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Berlin und Frankfurt: Tausende demonstrieren gegen die Macht der Banken

Mit großen Menschenketten haben Kapitalismuskritiker in Berlin und Frankfurt gegen die Macht der Banken demonstriert. Mehr als 10.000 gingen auf die Straße - sie fordern, hochriskante Finanzprodukte zu verbieten und eine Umverteilung des Reichtums.

Proteste in Deutschland: "Banken in die Schranken" Fotos
dapd

Berlin - Mit Trillerpfeifen und Trommeln gegen die Exzesse des Kapitalismus: Rund 10.000 Demonstranten haben am Samstag mit einer Menschenkette das Bankenviertel in Frankfurt umschlossen. Die Protestteilnehmer zogen am Mittag vom Hauptbahnhof durch Frankfurts Innenstadt und umzingelten dann das Finanzviertel mit seinen Hochhäusern in einer mehrreihigen Kette. Rund eine Stunde hielten die Demonstranten die Umschließung aufrecht und versammelten sich dann vor den Doppeltürmen der Deutschen Bank. Bei der Abschlusskundgebung vor der Zentrale der Deutschen Bank forderten Sprecher "die Zerschlagung der Bankenmacht".

Der Berliner Hochschullehrer Peter Grottian rief auf der Kundgebung zu "massenhaftem" zivilem Ungehorsam auf. "Wir wollen die Wachstumskuh des Kapitalismus schlachten", sagte Grottian, der dem wissenschaftlichen Beirat von Attac angehört.

"Wir wollen, dass gesellschaftlich sinnvolle Arbeitsplätze und Bildungschancen wachsen, das Armut abgeschafft wird", sagte Grottian. "Ziviler Ungehorsam heißt für uns, mit Robin-Hood-Aktionen in die Reichtumszonen von Kronberg, Starnberg, Blankenese oder Grunewald einzudringen." Banken könnten gewaltfrei stillgelegt werden, auch durch Aufmischen von Hauptversammlungen, erklärte der emeritierte Professor der Freien Universität Berlin. "Die gesellschaftliche Reichtumsumverteilung ist einzufordern."

Gegen die "Selbstbedienungsmentalität von Managern"

Für den DGB Hessen-Thüringen forderte der Vorsitzende Stefan Körzell eine "Re-Regulierung" des Finanzmarkts. Nötig sei eine Trennung zwischen Kreditgeschäft und Investmentbanking und eine strengere Bankenaufsicht. Die Politik habe es versäumt, nach der Lehman-Pleite Konsequenzen zu ziehen, kritisierte Körzell. Allein eine Vermögenssteuer von einem Prozent und eine Erbschaftssteuer, "die ihren Namen verdient", könnten 26 Milliarden Euro jährlich in die öffentlichen Kassen spülen, rechnete der Gewerkschaftler vor. Auch die "Selbstbedienungsmentalität von Managern" müsse ein Ende haben, forderte Körzell.

Viel Beifall bekam der Kabarettist Georg Schramm für seinen Auftritt bei der Kundgebung. Die Banker sollten aus den Büros kommen und ihre Türme selbst abtragen, schlug Schramm vor. "Früher waren Banker noch Geldverleiher und mussten die Hintertür nehmen", sagte der Kabarettist. "Irgendwo am Ende des Mittelalters ist dann irgendwas schiefgegangen."

Initiatoren der Aktion waren das globalisierungskritische Bündnis Attac, die Naturfreunde Deutschland und das Kampagnennetzwerk Campact. Auch rund 25 weitere Organisationen, darunter der DGB, die Jusos, die Grüne Jugend, die Linksjugend, Terre des Hommes, die Katholische Arbeitnehmerbewegung und Occupy, hatten zu dem Protest aufgerufen.

Proteste am Berliner Reichstag

Zu einer Parallelveranstaltung in Berlin zogen am Samstag mehrere tausend Demonstranten friedlich durch die Hauptstadt. Sie wollten das Regierungsviertel "umzingeln". Zwischenfälle gab es nach Angaben eines Polizeisprechers zunächst nicht.

Die Protestierenden verstehen ihre Aktionen auch als Beitrag zu den Protesten und Demonstrationen, die seit Wochen durch die "Occupy"-Bewegung auf die Beine gestellt werden. Gemeinsam solle "echte Demokratie" erkämpft werden, hieß es in dem Aufruf zu der Berliner Demonstration.

Immer weniger Menschen können nach Einschätzung des Bündnisses akzeptieren, "dass über ihre Köpfe hinweg Milliarden zur Bankenrettung bereitgestellt werden". Gefordert wird stattdessen "Großbanken zu zerlegen, undurchsichtige Finanzprodukte zu verbieten, eine Finanztransaktionssteuer einzuführen und Vermögen endlich zu besteuern".

Auf Transparenten der Demonstranten war unter anderem zu lesen: "Es ist kein Zeichen geistiger Gesundheit, gut angepasst an eine kranke Gesellschaft zu sein", "Rettet endlich das Volk und nicht die Banken und Konzerne" sowie "Banken entmachten". Daneben kritisierten Redner die Macht der Großbanken und die für diese entwickelten Rettungspakete.

sto/dapd/dpa

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