Berlin Hinterbliebene weihen Rudi-Dutschke-Straße ein

40 Jahre nach dem Attentat auf Rudi Dutschke ist in Berlin eine Straße nach dem Studentenführer benannt worden. In Anwesenheit der Familie wurde das Schild enthüllt - direkt vor der Zentrale des Springer-Verlags. Die Umbenennung war gegen den Willen des Medienkonzerns durchgesetzt worden.


Berlin - Die Hauptstadt hat erstmals eine Rudi-Dutschke-Straße. 40 Jahre nach dem Attentat auf den Studentenführer erinnert jetzt eine Straße an Dutschke. Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne) enthüllte am Mittwochnachmittag im Stadtteil Kreuzberg das Straßenschild. Sie verläuft direkt vor dem Hochhaus des Axel-Springer-Verlags. Schulz sagte, Dutschke habe das Bild der alten Bundesrepublik wesentlich verändert.

Neue Dutschke-Straße in Berlin: "Ecke der Versöhnung"
REUTERS

Neue Dutschke-Straße in Berlin: "Ecke der Versöhnung"

Dutschke war bei einem Anschlag am 11. April 1968 mit mehreren Schüssen verletzt worden. Er starb am 24. Dezember 1979 an den Spätfolgen des Attentats.

Der Teil der bisherigen Kochstraße, die nun Rudi-Dutschke-Straße heißt, stößt direkt auf die Axel-Springer-Straße. Der Weg für die Umbenennung war frei geworden, nachdem Gerichte mehrere Klagen zurückgewiesen hatten. Anwohner sowie der in der Kochstraße ansässige Springer-Verlag hatten sich gegen die von der Berliner "taz" mit initiierte Umbenennung gewandt.

Zur offiziellen Umbenennung kamen neben Politikern auch Mitglieder der Familie Dutschkes. Ein Bruder Dutschkes, die Söhne Marek und Hosea sowie Tochter Polly waren anwesend. Die Ecke Rudi-Dutschke-/Axel-Springer-Straße sei jetzt eine "Ecke der Versöhnung", sagte Hosea Dutschke.

Marek Dutschke sagte angesichts der mehr als hundert Menschen, die zur Enthüllung des Straßenschildes gekommen waren, dies sei ein "Zeichen" dafür, dass die "Ideen und Taten" seines Vaters weiterlebten.

Dutschke war im April 1968 vor dem Büro des linksgerichteten Deutschen Studentenbundes (SDS) am Kurfürstendamm von einem Attentäter zunächst vom Fahrrad gezerrt und dann mit mehreren Schüssen verletzt worden. Am 11. April erinnerten Hunderte Menschen am Kurfürstendamm an den Anschlag.

Neun Daten zu Dutschkes Leben

1940 Rudi Dutschke wird am 7. März im brandenburgischen Schönefeld geboren
1961 Soziologiestudium an der Freien Universität Berlin, nachdem ihm in der DDR ein Hochschulstudium verweigert wurde
1965 Dutschke tritt dem Sozialistischen Deutschen Studentenbund bei
1966 Hochzeit mit Gretchen Klotz - aus der Ehe gehen drei Kinder hervor
1968 Dutschke organisiert die Kampagne gegen Springer mit
1968 Dutschke wird am 11. April am Kurfürstendamm niedergeschossen
1973 Dutschke redet erstmals nach dem Attentat wieder öffentlich auf einer Anti-Vietnamkrieg-Demo
1979 Dutschke wird Gründungsmitglied der "Grünen"
1979 Dutschke stirbt am 24. Dezember an Spätfolgen des Attentats

amz/AFP



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