Feiertagsdebatte in der Hauptstadt Berlin will mehr freihaben

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller will einen zusätzlichen Feiertag für seine Stadt. Nur welchen? In der Hauptstadt diskutieren sie nun den Kalender durch.

Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin
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Michael Müller, Regierender Bürgermeister von Berlin

Von Timo Lehmann


Dieser Tage keimt Hoffnung auf für Volker Schröder. Seit 40 Jahren setzt sich der 75-Jährige für einen Gedenktag am 18. März ein, dem Tag der Märzrevolution 1848. Schröders Chancen waren wohl nie so gut wie jetzt. Denn jüngst hat ja Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller in der "Welt" verkündet, die Frage sei nicht mehr, ob es einen neuen Feiertag für Berlin geben werde. Sondern es müsse nur noch diskutiert werden, welcher es werden soll.

Und Schröder steht nicht allein mit seiner Märzrevolution. Unterstützt wird er unter anderem von der Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, dem FDP-Politiker Hermann Otto Solms sowie Berliner SPD-Urgestein Wolfgang Thierse. "Wir haben ein breites Bündnis hinter uns", sagt Schröder. "Der 18. März bietet sich an als neuer Feiertag in Berlin." Das könnte sogar, meint Schröder, "die Initialzündung für einen bundesweiten Gedenktag sein".

Volker Schröder
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Volker Schröder

Nur ist Volker Schröder nicht der einzige, der einen Feiertagsvorschlag für Berlin hat. Immer neue Ideen ploppen auf, wann die Berliner künftig was feiern könnten. Ganz neu ist die Diskussion nicht: Denn gemessen an den Feiertagen ist Berlin traditionell sparsam. Hier gibt es weniger Feiertage als im Süden der Republik: nur neun pro Jahr stehen im Kalender. Zum Vergleich: Die katholischen Bayern haben gleich bis zu 14.

Die aktuellen Vorschläge für Berlin gehen durch alle Jahreszeiten:

  • Da ist zum einen der 17. Juni, Tag des Arbeiteraufstands in der DDR und von 1953 bis 1990 bereits Feiertag in Westdeutschland, bis er vom 3. Oktober als "Tag der Deutschen Einheit" abgelöst wurde. Die historische Verbindung wäre gegeben für Berlin. Auch in den Kalender würde das passen: Im Juni gibt es bisher keinen Feiertag und das sommerliche Wetter spricht ebenfalls dafür.
  • Auch denkbar: der 27. Januar, Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Er wäre ein Zeichen in Zeiten neuer Antisemitismusdebatten. Allerdings liegt er zeitnah am Feiertagsmarathon Weihnachten und Silvester.
  • Regierungschef Müller nannte auch den 8. Mai als Option, den Tag der Befreiung von 1945 - ein Vorschlag, der vor allem von den Linken im Abgeordnetenhaus geteilt wird. Die Bundesvorsitzenden Katja Kipping und Bernd Riexinger befürworten sogar einen bundesweiten Feiertag. Dagegen spricht allerdings, dass der Mai bereits drei Feiertage hat. "Dann machen wir eben den ganzen Mai frei", witzelt Regina Kittler, kulturpolitische Sprecherin der Linken im Berliner Abgeordnetenhaus.
  • Im Internet sammelt eine Initiative Stimmen für den Europatag am 9. Mai. Unterzeichnet haben Gesine Schwan, Robert Menasse, Ulrike Guérot und Martin Speer.
  • Die AfD schlug schon im vergangenen Jahr den Reformationstag vor, den 31. Oktober. Den hat zum Beispiel Hamburg zum neuen Feiertag auserkoren. Doch die anderen lehnten ab: Ein christlicher Feiertag im multireligiös geprägten Berlin schließe zu viele Menschen aus. Zudem hat Brandenburg bereits den Reformationstag und der Einzelhandel Berlins profitierte bisher von den Vorstädtern, die es an ihrem freien Tag in die Hauptstadt zieht.
  • Immer mal wieder zur Debatte steht auch der 9. November. Das Problem: Einerseits jährt sich an dem Datum der Mauerfall von 1989, aber eben auch die Reichspogromnacht, in der Nazis 1938 Synagogen und jüdische Geschäfte überfielen.

Die SPD hat noch nicht intern darüber diskutiert. "Wir werden uns das genau überlegen", sagt Frank Jahnke, kulturpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, dem SPIEGEL. Abgesprochen sei der Vorstoß Müllers mit der eigenen Partei nicht gewesen - deshalb folge nun erst einmal eine Diskussion. Aus der CDU heißt es, man werde zunächst abwarten, welcher Vorschlag aus der rot-rot-grünen Koalition kommen wird, und dann überlegen, ob man ihn mittrage.

Bereits festgelegt hat sich nur die FDP. "Wir haben nach wie vor einen Berg anderer Probleme in Berlin - etwa die Verwaltungsreform oder die Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Ein weiterer Feiertag ist überflüssig", sagt Florian Swyter, FDP-Abgeordneter. "Der Bürgermeister sollte lieber die Stadt beleben und nicht die Schlagzeilen." Wenn es aber unbedingt ein neuer Feiertag sein müsste, sagt Swyter, sei er für den Tag des Grundgesetzes. Also der 23. Mai.

Die Linke zeigt sich zumindest offen für Kompromisse: "Es gibt für alle Vorschläge gute Argumente", sagt Kittler. "Ich könnte mir auch vorstellen, dass wir zwei Feiertage zusätzlich einführen."

Anmerkung: In einer früheren Version hieß es, der Tag des Grundgesetzes sei der 23. März.

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