Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Belohnung im Kanzleramt: Merkel lässt engen Berater zum General befördern

Angela Merkel will ihren obersten Bundeswehrberater im Kanzleramt halten: Damit Oberst Erich Vad in Berlin bleibt, soll er nach Informationen des SPIEGEL zum General befördert werden. Die Kanzlerin belohnt damit offenbar auch seine Hilfe in der Kunduz-Affäre.

Merkel bei einem Bundeswehrbesuch: Ungewöhnliche Beförderung im Kanzleramt Zur Großansicht
AP

Merkel bei einem Bundeswehrbesuch: Ungewöhnliche Beförderung im Kanzleramt

Berlin - Es ist eine Halteprämie der besonderen Art: Auf besonderen Wunsch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) steht nach SPIEGEL-Informationen im Bundeskanzleramt eine außergewöhnliche Beförderung an. Oberst Erich Vad, der dort seit April 2007 die Abteilung für die Belange der Bundeswehr leitet und für den Bundessicherheitsrat zuständig ist, wird am 1. April zum General befördert.

Eigentlich sollte Vad das Verifikationszentrum der Bundeswehr in Geilenkirchen bei Aachen übernehmen und dort Abrüstungsverträge überwachen. Nach der Bundestagswahl sperrte sich aber Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegen die bereits schriftlich verfügte Versetzung und bat Vad, auf dem Posten in ihrer Nähe zu bleiben.

Offenbar hat Vad die Kanzlerin in der Kunduz-Affäre gut beraten. Bei dem schlimmsten Bombardement in der Geschichte der Bundeswehr waren im September 2009 im Norden Afghanistans bis zu 142 Menschen getötet oder verletzt worden. Um Vad im Kanzleramt zu halten, versprach Merkel ihm nach Informationen des SPIEGEL, dass er dort auch zum General befördert werde.

Der Vorgang ist ungewöhnlich: Zahlreiche Vorgänger Vads haben sich vergeblich um eine solche Beförderung auf der Position bemüht. Seit Bestehen der Bundeswehr hat nur SPD-Bundeskanzler Helmut Schmidt einen General auf dieser Planstelle durchgesetzt.

ore/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Illustration Tim O'Brien für den SPIEGEL

Heft 10/2010:
Die Euro-Lüge

"Ein Mitgliedstaat haftet nicht für die Verbindlichkeiten eines anderen Mitgliedstaats"

Inhaltsverzeichnis

Titelthema -: diskutieren Sie mit

Hier geht es zum E-Paper

Hier finden Sie Ihre Abo-Angebote und Prämien


Kunduz-Affäre: Die offenen Fragen
Welches Ziel hatte die Bombardierung?
AP
Das Bombardement nahe Kunduz galt offenbar mehreren Taliban-Kommandeuren. Der als geheim eingestufte Nato-Bericht über den Luftangriff kommt nach Informationen des SPIEGEL zu dem Ergebnis, Ziel der von Oberst Georg Klein befohlenen Bombardierung seien weniger die entführten Tanklaster als eine Gruppe von Taliban und ihre Anführer gewesen.

"Es ist schwer zu ergründen, warum der Fokus des PRT-Kommandeurs auf die Taliban in dem Zielgebiet gerichtet war und nicht allein auf die gestohlenen Tanklaster, die doch wohl die größte Bedrohung waren für die Sicherheit der PRT-Kräfte", zitiert der SPIEGEL den Bericht. PRT bezeichnet "Provincial Reconstruction Team", ein zivil-militärisches, regionales Wiederaufbau-Team.

Oberst Klein selbst schrieb demnach am 5. September an den Generalinspekteur, er habe die Tanklastwagen sowie die versammelten Aufständischen "vernichten" wollen. Bislang war von der Regierung vor allem die Sicherheit der Soldaten des nahegelegenen Feldlagers als Grund für den Abwurf zweier Bomben genannt worden.

Was wussten Kanzleramt und Kanzlerin?
DDP
Die Opposition verlangt Aufklärung von Kanzlerin Merkel, ob das Kanzleramt eine neue Strategie in Afghanistan mitgetragen hat. Zudem steht als Frage im Raum, ob die Informationen aus dem Nato-Bericht und die Notizen Kleins auch dem für das Verteidigungsministerium zuständigen Fachreferat im Kanzleramt und der Kanzlerin selbst bekannt waren. Merkels Sprecher Ulrich Wilhelm erklärte am Montag, die Bundesregierung werde auf die Rolle des Kanzleramts erst im Untersuchungsausschuss eingehen. "Dann wird sich das gesamte Bild ergeben, in welcher Weise im Kanzleramt diese Frage begleitet wurde und auch welche Informationen es zu welchem Zeitpunkt gab." Wilhelm wies den Vorwurf zurück, dass die Bundeswehr gegen das Mandat des Bundestages verstoßen habe.
Was wusste Minister Guttenberg?
REUTERS
Die Opposition wirft Guttenberg vor, er habe den Nato-Bericht gekannt, von einer gezielten Bombardierung der Menschen dort aber nichts erwähnt. SPD, Linke und Grüne sprechen deshalb von Verschleierung oder gar bewusster Täuschung und Lüge. Guttenberg bezeichnete kurz nach Amtsantritt am 6. November den Angriff in Kenntnis des Berichts als "militärisch angemessen". Diese Aussage nahm er später zurück. Die Kehrtwende begründete er damit, dass ihm Berichte vorenthalten worden seien.

Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan und Staatssekretär Peter Wichert mussten deswegen abtreten. Schneiderhan widersprach dem jetzt: Alle wesentlichen Informationen zum Bombardement seien im Nato-Bericht verarbeitet worden. Dieser habe Guttenberg zu Amtsantritt vorgelegen, ebenso ein Bericht des Internationalen Roten Kreuzes. Er und Wichert hätten Guttenberg dann am 25. November auf Nachfrage noch auf vier weitere Berichte hingewiesen. Guttenberg bleibt dabei, dass ihm relevante Dokumente vorenthalten worden seien.


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: