Schloss Bellevue Gauck lädt Angehörige der Berliner Anschlagsopfer ein

Viel wurde diskutiert, ob Deutschland der Opfer des Anschlags von Berlin angemessen gedenkt. Nun lädt Bundespräsident Gauck die nächsten Angehörigen der zwölf Toten ins Schloss Bellevue ein.

Bundespräsident Joachim Gauck mit Lebensgefährtin Daniela Schadt im Schloss Bellevue
DPA

Bundespräsident Joachim Gauck mit Lebensgefährtin Daniela Schadt im Schloss Bellevue

Von


Bundespräsident Joachim Gauck reagiert auf die anhaltende Kritik am staatlichen Gedenken für die Opfer des Anschlags in Berlin mit einer eigenen Geste. Das Staatsoberhaupt hat die nächsten Angehörigen der zwölf Toten in seinen Amtssitz eingeladen. "Das Treffen im Schloss Bellevue soll nicht öffentlich und vertraulich stattfinden. Ein Termin ist für die kommenden Wochen geplant", sagte eine Sprecherin des Bundespräsidialamtes SPIEGEL ONLINE.

Gauck wolle den Angehörigen damit zeigen, dass man nach dem Anschlag zusammenstehe, er wolle ihnen "Halt geben", hieß es weiter. Es seien sowohl die nächsten Angehörigen der Opfer aus Deutschland sowie aus dem Ausland vom Bundespräsidenten angeschrieben und eingeladen worden, so die Sprecherin.

Bei dem Anschlag durch einen islamistischen Täter waren am 19. Dezember auf dem Breitscheidplatz zwölf Personen getötet worden - sieben Deutsche sowie Menschen mit tschechischer, ukrainischer, italienischer, israelischer sowie polnischer Staatsangehörigkeit. Rund 50 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt.

Gaucks Einladung ist auch eine Reaktion auf die Debatte, die zu Beginn des Jahres in Medien und in der Öffentlichkeit eingesetzt hatte. Sie kreist darum, ob den Opfern und ihren Angehörigen angemessen gedacht worden ist. Kurz nach dem Anschlag hatte es symbolische Gesten von allen Repräsentanten des Staates in Berlin gegeben, unter anderem auch durch einen Gottesdienst.

Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) hatte dennoch vergangene Woche zu einer Gedenkveranstaltung in den Bundestag eingeladen und eine Rede gehalten. Daran hatten neben dem Bundeskabinett auch Bundespräsident Gauck, seine Lebensgefährtin und diplomatische Vertreter aus den Staaten der Opfer teilgenommen.

Neben der Frage einer angemessenen symbolischen Würdigung durch den Staat werden seit dem Anschlag auch verstärkt materielle Entschädigungen für die Angehörigen der Toten und die verletzten Opfer in der Öffentlichkeit diskutiert. Im Rechtsausschuss des Bundestags wurde vergangene Woche von den Grünen eine Reform des Opferentschädigungsgesetzes (OEG) angemahnt.

Der Opferbeauftragte des Landes Berlin, Roland Weber, forderte im Interview mit SPIEGEL ONLINE eine Änderung des Gesetzes, um eine klare Rechtsposition für die Geschädigten des Anschlags von Berlin zu schaffen. "Ich möchte nicht, dass diese Opfer als Opfer zweiter Klasse behandelt werden", so der Jurist.

insgesamt 13 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
diplen1 21.01.2017
1. Zustimmung
Ich denke das war ein richtiger und kluger Schachzug, den Herr Gauck hier gemacht hat. Mein Respekt und vollste Zuzstimmung.
syssifus 21.01.2017
2. Stimmt so
Klug - ja stimmt,aber wenn ich mich richtig erinnere,es hat es dazu etwas Zuspruch gebraucht. Etwas eher,wär auch nicht schlecht gewesen.
jeby 21.01.2017
3.
Zu spät! Ich denke das wird jetzt nur gemacht, weil der Druck zu hoch wurde. Ich vermute das Interview in der BILD mit einem der Hinterbliebenen, eine Tochter, die beide Eltern verloren hat, hat wohl dieses Umdenken erzwungen. Es war wirklich schockierend zu lesen, wie sie behandelt wurde.
ekel-alfred 21.01.2017
4. Und was soll das bringen?
Von einem warmen Händedruck und noch wärmerer Worte bekommen die Angehörigen ihre Liebsten nicht zurück. Die Politik hat die Scheixxe verzapft und die Angehörigen dürfen sich zum Dank mal das Schlößchen von innen ansehen. Nein, Danke!
politalknow 21.01.2017
5. Nur ein kleiner Schritt
Mir geht es um die Verletzten mindestens so wie um die Getöteten. Denn deren Leiden gehen vermutlich bis an ihr Lebensende. Jedoch wäre noch wichtiger gewesen wenn unsere Kanzlerin die Schwerverletzten im Krankenhaus besucht hätte. Das hätte eine sehr positive Signalwirkung gehabt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.