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10. April 2017, 19:36 Uhr

Berlin

Anstieg der Prostitution unter jungen Flüchtlingen

Hilfsorganisationen berichten von immer mehr Asylbewerbern, die sich in Berlin prostituieren - es gebe eine regelrechte Szene. Die Kontaktaufnahme mit den jungen Männern läuft offenbar über Internetforen.

Eine wachsende Zahl junger Flüchtlinge geht einem Medienbericht zufolge in Berlin anschaffen: Dabei handele es sich überwiegend um junge Männer aus Afghanistan, Pakistan und Iran, berichtete das RBB-Inforadio unter Berufung auf Hilfsorganisationen. Die Zahl der betreuten Jugendlichen, die sich zur Prostitution anbieten, habe sich demnach zuletzt vervielfacht. Linke und Grüne fordern deshalb mehr Unterstützungsangebote.

Die Kontaktaufnahme läuft dem Bericht zufolge meist über Internetforen, finde aber auch auf der Straße statt. Im Berliner Tiergarten habe sich eine Szene entwickelt. Manche Flüchtlinge seien noch minderjährig, die meisten gerade erwachsen geworden.

Der Berliner Senat hat nach eigenen Angaben keine gesicherten Informationen zu dem Thema. Wo immer Prostitution von Flüchtlingen auch stattfinde, geschehe dies im Verborgenen. Belege oder Aussagen von Betroffenen lägen nicht vor.

Als Hauptursache sehen die Hilfsvereine fehlende Unterstützungsangebote. Sobald die Flüchtlinge 18 Jahre alt seien, würden viele aus dem Hilfesystem für Jugendliche herausfallen. Diana Henniges vom Verein Moabit hilft sagte dem Sender, sie habe schon mehrfach 16- und 17-jährige Afghanen betreut, die sich an verschiedenen Orten in Berlin prostituiert hätten.

Auch der Verein Hilfe für Jungs e.V. schickt Streetworker in den Tiergarten, um die Flüchtlinge über HIV aufzuklären und ihnen Unterstützung anzubieten. Doch sie aus dem Park herauszuholen, funktioniere meist nicht so einfach, sagte Vereinschef Ralf Rötten dem RBB. Die Flüchtlinge dürften zum großen Teil keinen Deutschkurs machen, nicht zur Schule gehen und erst recht keiner Arbeit nachgehen. "Was sollen wir einem solchen jungen Mann als Alternative anbieten?"

Die wenigsten Flüchtlinge würden gezwungen, im Tiergarten anschaffen zu gehen, sagte Rötten. Aber der Park sei eine der wenigen Möglichkeiten, Geld zu verdienen.

Nach Angaben von Barbara John, Vorsitzende des Paritätischen Wohlfahrtsverbands in Berlin, ist das Problem nicht neu. Bereits Anfang der Neunzigerjahre, als viele bosnische Flüchtlinge in Berlin waren, sei die Prostitution ein Thema gewesen, sagte die frühere Ausländerbeauftragte des Berliner Senats im RBB. Nötig sei professionelle Hilfe. "Wir müssen ihnen ein Ausstiegsszenario anbieten, das attraktiv für sie ist."

mho/AFP

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