Berlin Kempinski-Hotel weist Vorwurf der Israel-Feindlichkeit zurück

Ein jüdischer Filmemacher wirft einem Berliner Nobelhotel vor, Israels Vorwahl in einer Länderliste gelöscht zu haben - auf Betreiben arabischer Gäste. Das Hotel weist das zurück und spricht von einem "Versehen".

Kempinski-Hotel am Berliner Ku'damm
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Kempinski-Hotel am Berliner Ku'damm


Es ist ein schwerwiegender Vorwurf, den der französisch-jüdische Dokumentarfilmer Claude Lanzmann, 90, in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" erhebt: Lanzmann berichtet von seinem jüngsten Aufenthalt im Berliner Kempinski-Hotel am Kurfürstendamm - und wie er dabei feststellte, dass Israels Vorwahl nicht in der Telefonliste in seinem Zimmer enthalten war. Auf Nachfrage habe ihm ein Mitarbeiter gesagt, so beschreibt es Lanzmann in seinem Beitrag im FAZ-Feuilleton, Israels Vorwahl sei auf Betreiben arabischer Gäste entfernt worden.

"Monsieur, es macht mich glücklich, dass Sie diese Frage aufwerfen", so zitiert ihn Lanzmann, der den berühmten Dokumentarfilm "Shoah" gedreht hat und als französischer Partisane gegen die Nazi-Besatzer kämpfte. "Ich bin selbst Jude, es handelt sich bei der Maßnahme um eine bewusste Entscheidung der Direktion des Kempinski-Hotels, gegen die wir leider machtlos sind." Weiter habe der Mitarbeiter gesagt: "Die Mehrheit unserer Kundschaft sind Araber, und sie haben verlangt, dass Israel gestrichen werde."

Das klingt ungeheuerlich. Auch deshalb, weil der Kempinski-Gründer Berthold selbst jüdischen Glaubens war, das Unternehmen wurde in der Nazizeit arisiert.

Filmemacher Lanzmann
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Filmemacher Lanzmann

Lanzmann war jedenfalls geschockt. "Es war grauenhaft", so beschreibt er sein Gefühl in dem Nobelhotel - weil er sich plötzlich daran erinnerte, wie ihm im Gazastreifen Landkarten gezeigt wurden, auf denen Israel nicht verzeichnet war. "Wie ist es möglich, im Jahre 2016 in Berlin, der Hauptstadt des neuen Deutschlands, dass Israel eliminiert, getilgt, ausgemerzt wird?", fragt Lanzmann.

Aber stimmt die Darstellung auch? Das Kempinski-Hotel bestreitet sie jedenfalls. "Die Aussagen des Mitarbeiters können wir nicht bestätigen", sagte eine Sprecherin SPIEGEL ONLINE. "Es gab niemals eine entsprechende Anweisung des Hotels."

Sie spricht von einem "Versehen" und einer "Unachtsamkeit". Demnach habe Israels Vorwahl in der Liste bisher schlicht gefehlt - nun sei diese ergänzt worden, sagt die Sprecherin. Als Nummer 35.

"Sollten wir mit dem Fehlen der israelischen Vorwahl die Gefühle von Herrn Lanzmann verletzt haben, so bitten wir aufrichtig, dies zu entschuldigen", teilte das Kempinski-Hotel der "Bild"-Zeitung mit.

Die Frage ist, ob Lanzmann diese Entschuldigung akzeptiert - und ob er der Darstellung des Nobelhotels Glauben schenkt.

flo

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