Berliner Großflughafen Ramsauer legt sich auf Eröffnungstermin nicht fest

"Wir arbeiten fleißig am Happy End": Verkehrsminister Peter Ramsauer sieht die Eröffnung des Berliner Flughafens BER als unendliche Geschichte. Auf einen Eröffnungstermin legt er sich nicht fest. Einem Zeitungsbericht zufolge steigen die Kosten des Großprojekts um weitere Millionenbeträge.

Verwaister Großflughafen: Ein Tourist fotografiert  die leeren BER-Terminals
TMN

Verwaister Großflughafen: Ein Tourist fotografiert die leeren BER-Terminals


Berlin - Die Sommerhitze veranlasst sogar Berufspolitiker zu lockeren Sprüchen, selbst wenn die Lage ernst ist: "Ach Gott, das ist für viele Menschen eine unendliche Geschichte", sagte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) über die Misere des Berliner Großflughafens BER in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS): "Wir arbeiten aber fleißig am Happy End." Auf die Frage, ob denn nicht selbst die endloseste Geschichte irgendwann abgeschlossen werden könne, meinte Ramsauer vage: "Irgendwann wird sie enden."

Ramsauer legt sich also demonstrativ nicht fest. Das muss man angesichts einer Meldung des Magazins "Focus" wahrscheinlich als puren Pragmatismus verstehen, denn das Blatt berichtet in seiner am Montag erscheinenden Ausgabe, dass die Kosten des Flughafens noch einmal kräftig in die Höhe schießen. Vor der Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft am 16. August kursierten im höchsten BER-Gremium angeblich neue Zahlen über bis zu 400 Millionen Euro Mehrkosten, so der "Focus". Die Gründe? Der unerwartet teurere Schallschutz, weitere Baurisiken - und der verlängerte Betrieb des Flughafens Berlin-Tegel.

Falls die Angaben korrekt sind, würden die Gesamtkosten von 4,3 auf 4,7 Milliarden Euro steigen. Ursprünglich waren 2,4 Milliarden veranschlagt worden. Doch dann wurde die Eröffnung des Großflughafens wegen gravierender Baumängel, vor allem im Brandschutzbereich, mehrfach verschoben. Laut "Focus" gehen Experten je nach Fortschritt der Bauarbeiten von einem Eröffnungstermin im Frühjahr oder im Herbst 2015 aus.

Ramsauer bemüht sich indes um Schönwetter: Ausdrücklich lobte er den umstrittenen neuen Flughafenchef Hartmut Mehdorn. Er sei "der richtige Mann für die Probleme des BER", so der Minister in der "FAS". Gebraucht werde nämlich jemand mit technischen Kenntnissen und Erfahrungen im Management, "der keine Angst hat, keine Rücksicht zu nehmen braucht und zu alledem ein harter Hund ist". Es sei zwar manchmal etwas mühsam, "immer wieder auf Mehdorns neue Vorschläge zu reagieren", sagte Ramsauer. "Aber einer, der sprudelt vor Ideen, ist mir allemal lieber, als wenn ich jemanden da sitzen habe, dem nichts einfällt."

Abgesehen davon müsse Mehdorn Sozial- und Führungskompetenz besitzen und eine "patriotische Gesinnung" mitbringen. Der Flughafen habe schließlich eine patriotische Komponente, so Ramsauer: "Das ist der Hauptstadtflughafen."

bor/AFP

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insgesamt 30 Beiträge
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zwietracht 03.08.2013
1. Deutscher Filz
Welches Stück wird hier tatsächlich gespielt: Die drei großen Player in der Deutschen Luftfahrt - Fraport, MUC und Lufthansa - haben kein Interesse mit BER einen weiteren Großflughafen zu etablieren der die ausländische Konkurrenz auf dem deutschen Markt stärkt. (z.B. Emirates u.a.) Deshalb können nur sehr naive Naturen wirklich glauben, dass die unglaublichen Verzögerungen und Schlampereien alle nur aus Unfähigkeit passiert sein sollen. Da wird wohl ein gutes Stück Sabotage mit im Spiel sein. Aber dafür bräuchte man auch Beweise, kommt Zeit, kommt Rat.
schlimmer1 03.08.2013
2. Lehren aus dem Debakel
1. Nie wieder dürfen Politiker bei Großprojekten den Vorsitz im Aufsichtsrat innehaben. 2. Die Bauausführung und -überwachung muss bei solchen Großprojekten durch einen Generalunternehmer erfolgen. Es gibt sogar Eigenheimbauer, die in diesem Punkt vernünftiger sind als unsere Politik...
unifersahlscheni 03.08.2013
3. Ramsaueer ist verantwortlich...?
Nicht Wowereit mit Berlin und Brandenburg...? Warum?
OstWest1 03.08.2013
4. Der Fisch beginnt vom Kopf her zu stinken
Wann endlich rollen von oben her die Köpfe. Diese Versager, die den Karren in den Dreck gefahren haben, sind immer noch in Amt und Würden und lallen von einer Party zur nächsten.
dickebank 03.08.2013
5. FH Hamm-Lippstadt
Zitat von schlimmer11. Nie wieder dürfen Politiker bei Großprojekten den Vorsitz im Aufsichtsrat innehaben. 2. Die Bauausführung und -überwachung muss bei solchen Großprojekten durch einen Generalunternehmer erfolgen. Es gibt sogar Eigenheimbauer, die in diesem Punkt vernünftiger sind als unsere Politik...
ja welche Vorteile es hat ein Privatunternehmen als Generalunternehmer einzusetzen, kann man am Standort Lippstadt der HSHL sehen. Oder schauen Sie sich das zu erwartende Gerangel bei TKS an. investitionen, die in der Privatwirtschaft in den teich gesetzt werden llassen sich klammheimlich zu Lasten der Gemeinschaft der Steuerzahler abschreiben. - Und da fallen mir eine Reihe netter Bsp. ein.
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