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Bericht über Vertuschung: Sylt-Reise bringt Wulff in Erklärungsnot

Ließen sich Christian Wulff und Gattin Bettina in ein Luxushotel auf Sylt einladen? Laut "Bild"-Zeitung soll ein Unternehmer dem Paar 2007 eine Suite bezahlt haben - und dann versucht haben, alles zu vertuschen. Der Unternehmer dementiert; Wulffs Anwalt teilt mit, sein Mandant habe die Kosten bar erstattet.

Bundespräsident Christian Wulff: Er ließ sich angeblich Sylt-Reise bezahlen Zur Großansicht
dapd

Bundespräsident Christian Wulff: Er ließ sich angeblich Sylt-Reise bezahlen

Berlin - Neue Ungereimtheiten bei Bundespräsident Christian Wulff: Er soll sich 2007 als niedersächsischer Ministerpräsident ein weiteres Mal von Filmunternehmer David Groenewold den Aufenthalt in dem Hotel Stadt Hamburg auf Sylt buchen und bezahlen lassen haben. Das berichtet die "Bild"-Zeitung.

Der Film-Finanzier war bereits in der Affäre des Bundespräsidenten in die Schlagzeilen geraten, weil er ein Upgrade für eine Suite für Wulff im Bayerischen Hof in München gezahlt hatte.

"Falls also Bild oder SPIEGEL anruft, wir wissen von nichts!"

Groenewold soll vor knapp drei Wochen versucht haben, alle existierenden Unterlagen über den Aufenthalt in Westerland an sich zu bringen, wie die "Bild"-Zeitung weiter schreibt. Am 16. Januar 2012, gut einen Monat nach dem ersten Bericht über die Wulff-Affären, habe Groenewold demnach in dem Luxushotel angerufen und die Angestellten zu Stillschweigen über den Vorgang verpflichtet.

Groenewolds Anwalt teilte am Mittwoch mit, der Verdacht der Vertuschung entbehre jeder Grundlage. Das Hotel sei nie darum gebeten worden, Unterlagen zu vernichten oder zu manipulieren. Die "Bild"-Zeitung zitiere falsch, man werde rechtlich gegen sie vorgehen und eine Beschwerde beim Presserat über die Recherchemethoden einreichen.

Die "Bild"-Zeitung zitiert aus der internen Aufgabenliste für Mitarbeiter vom 17. Januar: "Hr. David Groenewold hat gestern angerufen, wir sollen keinerlei Infos über ihn rausgeben! Er war 2007 mit Hr. Wulff im HSH und hat den gesamten Aufenthalt übernommen. Falls also Bild oder SPIEGEL anruft, wir wissen von nichts!"

Am 19./20. Januar 2012 soll Groenewold laut "Bild"-Zeitung persönlich im Hotel erschienen sein. Er habe Mitarbeiter des Hotels aufgefordert, ihm alle relevanten Rechnungen und Belege auszuhändigen - mit Erfolg. Er habe die Anreiselisten, Meldescheine und Verzehrquittungen mitnehmen können, wie das Blatt berichtet.

Wulffs Anwalt: Kosten nur verauslagt

Wulff übernachtete nach Informationen der Zeitung mit seiner Ehefrau Bettina vom 31. Oktober bis zum 3. November 2007 auf Sylt. Der Preis der Suite betrug pro Nacht 258 Euro inklusive Frühstück. Gebucht und bezahlt habe den Wulff-Aufenthalt Groenewold.

Wulffs Anwalt Gernot Lehr sagte auf Anfrage der "Bild"-Zeitung: "Die Organisation des Aufenthalts erfolgte durch Herrn Groenewold. Herr Groenewold hatte die Hotelkosten verauslagt. Herr Wulff erstattete Herrn Groenewold die verauslagten Kosten des Aufenthalts in den Räumlichkeiten des Hotels Stadt Hamburg." Die Zahlung sei "in bar" erfolgt.

Groenewolds Anwälte legen einem Informationsschreiben an die Presse eine Kopie eines Briefs des Hotels an Groenewold vom 7. Februar 2012 bei. Darin bestätigt das Hotel, Groenewold habe nicht darum gebeten, Unterlagen zu vernichten. Das Hotel schreibt aber auch, Groenwold habe um die Übersendung von Rechnungskopien gebeten, was das Hotel abgelehnt habe. Groenewold habe um vertrauliche Behandlung des Vorfalls gebeten, was im Hotel kommuniziert worden sei. Am 19. Januar sei der Unternehmer persönlich angereist, so das Hotel, und habe eine Kopie der Rechnung erhalten.

Scharfe Kritik von SPD und Grünen

Die jüngsten Vorwürfe um den Groenewold sind "ein Fall für die Staatsanwaltschaft", sagte SPD-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann am Mittwoch in Berlin. Der Filmunternehmer habe den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten Wulff offenbar "gefällig gefördert", um die Filmwirtschaft in Niedersachsen voranzubringen. Die Vorwürfe beschädigten das Amt des Bundespräsidenten weiter, so Oppermann.

Auch die Grünen-Vorsitzende Claudia Roth kritisierte Wulff scharf. Dem Sender N24 sagte sie: "Wir haben offensichtlich einen Bundespräsidenten, der eine Handkasse dabei hat. Erst lässt er sich einladen, und dann zahlt er aber in bar." Sie ergänzte: "Es ist eigentlich richtig furchtbar. Es ist eine Schnäppchenjägermentalität." Sie habe "erhebliche Zweifel", dass Wulff es mit der Gesetzestreue "besonders ernst nimmt".

heb/dpa/dapd

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1. Das ist nun bei uns Sitte
gglasl 08.02.2012
Zitat von sysopLießen sich Christian Wulff und Gattin Bettina in ein Luxushotel auf Sylt einladen? Laut "Bild" soll ein Unternehmer dem Paar 2007 eine Suite mit Frühstück bezahlt haben - und dann versucht haben, alles zu vertuschen. Nach Angaben von Wulffs Anwalt hat sein Mandant die Kosten erstattet. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,813975,00.html
heißt es ja schon in der Fledermaus. Jedem nach seinem Geschmack. Für einen Ministerpräsidenten oder Bundespräsidenten eher geschmacklos, meine ich.
2.
aprilapril 08.02.2012
Zitat von sysopLießen sich Christian Wulff und Gattin Bettina in ein Luxushotel auf Sylt einladen? Laut "Bild" soll ein Unternehmer dem Paar 2007 eine Suite mit Frühstück bezahlt haben - und dann versucht haben, alles zu vertuschen. Nach Angaben von Wulffs Anwalt hat sein Mandant die Kosten erstattet. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,813975,00.html
Ob erstattet oder nicht erstattet - und dann natürlich in bar. Wulff war käuflich, das steht für mich nach den Interventionen seines Film-Freundes fest. Wann werden wir diesen Schmarotzer endlich los?
3. nur ausgelegt?
chinataxi 08.02.2012
Zitat von sysopLießen sich Christian Wulff und Gattin Bettina in ein Luxushotel auf Sylt einladen? Laut "Bild" soll ein Unternehmer dem Paar 2007 eine Suite mit Frühstück bezahlt haben - und dann versucht haben, alles zu vertuschen. Nach Angaben von Wulffs Anwalt hat sein Mandant die Kosten erstattet. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,813975,00.html
der Unternehmer hat also kosten ausgelegt? Wen will de Anwalt eigentlich verarschen? Hatte wulff kein Geld, keine bankkarte, keine Kreditkarte dabei um sich das selbst zu zahlen? Schnorren mit System. In anderen Ländern nennt man das Korruption.
4. Bobbycargate - die nächste
Palmstroem 08.02.2012
Zitat von sysopLießen sich Christian Wulff und Gattin Bettina in ein Luxushotel auf Sylt einladen? Laut "Bild" soll ein Unternehmer dem Paar 2007 eine Suite mit Frühstück bezahlt haben - und dann versucht haben, alles zu vertuschen. Nach Angaben von Wulffs Anwalt hat sein Mandant die Kosten erstattet. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,813975,00.html
Schon daß BILD kolportiert, ein 258 Euro-Doppelzimmer wäre eine Luxussuite in einem Luxusurlaub zeigt die Stimmungsmache. Für 258 Euro kann man im November zwar auf Sylt günstig Urlaub machen, aber Luxus ist das nicht!
5. Interventionen
blackouttotal 08.02.2012
Hat den der gute Herr Groenewold nichts gelernt, was persönliche Interventionen in Fall Wulff bringen ?? Aber es wird ja bei den von ihm "sichergestellten" Formularen etc. sicherlich auch eine Quittung uber die Barbezahlung geben. Könnte man ja sonst als Geldwäsche verstehen. Naja, die Transparenz wirds ans Tageslicht bringen.
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