Entführung in Berlin Vietnamese zu fast vier Jahren Haft verurteilt

Der Ex-Chef eines vietnamesischen Baukonzerns wurde im Sommer 2017 mitten in Berlin entführt und nach Vietnam gebracht. Nun hat das Kammergericht Berlin einen Helfer der Agententätigkeit schuldig gesprochen.

Long N.H. bei der Festnahme (August 2017)
Bundespolizei

Long N.H. bei der Festnahme (August 2017)


Rund ein Jahr nach der spektakulären Entführung eines vietnamesischen Geschäftsmanns in Berlin ist ein Tathelfer zu einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Das Kammergericht in der Hauptstadt sah es als erwiesen an, dass der 47-jährige Vietnamese Long N.H. das Entführungs-Auto in Prag gemietet, nach Berlin gebracht und später wieder zurückgefahren hatte. Zudem habe er Tatspuren beseitigt.

Der Angeklagte habe von den Plänen des vietnamesischen Geheimdienstes gewusst, jedoch nicht zur obersten Kommandoebene gehört, hieß es im Urteil. Er sei der Beihilfe zur Freiheitsberaubung und geheimdienstlichen Agententätigkeit schuldig. Der Mann hatte die Vorwürfe zugegeben, das Gericht hatte dafür ein vergleichsweise mildes Urteil in Aussicht gestellt. Mit dem Strafmaß entsprach das Gericht der Forderung der Bundesanwaltschaft.

Der entführte frühere Vorstandschef eines staatlichen Baukonzerns sowie seine Geliebte waren in Berlin ausgespäht und dann am 23. Juli 2017 am helllichten Tag im Tiergarten in einen Transporter gezerrt, in die vietnamesische Botschaft gefahren und gegen ihren Willen nach Vietnam gebracht worden. Die Bundesanwaltschaft sieht darin ein "staatlich organisiertes Kidnapping" des vietnamesischen Geheimdienstes.

Trinh Xuan Thanh vor Gericht in Hanoi
AFP

Trinh Xuan Thanh vor Gericht in Hanoi

In Vietnam wurde Trinh Xuan Thanh wegen Korruption und Misswirtschaft in zwei Verfahren jeweils zu lebenslanger Haft verurteilt. Er war er 2016 nach Deutschland gekommen und hatte politisches Asyl beantragt. Der Fall belastet die Beziehungen beider Länder.

asa/dpa



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