Lkw-Attacke in Berlin Verdächtiger soll 23-jähriger Pakistaner sein

Wer und was steckt hinter der Berliner Todesfahrt? Ein Verdächtiger ist gefasst, er soll aus Pakistan stammen und vor knapp einem Jahr nach Deutschland eingereist sein.

Lkw am Berliner Weihnachtsmarkt
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Lkw am Berliner Weihnachtsmarkt


Mindestens zwölf Menschen sind tot, Dutzende weitere verletzt - das ist die vorläufige Bilanz, nachdem am Montagabend ein Lastwagen in den Weihnachtsmarkt an der Berliner Gedächtniskirche gerast ist. Die Ermittler der Polizei gehen davon aus, dass der Lkw vorsätzlich in die Menschenmenge gelenkt worden ist.

Was ist bisher über den Lastwagen bekannt?

Bei dem Tat- oder Unfallfahrzeug handelt es sich um einen langen, schweren Sattelschlepper der Marke Scania mit Zugmaschine und Auflieger. Der schwarze Laster hat ein polnisches Kennzeichen, er gehört nach bisherigen Erkenntnissen einer Spedition in Gryfino südlich von Stettin, nahe der deutschen Grenze. Inhaber Ariel Z. will den Lastwagen seiner Firma auf Bildern wiedererkannt haben, er findet sich dem Kennzeichen nach auch in Postings auf der Facebook-Seite des Unternehmens.

Wer hat den Lkw gefahren?

Das ist bisher nicht endgültig geklärt. Kurz nach dem Unglück wurde ein Verdächtiger festgenommen. Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE heißt der Verdächtige Naved (oder Navid) B. Behördenkreisen zufolge soll er 23 Jahre alt sein und aus Pakistan stammen. Laut BKA-Lagebericht und Ausländerzentralregister ist er am 11. Februar 2016 in das Bundesgebiet eingereist. Im Gegensatz dazu ist aus Ermittlerkreisen zu hören, dass er schon am 31.12.2015 nach Deutschland kam. Einen Aufenthaltstitel hat er laut BKA-Lagebericht seit dem 2. Juni 2016. Die Angaben sind allerdings mit Vorsicht zu betrachten. Der mutmaßliche Täter könnte mit gefälschten Dokumenten und Alias-Namen operiert haben.

Nachrichtenagenturen berichten unter Berufung auf Sicherheitskreise, der Verdächtige sei schon früher wegen kleinerer Delikte polizeibekannt gewesen.

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Nach Polizeiangaben saßen zum Zeitpunkt des Vorfalls zwei Männer in der Fahrerkabine. Der Beifahrer ist demnach noch am Tatort gestorben. In der Nacht zu Dienstag teilte die Berliner Polizei via Twitter mit, der Mann sei polnischer Staatsbürger. "Der im Lkw tot aufgefundene Mann steuerte nach bisherigen Erkenntnissen nicht den Lkw, als der in die Menschenmenge am Breitscheidplatz fuhr."

Der Lkw-Fahrer ist nach der Tat offenbar zunächst geflüchtet. Kurz nach den Ereignissen konnte jedoch in der Nähe am Großen Stern, etwa zwei Kilometer vom Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz entfernt, ein Verdächtiger festgenommen werden, bei dem es sich um den Fahrer handeln soll.

SPIEGEL ONLINE

Speditionschef Z. erklärte am Abend in polnischen Medien, der Lkw habe 25 Tonnen Stahlgestelle aus Italien transportiert, die in Berlin entladen werden sollten. Die Polizei bestätigte, dass sich Stahlträger auf dem Auflieger befunden haben.

Gefahren habe den Laster ursprünglich sein Cousin, sagte Z. Zu diesem sei aber der Kontakt im Laufe des Montags abgebrochen. Er betonte, er lege seine Hand dafür ins Feuer, dass sein Cousin kein Attentäter sei. Dieser soll schon seit 15 Jahren für ihn gearbeitet haben. "Es kann einfach nicht mein Fahrer gewesen sein", sagte Z. dem polnischen Sender TVN24. "Ihm muss etwas angetan worden sein", mutmaßte er. "Ich stehe so unter Schock."

Zuletzt habe sich der Fahrer am Nachmittag gegen 16 Uhr telefonisch gemeldet. Dabei habe dieser ihm mitgeteilt, das Ausladen der Stahlteile sei auf Dienstagmorgen verschoben worden. Er habe dann das Fahrzeug in der Nähe des Eingangs zu der Firma geparkt. Wo sich diese befindet, dazu machte Z. keine genauen Angaben. Nur so viel: Sein Cousin habe berichtet, der Stadtteil sei "voller Muslime", die einzigen Deutschen seien jene im Büro. Er gehe jetzt einen Döner essen.

Z. spekulierte, sein Fahrer könne samt Lkw entführt worden sein. Sein Cousin könnte demnach der Tote sein, der in der Fahrerkabine gefunden wurde. Diese Vermutung hat sich inzwischen bestätigt. Der polnische Fahrer saß auf dem Beifahrersitz.

Ein leitender Speditionsmitarbeiter, Lukasz Wasik, sagte dem Internetportal Money.pl, laut GPS-Daten des Lasters habe jemand das Fahrzeug am Montag dreimal gestartet - obwohl es eigentlich bis zu seiner Entladung am Dienstag stehen bleiben sollte. "Es ist, als hätte jemand geübt, ihn zu fahren", sagte Wasik. Um 19.34 Uhr sei der Lkw schließlich losgefahren. Wahrscheinlich wurde der Lastwagen gestohlen.

phw/srö/aar/dpa/AFP/Reuters

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