Bericht zu Kunduz-Affäre Koalition entlastet Guttenberg

Der Luftangriff auf zwei Tanklaster war fatal, die anschließende Informationsarbeit des Verteidigungsministeriums desaströs. In ihrer Bewertung bescheinigen Union und FDP dem ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg nun aber fehlerfreies Verhalten - verantwortlich seien andere.

Ex-Minister Guttenberg (bei seinem Zapfenstreich): Fehlerfreies Verhalten
DPA

Ex-Minister Guttenberg (bei seinem Zapfenstreich): Fehlerfreies Verhalten


Berlin - In ihrer abschließenden Bewertung der Kunduz-Affäre hat die Koalition den früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) einem Zeitungsbericht zufolge entlastet. Für die Informationspannen nach dem Bombardement zweier von Taliban entführten Tanklaster mit zahlreichen Toten machten Union und FDP ausschließlich den damaligen Staatssekretär Peter Wichert und den früheren Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan verantwortlich, berichtete die "Süddeutsche Zeitung". Guttenberg hatte die beiden im Zuge der Affäre entlassen. Dem ehemaligen Minister bescheinigte die Koalition dem Bericht zufolge ein fehlerfreies Verhalten.

Dem Bundeswehr- Oberst Georg Klein, der das Bombardement befohlen hatte, werden demnach lediglich Verfahrensfehler angelastet. Er habe aber "nach bestem Wissen und Gewissen zum Schutze seiner Soldaten gehandelt", weshalb seine Entscheidung "nachvollziehbar" sei.

Guttenberg hatte eine Woche nach seinem Amtsantritt Ende Oktober 2009 die Bombardierung als nicht nur militärisch angemessen, sondern auch als unvermeidlich bewertet. Dabei habe er sich auf die unzureichende und in Teilen bewusst irreführende Unterrichtung durch Schneiderhan und Wichert verlassen, stellen Union und FDP dem Bericht zufolge fest. Erst nach Auftauchen weiterer Dokumente Ende November, die ihm bis dahin von Wichert und Schneiderhan vorenthalten worden seien, habe sich Guttenberg das volle Ausmaß des Bombardements und seiner Umstände erschlossen.

Mit ihrem Fazit folgt die Koalition den Einlassungen Guttenbergs im Ausschuss - und nicht den gegenläufigen Darstellungen durch Wichert und Schneiderhan. Beide seien von Guttenberg zu Recht entlassen worden, heißt es laut "Süddeutscher Zeitung" in dem Bericht. Die Opposition will der Zeitung zufolge ihr Votum zur Kunduz-Affäre im August vorstellen.

Die Bewertung der Koalition erfolgt nach eineinhalbjähriger parlamentarischer Untersuchung des Luftangriffs und der anschließenden politischen Aufarbeitung. Bei dem Bombardement waren am 4. September 2009 nach den Erkenntnissen der Bundeswehr 91 Menschen getötet und 11 verletzt worden. Die Nato geht in ihrem Untersuchungsbericht von mindestens 142 Toten oder Verletzten aus.

Anfang 2010 konstituierte sich der Verteidigungsausschuss als Untersuchungsausschuss. Neben Guttenberg, Schneiderhan und Wichert sagten auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier vor dem Gremium aus.

wit/dpa/dapd/AFP



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si_tacuisses 02.07.2011
1. Vielleicht wird hier die
Zitat von sysopDer Luftangriff auf zwei Tanklaster war fatal, die anschließende Informationsarbeit des Verteidigungsministeriums desaströs. In ihrer Bewertung bescheinigen Union und FDP dem ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg*nun aber*fehlerfreies Verhalten - verantwortlich seien andere. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,771983,00.html
Hintertür die völlige Rehabilitation eines üblen Betrügers eingeleitet ? Schwiegermama´s Liebling als Retter der ach so christlichen ??
genugistgenug 02.07.2011
2. klar SCHULD haben in diesen Kreisen immer die anderen
Zitat von sysopDer Luftangriff auf zwei Tanklaster war fatal, die anschließende Informationsarbeit des Verteidigungsministeriums desaströs. In ihrer Bewertung bescheinigen Union und FDP dem ehemaligen Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg*nun aber*fehlerfreies Verhalten - verantwortlich seien andere. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,771983,00.html
klar SCHULD haben in diesen Kreisen immer die anderen - Guttenberg hat wie jeder Chef die volle Verantwortung für ALLES - obwohl Chef ist er nicht und wird es nie sein. Das ist der erste Persilschein für den Neustart in der Politik - bald kriegt er sicher auch einen Orden für seine Verdienste für die Bundeswehr, usw.
ddkddk 02.07.2011
3. Schwierige Entscheidungen
Wir müssen uns einfach entscheiden, ob wir Wichert und Schneiderhan glauben, die noch nie durch Lügen aufgefallen sind, oder dem einschlägig überführten Lügner Guttenberg. Ferner müssen wir entscheiden, ob wir dem überführten Lügner Klein folgen sollen, dass er lediglich zum Schutze seiner Soldaten gehandelt hat, die zu dem Zeitpunkt des Bombardement in keiner Weise schutzbedürftig waren.
Wh0 C4r3s 02.07.2011
4. -
Warum wird eigentlich nur auf Guttenberg rumgehackt? Zum Zeitpunkt der Bombardierung war er ja noch nicht einmal Minister.
larkmiller 02.07.2011
5. So blöd kann das deutsche Wahlvolk nicht sein.
Zitat von ddkddkWir müssen uns einfach entscheiden, ob wir Wichert und Schneiderhan glauben, die noch nie durch Lügen aufgefallen sind, oder dem einschlägig überführten Lügner Guttenberg. Ferner müssen wir entscheiden, ob wir dem überführten Lügner Klein folgen sollen, dass er lediglich zum Schutze seiner Soldaten gehandelt hat, die zu dem Zeitpunkt des Bombardement in keiner Weise schutzbedürftig waren.
Ich denke, das ist der springende Punkt. Guttenberg hat sich mMn für sein restliches Leben als Politiker disqualifiziert.
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