Berlin Demonstranten blockierten Aufmarsch der Neonazis

Es gibt kein besseres Datum für diesen symbolischen Sieg. Gut 3000 Rechtsextreme hatten sich bereits auf dem Berliner Alexanderplatz versammelt, doch dann war der braune Spuk vorbei. Die NPD sagte den geplanten Umzug zur Friedrichstraße ab, weil Tausende Gegendemonstranten den Weg versperrten.


"Stoppt die NPD": Die Gegendemonstranten waren erfolgreich
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"Stoppt die NPD": Die Gegendemonstranten waren erfolgreich

Berlin - Die Polizei forderte die NPD wegen der linken Gegendemonstranten und erwarteter Zusammenstöße zu dem Schritt auf. Sie hatte zuvor angekündigt, nicht mit Wasserwerfern und Schlagstöcken gegen friedliche Demonstranten vorzugehen. Ein starkes Polizeiaufgebot hatte den Platz umstellt und Gegendemonstranten von der NPD-Jugendorganisation ferngehalten. Doch am Berliner Dom und in der Straße unter den Linden blockierten rund 3000 NPD-Gegner die Route.

Nach Stunden des Wartens mussten die Rechtsextremen unverrichteter Dinge abziehen. Die Berliner Polizei zog am Abend ein insgesamt positives Fazit des Tages. Das Fest der Demokratie am Brandenburger Tor sei selbst "vollkommen störungsfrei" verlaufen. Insgesamt gab es im Umfeld 42 Festnahmen, 10 bei der NPD und 32 bei den Gegendemonstranten.

Die Jungen Nationaldemokraten hatten parallel zu den offiziellen Gedenkfeiern zum 8. Mai einen Aufmarsch unter dem Motto "60 Jahre Befreiungslüge - Schluss mit dem Schuldkult" angemeldet. Sie durften nach einer höchstrichterlichen Entscheidung nicht am Holocaust-Mahnmal vorbei zum Brandenburger Tor marschieren, wo ein "Tag für Demokratie" stattfand. Die Route der NPD sollte stattdessen vom Alexanderplatz zur Friedrichstraße führen.

Polizisten schirmen die NPD-Kundgebung auf dem Alexanderplatz ab
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Polizisten schirmen die NPD-Kundgebung auf dem Alexanderplatz ab

Eine erste Gegendemonstration mit 6000 Teilnehmern, die gegen den NPD-Aufzug protestierten, hatte am Mittag am Hackeschen Markt in der Nähe des Alexanderplatzes geendet. Nach Polizeiangaben wurden acht Personen "nach der Strafprozessordnung" - beispielsweise wegen Landfriedensbruchs - festgenommen. Einige Hundert Teilnehmer hätten sich schon vor Demonstrationsende aus dem Zug gelöst und, teilweise vermummt, versucht, über Seitenstraßen zur NPD-Veranstaltung zu gelangen. Dies habe verhindert werden können, so die Polizei.

"Route blockieren"

Die Veranstalter der Gegendemonstration sprachen von 15.000 Teilnehmern. Am Nachmittag riefen die Veranstalter dann erneut dazu auf, sich dem "angekündigten Aufmarsch von Faschisten aktiv entgegenzusetzen und die Route zu blockieren".

Gestern Abend hatten rund 25.000 Berliner an einer Lichterkette von Ost nach West teilgenommen. Am Brandenburger Tor waren zahlreiche Zuhörer zu einem Konzert anlässlich des am Vormittag eröffneten "Tages der Demokratie" zusammengekommen.

Gegendemonstration gegen NPD
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Gegendemonstration gegen NPD

Die Polizei hatte nach eigenen Angaben rund 9000 Kräfte im Einsatz. Sie kamen aus dem gesamten Bundesgebiet. So waren Wasserwerfer sogar aus Bayern gekommen.

Bundesinnenminister Otto Schily sagte, er halte den Aufmarsch der Rechtsextremisten für eine Schande. Es sei nötig, die Rechtsextremisten zurückzudrängen und weiter zu versuchen, die NPD zu verbieten. Auch sei die politische Auseinandersetzung mit dieser neonazistischen Partei nötig. Schily sagte, er sei froh, dass sich gerade die Jugendlichen in vorbildlicher Weise im Kampf gegen den Rechtsextremismus engagierten.



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