Festnahme in Berlin Spuren von Terrorverdächtigem führen auch zu Anis Amri

Der festgenommene Terrorverdächtige in Berlin hat laut den Ermittlern dieselbe Moschee besucht wie Anis Amri. Sein Komplize soll sogar direkten Kontakt zu dem Attentäter vom Breitscheidplatz gehabt haben.

Anis Amri
AFP/ BKA

Anis Amri


Die Bundesanwaltschaft hat bestätigt, dass nach der Festnahme eines Terrorverdächtigen in Berlin Spuren zu Anis Amri, dem Attentäter vom Berliner Breitscheidplatz, führen. Das betreffe sowohl den 31 Jahre alten Magomed-Ali C., der festgenommen wurde, als auch dessen in Frankreich inhaftierten Komplizen Clement B.

Demnach sei die Telefonnummer B.'s unter einem Pseudonym in Amris Handy eingespeichert gewesen. Daher wüssten die Ermittler, dass beide Männer Kontakt gehabt hätten.

Außerdem habe C. regelmäßig dieselbe Moschee in Berlin besucht, in der auch Amri gewesen sei. Ob die Männer sich dort begegnet sind, sei unklar. "Es kann sein, dass sich Magomed-Ali C. und Anis Amri dort über den Weg gelaufen sind", sagte die Sprecherin. Auch Clément B. soll sich dort aufgehalten haben.

Die Erkenntnisse beruhten vornehmlich auf Ermittlungen der französischen Polizei. Es gebe aber keine Hinweise, dass die beiden Verdächtigen bei Amris Anschlag vom Dezember 2016 eingebunden gewesen seien.

Sprengsatz sollte möglichst große Zahl von Menschen töten

C. war von Beamten des Bundeskriminalamts, der GSG 9 und des Landeskriminalamts festgenommen worden. Der Tschetschene soll nach Angaben der Bundesanwaltschaft gemeinsam mit B. eine erhebliche Menge des Sprengstoffs TATP in seiner Wohnung gelagert haben. Damit wollte C. nach Darstellung der Ermittler gemeinsam mit B. einen Sprengsatz herstellen. Dieser sollte zu einem nicht bekannten Zeitpunkt irgendwo in Deutschland gezündet werden und eine möglichst große Zahl von Menschen töten.

Am Donnerstag soll C. dem Ermittlungsrichter vorgeführt werden. Die Bundesanwaltschaft stuft ihn als "radikalislamisch gesinnt" ein. Bei der Festnahme wurde nach Angaben der Ermittler allerdings kein Sprengstoff gefunden.

B. sitzt in Frankreich in Haft. Die Ermittler werfen ihm und C. vor, einen Sprengstoffanschlag in Deutschland vorbereitet zu haben. B. soll außerdem einen Anschlag in Frankreich geplant haben. Laut Bundesanwaltschaft gibt es keine Hinweise darauf, dass Amri an diesen Plänen beteiligt war.

Der Tunesier Amri hatte am 19. Dezember 2016 einen Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gesteuert. Elf Menschen starben, viele weitere wurden verletzt. Außerdem hatte Amri den Lastwagenfahrer getötet. Er selbst wurde auf der Flucht in Italien erschossen.

aev/dpa/Reuters



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