Anschlag in Berlin Anis Amri in Mailand erschossen

Der Terrorverdächtige Anis Amri, der in Berlin zwölf Menschen getötet haben soll, ist in Mailand erschossen worden. Generalbundesanwalt Frank bestätigte eine entsprechende Erklärung des italienischen Innenministers.



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Der mutmaßliche Berliner Attentäter Anis Amri ist in Mailand am Freitag erschossen worden. Generalbundesanwalt Peter Frank bestätigte in Karlsruhe eine entsprechende Erklärung des italienischen Innenministers Marco Minniti.

Amri sei um etwa drei Uhr morgens bei einer normalen Kontrolle einer verdächtigen Person auf dem Platz des 1. Mai im Stadtteil Sesto San Giovanni im Norden von Mailand aufgefallen, hatte Minniti berichtet.

Beamte forderten ihn auf, seinen Ausweis zu zeigen. Minniti zufolge soll er sofort eine Pistole Kaliber .22 gezogen und auf zwei Polizisten geschossen haben. Die Polizisten erwiderten das Feuer und trafen Amri tödlich. Einer der Polizisten wurde verletzt. Geschossen hatte nach Informationen von "La Stampa" sein Kollege, ein 29-jähriger Polizist in der Probezeit.

Die erschossene Person wurde zweifelsfrei als Anis Amri identifiziert, der mutmaßliche Attentäter von Berlin, sagte der italienische Innenminister weiter. Es bestehe "nicht der Schatten eines Zweifels" an der Identität des Getöteten. Nach dem Verdächtigen war seit Mittwoch europaweit gefahndet worden. Der verletzte Polizist wird derzeit in Monza behandelt. Anwohner berichteten, sie hätten mehrere Schüsse gehört, aus dem Fenster geschaut und einen Mann am Boden liegen sehen.

Auf Amri seien zwei Schüsse abgegeben worden, einer habe den Brustkorb getroffen und sei tödlich gewesen, sagte der Mailänder Polizeipräsident Antonio de Iesu bei einer Pressekonferenz. Amri sei "höchst gefährlich" gewesen und hätte vermutlich erneut zugeschlagen. Die beiden jungen Polizisten hätten sich vorbildlich verhalten und seien mutig gewesen. Sie hätten ihn kontrolliert, weil er ihnen auffällig vorgekommen sei.

Der Polizeipräsident wies Berichte zurück, wonach Amri "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen haben soll. Davon wisse er nichts, sagte de Iesu. Aber Amri habe die Polizisten als "Bastarde" beschimpft.

"Il Giornale" twitterte ein Bild vom Ort, wo Amri erschossen worden sein soll:

Die italienischen Behörden identifizierten den Toten anhand der Fingerabdrücke, die in Italien von Amri gespeichert waren. Derzeit läuft nach Informationen von SPIEGEL ONLINE noch der Abgleich mit den Fingerabdrücken, die am Lkw in Berlin festgestellt wurden. Sie sind in der europaweiten Datenbank Eurodac hinterlegt. Auch wird überprüft, ob Amri mit der gleichen Waffe auf die Polizisten schoss, mit der auch der polnische Lkw-Fahrer erschossen worden war. Laut italienischen Medien sind die Pistolen identisch.

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Berlin-Attentäter erschossen: Die Nacht von Mailand

Nach dem Tod von Amri in Italien konzentrierten sich die Ermittlungen der deutschen Sicherheitsbehörden nun auf ein mögliches Helfernetzwerk des Tunesiers, sagte Generalbundesanwalt Frank. Allerdings liefen die Ermittlungen "derzeit nur gegen Unbekannt weiter". Unter anderem gelte es herauszufinden, ob Amri von Unterstützern Geldmittel oder Fluchthilfe erhielt. Für die Bundesanwaltschaft sei "vor allem auch von Interesse, ob die Waffe, die bei Anis Amri in Mailand gefunden wurde, die Tatwaffe von Berlin ist".

Ermittlungen gehen weiter

Dem Mailänder Antiterrorchef Alberto Nobili zufolge war der Terrorverdächtige mit dem Zug nach Italien gekommen. Amri sei aus Frankreich, aus Chambéry in Savoien, nach Turin gekommen. Von der italienischen Region Piemont sei er wiederum mit dem Zug nach Mailand gefahren, wo er gegen 1 Uhr in der Nacht zum Freitag angekommen sei. Wenige Stunden später sei er dann den zwei Polizisten begegnet, die ihn bei einem Schusswechsel töteten.

Auf Amris Spur waren die deutschen Ermittler gekommen, als sie im Lastwagen seine Duldungspapiere fanden. Das geschah aber erst am Dienstag, weil die Fahrerkabine zunächst versiegelt worden war.

Amri, der bei dem Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt am Montag zwölf Menschen getötet haben soll, hatte in der Vergangenheit mehrere Jahre in Italien gelebt. 2011 war er von Tunesien nach Italien gelangt, vier Jahre später reiste er nach Deutschland ein.

vks/cht/dpa/AFP



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