Judenhass in Berlin Antisemit pöbelt vor israelischem Lokal

Ein Nachmittag in Berlin-Schöneberg: Der Israeli Yorai Feinberg steht vor seinem Restaurant, als ein Mann auf ihn losgeht und antisemitisch beschimpft. Eine Kamera hält die Szene fest, die Polizei ermittelt.

Brandenburger Tor mit projizierter israelischer Flagge
AFP

Brandenburger Tor mit projizierter israelischer Flagge


Als Israeli in Berlin hat sich Yorai Feinberg nach fünf Jahren an vieles gewöhnt. An antisemitische Beschimpfungen am Telefon, an antiisraelische Demonstrationen, sogar daran, dass eines Tages eine Papiertüte mit einem großen Haufen Kot vor dem Eingang seines israelischen Restaurants Feinberg's im Stadtteil Schöneberg lag.

Doch so etwas wie am Dienstagnachmittag hat der 36-Jährige in Berlin noch nie erlebt: Feinberg stand mit einer Freundin vor seinem Restaurant, als sich ein Mann näherte. "Der Typ sah die Menora in meinem Schaufenster und hat plötzlich angefangen loszubrüllen", berichtet Feinberg am Tag danach dem SPIEGEL. Zuerst beschimpfte er das Paar vor dem Restaurant als verrückt, dann fing er an, davon zu erzählen, dass die Juden in die Gaskammern gehörten.

In diesem Moment entschied sich Feinbergs Freundin dazu, die Szene zu filmen. Ein Freund der beiden veröffentlichte das Video am Mittwoch bei Facebook. Dort haben es inzwischen Zehntausende gesehen, ehe das Material nach Angaben des Freundes von Facebook entfernt und dessen Profil für 24 Stunden gesperrt wurde.

Hass vor laufender Kamera

Der sechsminütige Clip zeigt einen deutschen Mann, der keine Scheu hat, seinen Judenhass mitten in Berlin vor laufender Kamera zur Schau zu stellen. Und der Film zeigt auch, dass Antisemitismus kein importiertes Phänomen ist, das nur noch unter Muslimen in Deutschland virulent ist. Der Mann bezeichnete Juden unter anderem als Mörder, die weder nach Palästina - Israel erwähnt er erst gar nicht - noch nach Deutschland gehörten, und sagte schließlich: "Was macht ihr eigentlich nach 1945 noch hier? Haben die Gaskammern nicht gereicht?"

Gerade als der Mann den beiden indirekt mit dem Tode drohte und prophezeite, dass niemand die Juden in Deutschland schützen werde, fuhr zufällig eine Polizeistreife vorbei. Feinberg hielt die Beamten an, diese baten seine Begleiterin, die Aufnahme zu stoppen. Was dann passierte, schildert Feinberg so: "Der Mann hat auch vor den Polizisten nicht aufgehört, uns antisemitisch zu beschimpfen. 'Die Juden lügen', hat er gerufen."

Die Beamten nahmen den Mann vorläufig fest. Sie legten ihm Handschellen an, weil er so aggressiv war. Auf der Polizeiwache habe er erfolglos versucht, sich einer Blutentnahme zu entziehen, sagt eine Polizeisprecherin dem SPIEGEL. Das Ergebnis des Bluttests liegt noch nicht vor. Feinberg glaubt nicht, dass der Mann betrunken war oder unter Drogen stand. "Das war ein ganz normaler, gut gekleideter Mann, der Markenklamotten trug. Er roch auch nicht nach Alkohol."

Die Polizei hat nach Angaben der Sprecherin gegen den Mann Ermittlungen wegen Volksverhetzung und Widerstands gegen Polizeibeamte aufgenommen. Bislang ist nicht abschließend geklärt, ob der Mann bereits polizeibekannt ist.

Am Donnerstag will Israels Botschafter Jeremy Issacharoff Feinbergs Restaurant besuchen.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hieß es, der Freund der Opfer habe sich nach Veröffentlichung des Videos auf Facebook dazu entschlossen, das Video nicht mehr öffentlich zu zeigen. Seinen Angaben zufolge wurde der Inhalt hingegen von Facebook gelöscht. Die Angaben wurden entsprechend ergänzt.

anr/syd

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