Berliner Entführungsfall Trinh Vietnam verweigert deutscher Anwältin die Einreise

In wenigen Tagen beginnt in Vietnam der Prozess gegen den aus Berlin verschleppten Geschäftsmann. Seine deutsche Anwältin wollte ihn dabei unterstützen - doch die Behörden lassen sie nicht ins Land.

Verschleppter Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh (im vietnamesischen Fernsehen)
AFP

Verschleppter Geschäftsmann Trinh Xuan Thanh (im vietnamesischen Fernsehen)

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Zunächst wurde ihr am Flughafen von Hanoi der Pass abgenommen, dann ein Formular ausgehändigt - ins Land aber durfte Petra Schlagenhauf nicht: Die Behörden haben der deutschen Anwältin eines in Berlin entführten vietnamesischen Geschäftsmanns die Einreise nach Vietnam verweigert. Sie musste noch am Donnerstagabend zurück nach Bangkok fliegen.

Die Berliner Rechtsanwältin war nach Vietnam gereist, um mit dortigen Kollegen den Prozess gegen ihren Mandanten Trinh Xuan Thanh vorzubereiten. Der Geschäftsmann muss sich ab dem 8. Januar vor Gericht verantworten.

Die filmreife Entführung des Vietnamesen am hellichten Tag in Berlin hatte im vergangenen Jahr für erhebliche Verstimmungen im diplomatischen Verhältnis zwischen Deutschland und Vietnam gesorgt. Trinh und seine Begleiterin waren am 23. Juli im Berliner Tiergarten in einen Transporter gezerrt und später nach Hanoi verschleppt worden. Einen Tag später hätte Trinh beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge einen Termin gehabt, er hatte in Deutschland Asyl beantragt.

Es gibt eindeutige Hinweise, dass hinter der Tat der vietnamesische Geheimdienst steckt und auch die vietnamesische Botschaft in Berlin maßgeblich daran beteiligt war. Das Auswärtige Amt hatte von einem "präzedenzlosen und eklatanten Verstoß gegen deutsches Recht und gegen das Völkerrecht" gesprochen. Die Bundesregierung wies zwei vietnamesische Diplomaten aus, der Generalbundesanwalt ermittelt unter anderem gegen den Fahrer des Transporters, der Mann sitzt in Untersuchungshaft.

Die vietnamesische Regierung wirft Trinh vor, als Manager bei einer Tochtergesellschaft des staatlichen Öl- und Gaskonzerns PetroVietnam für Verluste in dreistelliger Millionenhöhe verantwortlich zu sein. Zwei Prozesse gegen ihn stehen an. Darüber wollte sich die deutsche Anwältin des Geschäftsmanns mit ihren vietnamesischen Kollegen austauschen.

Die Einreiseverweigerung entlarve die Behauptung des vietnamesischen Staates, sie gehe gegen Trinh rechtsstaatlich vor, "als bloße Schutzbehauptung", teilte die Rechtsanwältin dem SPIEGEL in einer E-Mail aus Bangkok mit. Sie vermutet hinter der Anklage ohnehin rein politische Motive. Trinh gehöre den Reformern der Kommunistischen Partei Vietnams an und damit der derzeit entmachteten Fraktion. Der Anwältin zufolge sind die nun neu erhobenen Vorwürfe gegen Trinh bereits 2015 zurückgewiesen worden.

Noch in Hanoi hatte die Anwältin die Deutsche Botschaft telefonisch über das Einreiseverbot informiert. Der deutsche Botschafter hat nach Angaben Schlagenhaufs daraufhin gegenüber dem vietnamesischen Außenministerium den Vorfall mit Nachdruck zur Sprache gebracht. Einreisen durfte die Anwältin dennoch nicht. Das Auswärtige Amt in Berlin bat den vietnamesischen Botschafter am Freitag zum Gespräch.



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