viele Probleme; ihre Wahl zur Bundeskanzlerin sei "ein Start in eine nicht ganz einfache Zeit", sagte Merkel weiter. Sie sei aber "wohlgemut und tatkräftig", betonte sie. "Ich habe Lust, mit der Arbeit zu beginnen, ich glaube, dass ich eine tolle Ministerriege habe, dass ich eine tolle Regierung habe". Sie sei überzeugt, dass Vizekanzler Franz Müntefering (SPD) "sehr klar mitziehen wird in die gleiche Richtung". Angesichts des in der Regierung herrschenden Geists sei sie zuversichtlich, "dass wir auch was schaffen können".

Ihre Sache wolle sie auch "aus der Dimension des Frauseins heraus" gut machen sagte sie mit Blick auf die Tatsache, dass sie Deutschlands erste Regierungschefin ist. Ihr Wahlergebnis bezeichnete Merkel als "prima Ergebnis und eine ganz solide Grundlage" für die Arbeit der Regierung. Aus den Reihen der Großen Koalition hatten ihr 51 Stimmen gefehlt.

Antrittsbesuche in Paris und Brüssel

Einen Tag nach ihrer Wahl reist Merkel heute zu ersten Antrittsbesuchen nach Paris und Brüssel. In der französischen Hauptstadt wird Merkel mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac zusammentreffen. Begleitet wird Merkel vom neuen Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD).

Nach ihrem ersten außenpolitischen Auftritt als Kanzlerin fliegt Merkel nach Brüssel weiter. Dort will sie unter anderem mit Nato-Generalsekretär Jaap de Hoop Scheffer, EU-Parlamentspräsident Josep Borrell und EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso sprechen. Schon übermorgen steht Merkels zweite Auslandsreise als Kanzlerin auf dem Programm. In London wird sie vom britischen Premier Tony Blair empfangen.



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