Berlin Rechte Schläger attackieren türkischstämmigen Politiker

Erst beschimpften sie ihn als "Scheiß Ausländer", dann schlugen zwei Männer den Berliner Politiker Sayan mit einer Flasche nieder. Der 56-Jährige wurde mit einer Gehirnerschütterung und Prellungen ins Krankenhaus geliefert.


Berlin - Zu dem Überfall im Berliner Ostbezirk Lichtenberg kam es gestern Abend, als Giyasettin Sayan aus seinem Auto stieg. "Scheiß Ausländer, Scheiß Türke", beschimpften zwei Männer den migrationspolitischen Sprecher der Linkspartei im Berliner Abgeordnetenhaus. Dann schlugen sie ihn mit einer Flasche nieder, teilte die Polizei heute mit.

Politiker Sayan: Verletzt in die Klinik
DPA

Politiker Sayan: Verletzt in die Klinik

Die Polizei geht von einen extremistischen Hintergrund aus. Die Schläger konnten unerkannt entkommen. Von ihnen fehlt bisher jede Spur. Lichtenberg gilt als eine Hochburg der Berliner Neonazi-Szene.

Der Polizeipräsident setzte für Hinweise, die zur Ergreifung der Täter führen, eine Belohnung von 3000 Euro aus. Details zu den Ermittlungen will die Polizei am Nachmittag auf einer Pressekonferenz bekannt geben.

Linkspartei-Fraktionschef Stefan Liebich äußerte sich bestürzt. "Ich bin entsetzt, dass so etwas in Berlin passieren kann." Er hoffe, dass die Polizei die Schläger schnell fasst. Sayan werde vorerst noch im Krankenhaus bleiben, sagte Liebich. Ihm stünden noch einige Untersuchungen bevor.

Liebich wertete den Überfall als nachträglichen Beweis für die These des früheren Regierungssprechers Uwe-Karsten Heye, dass es für Ausländer lebensgefährliche Gegenden in Deutschland gäbe. Leider gelte dies auch für Berlin. Er habe sich lange dagegen gewehrt, dies als Tatsache zu akzeptieren, sagte der Linkspartei-Politiker.

Sayan lebt seit fast 30 Jahren in Berlin und ist deutscher Staatsbürger. Von 1982 bis 1995 war er Mitglied der Grünen. Seit Ende 1995 sitzt er für die Linkspartei im Berliner Abgeordnetenhaus.

hen/dpa



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