Berlin Mauer-Mahnmal im Touristenrummel

Nach 15 Jahren ist sie plötzlich wieder da. Am Checkpoint Charlie wurde ein 120 Meter langes Stück der Berliner Mauer wieder aufgebaut. Zur Eröffnung kam der Sohn des ehemaligen sowjetischen Staatschefs Crutschtschow. Die Mutter des an der Mauer erschossenen Burkhard Niering gedachte der Toten der Grenzsperranlage.

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 Wieder aufgebaut: Weißgetünchte Mauer am Checkpoint Charlie
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Wieder aufgebaut: Weißgetünchte Mauer am Checkpoint Charlie

Berlin- Die Mauer steht wieder - in der Friedrichstraße, der Flaniermeile der Touristen, umgeben von einem Meer aus Kreuzen mit den Namen der Maueropfer. Berlin-Besucher flanieren dort entlang und machen kurz Halt. Wie Love Edquist aus Schweden. Für den 23-Jährigen ist das Mahnmal am Checkpoint Charlie "genau das, was wir Touristen sehen wollen, wonach wir suchen". Berlin brauche eine lebendige Erinnerung, sagt er. "Schließlich ist hier das Herz des Kalten Krieges gewesen."

Dort, am Checkpoint Charlie, hat die Chefin des "Museum Haus am Checkpoint Charlie" Alexandra Hildebrandt ein 120 Meter langes Stück Mauer wieder aufbauen und ein Mahnmal mit 1065 übermannshohen Kreuzen zum Gedenken an die Maueropfer errichten lassen. Bis Ende des Jahres läuft der Pachtvertrag für das Gelände - dann muss Hildebrandt die Mauer wahrscheinlich wieder abbauen. Um die Idee von Hildebrandt hatte es in den letzten Wochen viel Streit gegeben. Der Berliner Senat war entsetzt. Manche beschimpften die Pläne als "Disneyland". Kritisiert wurde auch die Anordnung der Kreuze, die an das Holocaust-Mahnmal erinnere.

"Wir glauben an dich!"

Vielleicht sind ihre Fans gerade wegen der lautstarken öffentlichen Kritik an dem Projekt so zahlreich gekommen. Die Menge ringt sich um Hildebrandt wie um einen Popstar. Menschen, die sie lieben, rufen: "Du schaffst das Alexandra" und "Wir glauben an dich!". Hildebrandt aber geht mit ernster und angestrengter Mine, um Kränze an den Erinnerungskreuzen niederzulegen und überlässt anderen das Sprechen: Der Mutter eines Maueropfers und dem Sohn des ehemaligen sowjetischen Staatschefs Nikita Chruschtschow, Sergej Chruschtschow. Beide sind auf das Gelände am Checkpoint Charlie gekommen, um bei der Eröffnung des Mauermahnmals am Sonntag dabei zu sein.

"Endlich mal etwas, wo man Gänsehaut bekommt" ruft einer in die Menge. Ein anderer findet harte Worte für die PDS und die Berliner Regierung, die dem Mahnmal am Checkpoint Charlie kritisch gegenüber steht: "Die politischen Täter von gestern sind heute im Senat".

 1065 Kreuze: Mahnmal für die Maueropfer
AP

1065 Kreuze: Mahnmal für die Maueropfer

In einer Reihe haben sich Alexandra Hildebrandt, Ursula Junemann, Mutter eines Maueropfers und Professor Sergej Chruschtschow vor der Menschenmenge aufgestellt.

Still wird es, als die Mutter von Burkhard Niering, der 1974 an der Mauer erschossen wurde, spricht: "Ich stehe stellvertretend für alle Mütter und Väter hier, deren Kinder an der Mauer ums Leben gekommen sind." Sie zitiert die zweite Strophe des Liedes "Gute Kameraden" von Ludwig Uhland: "Eine Kugel kam geflogen. Gilt sie mir oder gilt sie dir? Ihn hat es weggerissen. Er liegt zu meinen Füßen. Als wär's ein Stück von mir."

"Es werden immer noch Mauern gebaut"

Kaum hat sie ausgesprochen blitzt das Medienspektakel um Sergej Chruschtschow, den Sohn von Nikita Chruschtschow. "Hier, wo sich im Kalten Krieg sowjetische und US-Panzer gegenüberstanden ist der richtige Ort, um aus der Geschichte zu lernen." Er erinnert daran, dass noch immer Mauern gebaut würden, um Menschen voneinander zu trennen - in Israel zum Beispiel. "Sein Vater, der ist für mich nicht schuldig" sagt eine Frau.

Alexandra Hildebrandt hatte den Platz am Checkpoint Charlie, wo jetzt wieder die weißübergetünchte Mauer steht, mit einer Aorta vergleichen. Dort an der Hauptschlagader steht eine Gruppe Jugendlicher aus der Schweiz herum, trinkt Cola und raucht. "Ich wurde 1988 geboren und ich kann mir die Mauer gar nicht mehr vorstellen", sagt ein Schüler aus Biberist. Er dreht sich um und dann geht die Gruppe der Schüler weiter, in Richtung Coffeeshop "Starbucks". Denn auch "Starbucks", Touristenstände und Geschäfte mit Designermode stehen jetzt am Herz des Kalten Krieges.



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