"Hotel Pjöngjang" Nordkorea kündigt Hostel-Betreibern auf Berliner Botschaftsgelände

Seit Jahren wird ein Teil der nordkoreanischen Botschaft in Berlin als Hostel genutzt. Solche Mietgeschäfte hat die Uno kürzlich verboten. Jetzt hat Pjöngjang den Betreibern gekündigt - auf Druck des Auswärtigen Amts.

Hostel auf nordkoreanischem Botschaftsgelände
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Hostel auf nordkoreanischem Botschaftsgelände

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"Hotel Pjöngjang", "eine Nacht in Nordkorea", "beim Diktator sind noch Zimmer frei": Die Liste der kreativen Überschriften über das Hostel in einem Gebäude der nordkoreanischen Botschaft in Berlin ist lang - zu ungewöhnlich ist die Verbindung aus diktatorischem Regime und günstiger Übernachtungsmöglichkeit in der Hauptstadt.

Seit 2007 betreibt eine Familie in dem Plattenbau das "Cityhostel". Die Immobilie war schlicht zu groß geworden für die nordkoreanischen Botschaftsmitarbeiter, die inzwischen in einem Nebengebäude beschäftigt sind. Und für das Regime sind die Mieten eine willkommene Einnahme. Doch nun soll das Hostel mit seinen 435 Betten geschlossen werden.

Das berichtet der "Tagesspiegel" unter Berufung auf das Auswärtige Amt. Demnach hat die Botschaft dem Betreiber gekündigt. Das Amt versucht schon länger, Pjöngjang die Vermietung der Räumlichkeiten zu untersagen - bisher allerdings ohne Erfolg.

Nordkoreanische Botschaft in Berlin
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Nordkoreanische Botschaft in Berlin

Das Gelände der Botschaft gehört nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" der Bundesrepublik Deutschland. Nordkorea verfügt über das Gelände, weil es mit der DDR ein entsprechendes Abkommen gab. Laut Zeitungsbericht könnte die Bundesregierung es kündigen, tat dies bisher aber nicht - wahrscheinlich auch, um im Atomkonflikt mit Nordkorea nicht für zusätzlichen Ärger zu sorgen.

Das Hostel zwischen Checkpoint Charlie und Brandenburger Tor ist wegen seiner günstigen Lage bei Touristen beliebt - doch es sorgte in der Vergangenheit immer wieder für Ärger. Das lag vor allem an den zunehmenden internationalen Spannungen im Atomkonflikt mit Nordkorea.

Kurz nach dem nordkoreanischen Atombombentest im November 2016 hatte der Uno-Sicherheitsrat scharfe Sanktionen gegen Pjöngjang verhängt. Diese sahen auch ein Verbot von Vermietungen oder Verpachten auf dem Botschaftsgelände vor. Wörtlich heißt es in der Resolution: "Alle Mitgliedstaaten sollen es Nordkorea verbieten, Immobilien, die es auf ihrem Staatsgebiet besitzt oder pachtet, für andere Zwecke als diplomatische oder konsularische Tätigkeiten zu nutzen."

Damit sollte es dem klammen Regime unmöglich gemacht werden, an Devisen zu kommen - und diese für den Bau von Massenvernichtungswaffen zu nutzen.

Schaukasten der Botschaft
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Schaukasten der Botschaft

Die Betreiber des Hostels räumen die Kündigung zwar ein, wollen von einer Schließung aber nichts wissen. Das geht aus einem Schreiben hervor, das dem SPIEGEL vorliegt. Entgegen aller Pressedarstellungen "und eines weiteren Versuchs des Auswärtigen Amtes, unsere Kunden mit Nachrichten einer Schließung von der Buchung bei uns abzuhalten, können wir mitteilen, dass das Cityhostel Berlin definitiv nicht geschlossen wird", heißt in dem Schreiben. Die Botschaft habe zwar auf Druck des Auswärtigen Amtes eine Kündigung geschrieben. Diese stütze sich aber auf keinerlei rechtliche Fakten.

Nordkorea hat Steuerschulden beim Land Berlin

Das Geschäft mit den Mieteinnahmen läuft für Nordkorea bislang offenbar gut - neben dem Cityhostel dient ein ehemaliger Sitzungssaal der Botschaft heute als Kongresszentrum, auf dem Parkplatz stehen Hertz-Transporter. Insgesamt sollen pro Monat rund 40.000 Euro an Mieteinnahmen an Nordkorea fließen.

Offensichtlich hatte das Regime von Diktator Kim Jong Un diese Einnahmen nicht einmal versteuert. Das berichteten diverse Medien im Mai - von zehn Millionen Euro war die Rede, die Pjöngjang dem Land Berlin schulde. Beide Seiten vereinbarten eine Ratenzahlung, der Nordkorea aber nur unregelmäßig nachgekommen sein soll.

Das Auswärtige Amt kündigte im Mai schließlich an, durchgreifen zu wollen. Die Behörde drohte sogar mit Bußgeldern, dafür wurde extra die deutsche Außenwirtschaftsverordnung geändert. Pjöngjang reagierte nicht. Laut "Süddeutscher Zeitung" fordert das Auswärtige Amt Nordkorea immer wieder mündlich und schriftlich auf, die Geschäfte zu beenden. Die jüngsten Bemühungen könnten nun zum gewünschten Erfolg geführt haben - auch wenn die Betreiber sich dagegen wehren.

Hostel kritisiert Auswärtiges Amt

Für sie würde die Schließung wohl fatale Auswirkungen haben, ihre Existenz bedrohen. Sie üben scharfe Kritik am Auswärtigen Amt: Mehrmalige Gesprächsanfragen seien von der Behörde mit dem "Hinweis von Nichtzuständigkeit abgetan" worden.

Nachdem bekannt wurde, dass Nordkorea die Einnahmen möglicherwiese für das Waffenprogramm nutzten würde, hat der Mieter die Mietzahlungen nach eigenen Angaben eingefroren. Das Mietverhältnis sei ihrer Ansicht nach durch die Kündigung nicht aufgehoben.

Ob und wann die Kündigung letztlich in Kraft tritt, ist aber noch völlig unklar.
Auf SPIEGEL-Anfrage nannte das Auswärtige Amt dazu keine Details. Man habe die Botschaft mehrmals nachdrücklich zur Beendigung des sanktionswidrigen Zustands aufgefordert, hieß es aus dem Auswärtigen Amt. "Die nordkoreanische Botschaft hat die Mietverträge nun gekündigt. Dies ist ein weiterer Schritt auf dem Weg, diese Praxis zu beenden."

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