"Spaltung der Gesellschaft" Initiativen lehnen Nominierung für Preis ab - weil Seehofer Schirmherr ist

Zwei Initiativen aus Köln und Berlin lehnen eine Nominierung für den Deutschen Nachbarschaftspreis ab - weil Innenminister Horst Seehofer Schirmherr ist.

Ehrenamtliche der Initiative "Moabit hilft" versorgen Flüchtlinge mit Essen (Archivbild)
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Ehrenamtliche der Initiative "Moabit hilft" versorgen Flüchtlinge mit Essen (Archivbild)


Horst Seehofer nahm als erster Bundesinnenminister nicht am Integrationsgipfel teil. Ein Grund war, dass er nicht auf die Journalistin Ferda Ataman treffen wollte. Nun haben zwei Initiativen in Köln und Berlin eine Nominierung für den Deutschen Nachbarschaftspreis abgelehnt, weil sie nicht auf ihn treffen wollen.

"Wir können uns nicht vorstellen, mit Horst Seehofer auf einer Bühne zu stehen", sagte Diana Henniges vom Vorstand der Berliner Flüchtlingshilfsorganisation "Moabit hilft". Sie hätten sich sehr über die Nominierung gefreut, aber Seehofers Schirmherrschaft könnten sie nicht mit ihren Absichten vereinbaren.

Auch ein Verein aus Köln, dessen Projekt "Kasimir" kostenfrei Lastenräder in der Stadt verleiht, hat seine Bewerbung wegen Seehofers Schirmherrschaft zurückgezogen. "Das ist nicht unsere Form von Nachbarschaft. Wir wollen nicht, dass so eine Spaltung der Gesellschaft betrieben wird", sagte ein Sprecher. Aus ihrer Sicht sei in letzter Zeit ein politischer Konsens aufgekündigt worden.

Seit Wochen steht die CSU in einem heftigen Streit mit Kanzlerin Angela Merkel und der CDU über die Frage der Zurückweisung von Migranten an der deutschen Grenze. Kurzzeitig schien deshalb auch der Bruch der Union möglich.

Die Stiftung nebenan.de will die mit insgesamt 50.000 Euro dotierten Nachbarschaftspreise Anfang September verleihen. "Wir bedauern das natürlich, verstehen es aber auch", sagte Geschäftsführer Michael Vollmann zur Absage der beiden Initiativen. In der Stiftung seien Seehofers Aussagen im Zusammenhang mit der Aufnahme vieler Flüchtling ebenfalls kritisch diskutiert worden.

Erst vor wenigen Tagen hatte Deutschlands höchster Richter Andreas Voßkuhle Horst Seehofer für seine Wortwahl im Asylstreit kritisiert. Der Bundesinnenminister wies das scharf zurück.

vet/dpa

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